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Er möchte neuer Bürgermeister von Werl werden

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Von: Gerald Bus

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Torben Höbrink geht für die Werler CDU ins Rennen um das Bürgermeisteramt. © Lortie

Torben Höbrink möchte neuer Bürgermeister von Werl werden. Am Freitagabend präsentierte die CDU dem Vorstand den 35-jährigen Westönner als Kandidaten für das höchste Amt der Stadt. Er soll nach der Kommunalwahl im September Amtsinhaber Michael Grossmann beerben, der nicht wieder antritt.

Werl – Torben Höbrink bezeichnet sich selber als Ur-Werler: Nur die ersten Atemzüge tat er in der Nachbarstadt Soest, wo er geboren wurde. Seither wohnt er in Westönnen. Damit ist eines klar: Der nächste Werler Bürgermeister wird mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Westönnen kommen; denn in dem Ortsteil wohnt auch der Bürgermeisterkandidat der SPD, Meinhard Esser. 

Als der Werler CDU-Chef Gerd Petermann vor geraumer Zeit bei Torben Höbrink anrief, da habe er gerade unter einer Schweißermaske gesteckt und dicke Handschuhe getragen, schmunzelt der Familienvater. „Denn ich werkel gerne.“ Daher habe er erst gar nicht ans Telefon gehen können. Sicher habe ihn der Anruf überrascht, habe er sich zunächst mit der Familie beraten müssen, ob die Kandidatur überhaupt in Frage kommt – schließlich erwartet die Familie im März das zweite Kind. Bürgermeister von Werl werden zu können, das sei ohne Frage „eine Ehre“. Aber es stellt auch die Weichen für das Leben neu.

Intensiv mit Städten und Gemeinden vertraut

Dass er sich auch ohne Handschuhe nicht die Finger verbrennt, dass er den Job kann, davon ist nicht nur die CDU, sondern auch Höbrink selbst überzeugt. Seit 2013 ist er als Beamter bei der Gemeindeprüfungsanstalt NRW als Referent und Berater aktiv, ist dadurch intensiv mit Städten und Gemeinde in Nordrhein-Westfalen vertraut, die sich – so wie Werl – im Stärkungspakt zur Entschuldung befinden. Verwaltungsarbeit ist ihm also alles andere als fremd. Und wenn er auch als Kandidat der CDU ins Rennen geht, so sieht der Westönner doch gerade auch seine bisherige Tätigkeit als Garant für überparteiliches Handeln. „Ich habe CDU- und SPD-Bürgermeister in den Kommunen beraten“, sagt der 35-Jährige. Im Endeffekt müsse es immer eher um die Sache als um politisches Kalkül gehen.

Steuern senken: Eine der wichtigsten Aufgaben

Aus seiner Erfahrung mit überschuldeten Kommunen weiß Torben Höbrink aber auch, dass es Werl „vergleichsweise gut“ geht. Die Stadt habe den Schuldenabbau besser als andere bewältigt. Natürlich weiß er um die Bedeutung des Themas Steuern. Und es gehöre sicher zu den wichtigen Aufgaben, „zu sehen, wann man sie wieder senken kann“. 

Das sind seine weiteren Schwerpunkte

Als Schwerpunkte nennt der Kandidat aber auch das Thema der Kinderbetreuung („Eltern sollten nicht mit ihren Kindern quer durch die Stadt fahren müssen“), kennt die Probleme mit dem Kreis als Jugendhilfeträger und nennt sie auch beim Namen. Bezahlbares Wohnen („Es macht nachdenklich, wenn Freunde wegziehen, weil sie keinen Bauplatz finden“), aber auch das unerlässliche Thema der Digitalisierung („Das darf keine Worthülse sein und nicht dem Selbstzweck dienen, sondern muss Teil der Lösung der Probleme von Kommunen sein“)“ nennt der BVB-Fan als weitere Aufgabenbereiche.

Dabei sieht er seinen Platz zunächst einmal im Rathaus selber, in der Verwaltungsarbeit. Sich dort einzuarbeiten werde zunächst wichtiger sein als Repräsentieren. „Wobei sicher beides wichtig ist.“ 

Ganz neu ist ihm das Werler Rathaus nicht: Von 2010 bis 2013 war er in der Verwaltung tätig als Mitarbeiter in der Organisation, bevor er zur GPA wechselte. 

