"Kanistergesichter" an Hedwig-Dransfeld-Schule beschädigt

Vandalen wüten an Kunstprojekt an Förderschule

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Die Schüler der Hedwig-Dransfeld-Schule haben lange an ihren Kunstwerken gearbeitet.

Werl. Die Kinder der Hedwig-Dransfeld-Schule kennen keine Bosheit. Umso schwieriger ist es, ihnen zu vermitteln, warum andere Menschen Böses tun. Eine Aufgabe, auf die die Pädagogen gerne verzichten würden. Doch es führt kein Weg daran vorbei. Denn die Schule wird wiederholt Opfer von Vandalismus.

Es sind knuffige Fratzen, die das Geländer auf dem Pausenhof zieren. Leere Plastikkanister, die über das ganze Schuljahr hinweg mit der Dortmunder Künstlerin Manuela Wenz mit Nasen, Ohren, Haaren verziert wurden.  Das Projekt der Dortmunder Künstlerin Manuela Wenz ist ein klassischer Fall von „Upcycling“, also eine Wiederverwertung und vor allem Aufwertung von Abfall, der sonst vernichtet worden wäre.

Eingebunden in das Projekt waren alle Klassen der Hedwig-Dransfeld-Schule von der 6. bis 10., jede Klasse arbeitete immer montags an drei vollen Schultagen von 9 bis 15 Uhr daran. Insgesamt wurden auf diese Weise 72 Kanister verarbeitet.

So sehen sie aus, die Kanister-Köpfe.

Doch kaum hingen sie draußen, fielen die ersten Vandalen darüber her, erstmals zum Jahreswechsel. Da sprengten einige Feierwütige die Kanister mit Böllern. „Und dann erklären Sie mal den traurigen Kindern, warum jemand etwas zerstört, in das sie so viel Liebe und Kreativität investiert haben“, sagt Lehrerin Beate Abel, die das Projekt begleitet hat. Sie kann die Beweggründe der Täter nicht verstehen. „Und es war so schön zu sehen, welche Kreativität selbst die motorisch Schwächsten entwickelten.“

Kaum hing nun auch der Rest der Kanister, ging es nachts wieder rund. Zum Fototermin gestern musste Abel dazu sagen: „Die sahen vorher viel besser aus.“ Mit Stöcken wurde offenbar auf die Kanister eingedroschen, die aufgeklebten Verzierungen lagen über den Boden verstreut, wie Fotos auf Abels Handy beweisen.

Mehr noch: Teil des Projekts ist die Gestaltung einer Garagenwand mit einem Mosaik. Dazu wurde die Wand vorher neu gestrichen. „Und nur einen Tag später waren schon wieder die ersten Schmierereien auf der Wand“, ärgert sich der stellvertretende Schulleiter Benedikt Abel. Die Schule hat nach eigener Aussage Anzeige gegen unbekannt gestellt.

Nun fragen sich die Lehrer: Sollen sie die vorbereiteten Schilder mit der Aufforderung „Bewundern statt zerstören“ laminieren und aufhängen? Oder würden sie die Vandalen damit erst recht animieren?

Fakt ist nur: Der Schulhof ist frei begehbar, denn damit, dass die Kinder der Nachbarschaft den Spielplatz nutzen, hat hier ja auch niemand ein Problem. Was wäre die Lösung? Meterhohe Zäune? Benedikt Abel weiß von einer Dortmunder Schule, bei der auch eine drei Meter hohe Einfriedung Eindringlinge nicht fernhält. Was bleibt noch? Ein Nachtwächter? Stacheldraht? Ein Weidezaun, der nach Schulschluss unter Strom steht?

Am 17. Juni sollen die Werke der Kinder im Rahmen des Jahresabschlusses bei einer kleinen Vernissage präsentiert werden. Zumindest, was bis dann noch davon übrig ist.

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