Kodex für alle Mitarbeiter

Katholische Kirche will Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen

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Die Propstei Werl will Kinder besser vor sexuellem Missbrauch schützen. In seiner jüngsten Sitzung hat der Pfarrgemeinderat ein „Institutionelles Schutzkonzept“ mit einem Verhaltenskodex für alle Mitarbeiter verabschiedet.

Werl - Was dieser Leitfaden vorsieht, stellt der Pfarrgemeinderat im Gespräch mit dem Anzeiger vor. Ein Überblick.

Warum hat die Propstei ein solches Schutzkonzept erarbeitet?

Ausgangspunkt ist der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, der zu einem riesigen Vertrauensverlust geführt hat. ,,Als katholische Kirche stehen wir aber für etwas ganz anderes. Wir stehen für Respekt und Wertschätzung, einander zu helfen, aber doch nicht andere zu verletzen“, so Propst Michael Feldmann und Gemeindereferent Markus Ende, der als Präventionsfachkraft das Konzept erarbeitet hat. Im Papier heißt es: „Das Wohl der uns anvertrauten Menschen war und ist uns in unseren Kirchengemeinden immer ein elementares Anliegen. Unser Ziel ist es, (...) am Aufbau einer ,Kultur der Achtsamkeit’’ mitzuwirken.“

Auf welche pastoralen Bereiche und Personengruppen zielt das Projekt?

Beachtung finden die Messdienerarbeit, die (Pfarr-)Jugendgruppen, Ferienfreizeiten, die Katholische Öffentliche Bücherei, der BdSJ St. Cäcilia Westönnen sowie die Kommunion- und Firmvorbereitung.

Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Die Führungs- und Leitungsverantwortlichen müssen einen Verhaltenskodex akzeptieren, der sich widerspiegelt in einer „wertschätzenden Grundhaltung“, einem „respektvollen Umgang“, einem ,,angemessenen Verhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen“, einem ,,angemessenen Verhältnis von Nähe und Distanz zu den anvertrauten Personen“ und einem ,,angemessenen Verhalten gegenüber schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen“

Werden die Mitarbeiter speziell geschult?

Ja. Alle Hauptamtlichen im Pastoralen Dienst sind in mehrtägigen Fortbildungsmaßnahmen zum Thema Prävention geschult worden. Diese Schulungen werden alle fünf Jahre wiederholt.

Gibt es sonst noch Regeln für die Mitarbeiter?

Mitarbeiter und ehrenamtlich Tätige müssen ein erweitertes Führungszeugnis im Abstand von fünf Jahren vorlegen. Darüber hinaus wird von Mitarbeitern einmalig eine Selbstauskunftserklärung eingefordert. Darin versichert der Mitarbeiter, dass er nicht wegen einer Straftat im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt rechtskräftig verurteilt ist und auch in diesem Zusammenhang kein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet ist.

Von den Ehrenamtlern, die 16 Jahre und älter sind, müssen diejenigen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, deren Tätigkeit hauptsächlich im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit liegt. Die Entscheidung darüber, wer von den ehrenamtlich Tätigen ein solches Führungszeugnis vorzulegen hat, trifft der leitende Pfarrer unter Hinzuziehung der Präventionsfachkraft.

Was besagt der Verhaltenskodex für den Umgang mit Kindern?

Er legt die Regeln auf mehreren Ebenen fest. So sollen Sprache und Wortwahl „respektvoll und altersgerecht“ sein. Bei Aktivitäten und Spielen werde auf „eine transparente, zugewandte und fachlich adäquate Gestaltung von Nähe und Distanz geachtet“.

Körperliche Berührungen seien „Ausdruck von Sympathie und Zugehörigkeit“. Kinder, Jugendliche und hilfebedürftige Erwachsene bestimmten selbst das Maß von Berührungen. Diese sollen in jedem Fall „altersgerecht und angemessen sein und das pädagogisch-medizinisch sinnvolle und notwendige Maß nicht überschreiten“. Besonders Augenmerk gelte der Beachtung der Intimsphäre: Jedes Verhalten, das die Intimsphäre verletzt, sei zu unterbinden, heißt es.

„Gemeinsames Umkleiden, gemeinsame Körperpflege und gemeinsames Duschen mit Schutzpersonen sind nicht gleichzeitig und nicht im gleichen Raum gestattet.“ Mitarbeiter übernachten nicht gemeinsam mit den anvertrauten Personen in einem Zimmer. Die Übernachtungen finden möglichst geschlechtergetrennt statt. In Einrichtungen mit Sammelduschen gibt man Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, auch mit Badebekleidung duschen gehen zu können.

Erwachsene duschen nicht zusammen mit Kindern und Jugendlichen. Vergünstigungen oder Geschenke durch Mitarbeiter an einzelne anvertraute Personen sind nur erlaubt, wenn sie in einem pädagogisch sinnvollen und angemessenen Zusammenhang mit der jeweiligen Aufgabe stehen. Erzieherische Maßnahmen müssen so gestaltet sein, dass die persönlichen Grenzen von Schutzbefohlenen nicht überschritten werden. Jede Form von Gewalt, Nötigung, Drohung oder Freiheitsentziehung ist untersagt. Mutproben sind zu untersagen, auch wenn die ausdrückliche Zustimmung der Person vorliegt.

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