Torben Höbrink ist seit rund acht Jahren Mitglied der CDU und Beisitzer im CDU-Stadtverband. Er habe damals Westönnens Ortsvorsteher Martin Beudel angesprochen, wollte mitwirken, etwas bewegen in der Stadt. Dass er genau der Richtige dafür ist, davon ist CDU-Chef Petermann überzeugt. Man habe keinen Parteisoldaten gesucht, sondern „einen Profi“. Einen, der jung ist und auch in 20 Jahren noch Werl mitgestalten will und kann. Einen, der Verwaltungserfahrung hat, der wirtschaftlich denkt, auf die Menschen zugehen kann „und am besten auch noch Werler ist“. Alles passe bestens auf Torben Höbrink. Der erfülle das CDU-Profil optimal. „Wenn wir uns einen Kandidaten hätten schnitzen sollen: Er würde genau so aussehen“, sagt Petermann.

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Von Gerald Bus

Von einem, der antritt, die CDU zu retten: Höbrink ist ein guter Griff „Torben – wer?“ Mit dieser Reaktion wird die CDU außerhalb von Westönnen rechnen müssen. Aber: Mit Torben Höbrink ist der Partei eine echte Überraschung geglückt. 

Nach Wochen des vereinbarten Stillschweigens ist das Geheimnis endlich gelüftet. Und es scheint ein guter Griff zu sein, den die CDU tut: Torben Höbrink steht für einen Neuanfang, ist alles andere als ein Übergangskandidat. Der berufliche Werdegang beeindruckt, der Mann ist unverbraucht – und damit ein wirkliches Gegengewicht zum „alten Hasen“ Meinhard Esser von der SPD. 

Offen ist er, der Neue. Neugierig. Nun gilt es aber vor allem, den Kandidaten bekannter zu machen. Er muss und wird sich einen Namen machen. Die Menschen wollen wissen, wen sie da wählen sollen. Zumindest Badegäste des Werlers Bads könnten sich vielleicht noch an den „Schlacks“ erinnern, sagt Zwei-Meter-Mann Höbrink. 

Da hat er einst zehn Jahre lang nebenbei als Badaufsicht gearbeitet. Und ist daher nicht nur mit Kommunen betraut, denen das Wasser bis zum Hals steht. In Werl gilt es aber für ihn nun, die nicht unumstrittene CDU zu retten. Ein Hoffnungsträger, keine Frage. Die Wahl wird spannend.

Zur Person

Der 35-jährige Torben Höbrink ist seit 2011 verheiratet. Dabei traute ihn damals ausgerechnet der Noch-Bürgermeister Michael Grossmann, den er nun im Amt beerben möchte. 

Der Westönner ist Vater eines vierjährigen Sohns, das zweite Kind soll im März geboren werden. Das Dorf ist ihm Heimat, hier kickte er bei RW Westönnen, trieb aber auch Sport beim SC Hellweg und bei der DLRG. Die Grundschule in Westönnen besuchte der junge Torben ebenso wie das Ursulinengymnasium in Werl und dann das Hubertus-Schwartz-Berufskolleg Soest. 

Von 2003 bis 2006 machte Höbrink eine Ausbildung bei der Bezirksregierung Arnsberg (Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW) mit dem Abschluss Diplom-Verwaltungswirt. Mehrere berufsbegleitend erworbene akademische Qualifikationen folgten. 

So kann er sich Diplom-Betriebswirt, Master of Business Administration und seit 2019 auch zertifizierter „Data Scientist“ nennen. Die Abschlussarbeit des Bereichs Datenwissenschaften an der Uni Münster hatte „Kennzahlen zur Haushaltskonsolidierung im Stärkungspakt Stadtfinanzen“ zum Thema. 

Von 2006 bis 2010 arbeitete er beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW, wechselte dann für drei Jahre ins Werler Rathaus und von dort zur Gemeindeprüfungsanstalt NRW.

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