Heinz-Kettler-Stiftung hält es nicht für ausgeschlossen

Zukunft für einzelne Unternehmensteile?

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Auch einen Tag nach dem verkündeten Aus von Kettler in Ense und Werl gibt es Gespräche und Reaktionen.

Werl - Als „Niedergang eines Stücks deutscher Industriegeschichte“ bezeichnet Andreas Sand von der Heinz-Kettler-Stiftung das Aus beim Freizeitartikelhersteller Kettler auf Anfrage unserer Redaktion. Allerdings hält es die Stiftung für nicht ausgeschlossen, dass es zumindest für einzelne Unternehmensteile auch dauerhaft weitergehen könnte. 

Klar ist: Wenn ein solcher Neustart mit Konzentration auf die Stärken auch unter der Marke „Kettler“ laufen sollte, müsste die Kettler Holding und damit der Investor Lafayette Mittelstand Capital Lizenzrechte am Markennamen „Kettler“ vergeben. Damit ließe sich wohl ein Teil der Verluste abdecken, die der Investor zu verzeichnen hat. 

Der hüllt sich unterdessen weiterhin in Schweigen; eine Stellungnahme war auch am Dienstag trotz neuerlicher Anfrage nicht zu bekommen. Auch nicht dazu, ob der Investor sich schlicht verkalkuliert und am Kettler-Geflecht verhoben hat – oder aber allein Interesse an der Marke hatte. Dann, da sind sich Insider einig, habe sich Lafayette den Namen letztlich viel kosten lassen.  

Insgesamt stellte der Investor dem Vernehmen nach 12,5 Millionen Euro bereit. Beide Varianten werfen zumindest kein gutes Licht auf Lafayette. Ebenso logisch: Der Wert der Marke ist durch das dritte Insolvenzverfahren in kurzer Zeit sicher nicht gestiegen – im Gegenteil. 

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Die Kettler-Stiftung als Besitzer der Gebäude werde sich nun intensiv um die Neuvermietung der riesigen Hallenflächen in Sönnern, im Gewerbegebiet Mersch und auch in Parsit kümmern, sagt Sand. Am Mittwoch soll es Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geben. 

Bestmöglicher Abverkauf hilft auch bei Insolvenzmasse

Darüber hinaus ist die Stiftung sicherlich an der nun anlaufenden „Ausproduktion“ und damit dem Abarbeiten offener Bestände und Kundenaufträge interessiert. 

Denn zur Sicherung des verlängerten Darlehens der Stiftung für Kettler sind die Warenbestände als Sicherungseigentum auf die Stiftung übergegangen. Ein bestmöglicher Abverkauf hilft auch bei der Insolvenzmasse und damit allen Gläubigern.

Betriebsversammlung zum Kettler-Aus

144 Kettler-Beschäftigte sollen in der Ausproduktion zunächst weiterarbeiten, womöglich sogar über den Januar hinaus. Die Ursachen für den Kettler-Niedergang sind aus Sicht der Stiftung vielfältig. Die richtigen Restrukturierungsschritte seien versäumt worden. 

Ins Detail will Andreas Sand gar nicht gehen. „Aber es ist sehr zu bedauern, was da mit einer deutschen Marke passiert“ – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, was Heinz Kettler einst mit der Gründung wollte. „Dass das so gekommen ist“, sagt Sand, „ist ein Trauerspiel“.

"Wir sind erschüttert und fassungslos"

Unterdessen meldet sich auch die Gewerkschaft zu Wort. „Wir sind erschüttert und fassungslos, dass man Kettler so vor die Hunde gehen lässt“, sagt Britta Peter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Hamm-Lippstadt, auf Anfrage unserer Redaktion. Im Endeffekt sei die Arbeitnehmervertretung vom Kettler-Aus überrascht worden. „Das war für uns in dem Maße nicht absehbar“, sagt die Gewerkschafterin. 

Die IG Metall sei vielmehr guter Hoffnung gewesen, dass das Traditionsunternehmen noch zu retten ist und es mit dem neuen Investor Lafayette weitergehen kann. Es seien aber Fehler gemacht worden, die erst im nachhinein offensichtlich wurden, und die die Arbeitnehmervertretung nicht zu verantworten habe. 

Details nennt die IG Metall nicht

Diese „unternehmerische Fehlleistung“ habe erst zur Insolvenz geführt. Was im Detail die IG Metall meint, dazu wollte sich Britta Peter nicht äußern. Keinesfalls aber wolle man unterstellen, dass das Kettler-Aus bewusst provoziert worden sei. 

Britta Peter zollt vor allem den Kettler-Betriebsräten Respekt. Für deren Engagement in den vergangenen Jahren sei zu danken. Ohnehin zeigt sich die Bevollmächtigte überzeugt, dass eine Berücksichtigung der Arbeitnehmer-Ideen schon bei der ersten Schieflage Kettler hätte retten können. Konzepte habe es gegeben. Aber für Arbeitnehmer sei nun mal keine wirtschaftliche Mitbestimmung vorgesehen.

Den Kettler-Beschäftigten könne die IG Metall nun nur einen Rat geben, so Britta Peter: „Sie sollten das Kapitel schnell abschließen und nach vorne schauen.“ Denn Blicke zurück, ob in Zorn oder Wehmut, würde nur Kraft kosten. Dabei stehen die 550 Beschäftigten, die durch das Kettler-Aus ihren Job verlieren, vor schweren Herausforderungen, um wieder eine Anstellung zu finden. „So oder so müssen sich die Leute auf Veränderungen einstellen."

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