Gerichte beschäftigen sich mit Kündigungen

Kettler-Insolvenzverfahren werden noch Jahre dauern

Das Kettcar hat Kettler bekannt gemacht. Inzwischen verbindet man mit dem Namen auch die Begriffe Insolvenz und Kündigungsschutzklage.	Foto: Müller
+
Das Kettcar hat Kettler bekannt gemacht. Inzwischen verbindet man mit dem Namen auch die Begriffe Insolvenz und Kündigungsschutzklage.

Gefühlt ist Kettler in Werl und Ense längst Geschichte. Ein Teil der Hallen wird bereits von neuen Mietern genutzt. Doch die beiden Insolvenzverfahren der Kettler Freizeit GmbH und der Kettler Plastics GmbH sind auch ein knappes Jahr nach Eröffnung noch anhängig.

Werl/Ense - Wie Insolvenzverwalter Georg Kreplin auf Anfrage mitteilte, sei „mit einem Abschluss der Verfahren wegen der umfassend noch zu klärenden Sachverhalte aus der Vergangenheit in den nächsten Jahren nicht zu rechnen“. Das sei aber allgemein üblich, da die Aufarbeitung der Vergangenheit stets viel Aufwand bedeute. Die Ausproduktion sei schon vor Monaten abgeschlossen worden, sagt Kreplin.

Seither seien „nahezu alle Maschinen und werthaltigen Gegenstände des Anlagevermögens“ verwertet worden. Ein kleiner Rest befinde sich noch in der Verwertung. Soweit einzelne Gegenstände oder Warenreste nicht verwertbar waren, seien diese entsorgt oder aus dem Insolvenzbeschlag freigegeben worden.

Kettler hatte Ende Juli 2019 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Mitte Oktober wurde dann das endgültige Aus für die Produktion an den Standorten Ense und Werl verkündet.

Klagen gegen Kündigung

550 Mitarbeiter beim Kettcar-Hersteller verloren ihre Jobs. 160 von ihnen haben eine Kündigungsschutzklage erhoben. Einige der Klagen sind bereits in erster Instanz gescheitert. Doch etliche Ex-Mitarbeiter gehen in die Berufung.

Die mündlichen Verhandlungen vor dem Landesarbeitsgericht stehen noch aus. Auch seien noch nicht alle erstinstanzlichen Verfahren beendet, so Klägervertreterin Christine Burg von der Kanzlei Dr. Burg & Partner (Unna). Die Anwältin sieht viele Argumente, dass in Sachen Kettler von einem „verschleierten Teilbetriebsübergang ausgegangen werden könnte“. Sie bezieht sich dabei unter anderem auf den Übergang der Markenrechte für den Gartenmöbel-Bereich an die neugegründete KHG Home & Garden GmbH mit Sitz in Glinde bei Hamburg.

In der neuen GmbH seien auch ehemalige leitende Kettler-Mitarbeiter tätig. Außerdem würden in Gelsenkirchen ehemalige Kettler-Maschinen und -Werkzeuge zur Produktion von Freizeitmöbeln eingesetzt. Die GmbH äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

Marke lebt weiter

Die Kettler-Marke wird auch in weiteren Bereichen weiterleben. So hat um den letzten Jahreswechsel das Schweizer Unternehmen Trisport die Kettler-Markenrechte für Sport- und Fitnessgeräte in Europa erworben.

Die Kettler-Fahrradsparte war bereits 2015 von der Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) übernommen worden und firmiert heute unter dem Namen Kettler Alu-Rad GmbH.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare