Endgültiges Aus verkündet

Kettler war nicht zu retten: 500 Mitarbeiter verlieren den Job

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Mitarbeiter nach der Betriebsversammlung: Kettler in Ense und Werl ist Geschichte. Die Produktion wird eingestellt; es wird nur noch ausproduziert" mit 144 Beschäftigten.

Werl/Ense - Für die Mitarbeiter  ist es nun bittere Gewissheit: Kettler stellt die Produktion in Werl und Ense ein, 500 Beschäftigte verlieren ihren Job.

Das wurde den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung am Montagmorgen in der Schützenhalle in Ense-Bremen mitgeteilt. 144 Kettler-Beschäftigte sollen zum "Ausproduzieren" noch für ein paar Monate zur Arbeit kommen; die anderen werden ab Mittwoch "widerruflich freigestellt". 

Bild mit Symbolcharakter: Ein Mitarbeiter stellte vor Beginn der Betriebsversammlung gegenüber der Kettler-Hauptverwaltung ein Grablicht auf.

An allen drei Standorten soll ausproduziert werden, um bestehende Warenkapazitäten und Kundenaufträge abzuarbeiten. Das kann sich ein paar Monate hinziehen.

Sobald die Vereinbarung eines Sozialplans mit dem Betriebsrat steht, werden die Kündigungen für den Rest der über Jahre geschrumpften Belegschaft ausgesprochen. 

Wenn das wie geplant noch im Oktober gelingt, wird den Mitarbeitern zum 31. Januar 2020 gekündigt. Das Insolvenzverfahren soll noch in dieser Woche eröffnet werden.

"Totenstille" bei der Versammlung

"Totenstille", sagte ein Mitarbeiter, habe bei der Betriebsversammlung geherrscht. Niemand sei mehr zu dem Treffen gekommen mit der wirklichen Hoffnung, dass  es doch noch weitergeht. Einige hatten sich in Galgenhumor vor der Versammlung geflüchtete: "Willkommen zur Beerdigung", begrüßten sich Mitarbeiter. 

Einer hatte ein Grablicht angezündet und es auf die Mauer vor der Schützenhalle gestellt. Die Hauptverwaltung liegt auf der anderen Straßenseite. Da war schon klar, dass das Licht bei dem Traditionsunternehmen ebenso wie die Hoffnung längst erloschen war.  

Beschäftigte empfinden Leere

Das endgültige Aus für Kettler hatte spätestens am Freitag nach der Gläubigerversammlung festgestanden. Für Wut oder Frust war nicht mehr viel Platz bei den Beschäftigten. "Leere", sagten gleich mehrere der Betroffenen nach der Versammlung auf die Frage, was sie fühlen.

Dass die Lage von Kettler noch schlechter war, als gedacht, ließen die Berater des Unternehmens wissen. Kettler habe schlicht nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können, es habe an wirklichem Unternehmergeist gefehlt, auch Managementfehler habe es gegeben.  Hinzu kamen zuletzt Lieferengpässe, trotz der noch immer vorhandenen Strahlkraft der Marke Kettler. 

Man sei mit dem wirklichen Willen in das dritte Insolvenzverfahren gegangen, den Kopf des Unternehmens doch noch mal aus der Schlinge zu ziehen. Es habe aber keine Chance mehr gegeben.  

Markenrechte liegen bei Holding

Die Markenrechte liegen bei der Kettler Holding, die anders als die "Kettler Freizeit" und "Kettler Plastics" keine Insolvenz angemeldet hatte. 

Es gilt also als gut möglich, dass es auch in Zukunft Produkte mit dem Namen "Kettler" geben wird - aber sie werden nicht aus Werl und Ense kommen.

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