Über 700 Arbeitsplätze in Gefahr

Entscheidung vertagt: Kettler-Mitarbeiter demonstrieren vor Stiftungs-Gebäude

+
Rund 400 Kettler-Mitarbeiter demonstrierten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Ense/Werl - Entscheidung vertagt: Am Freitagmorgen demonstrierten rund 400 Mitarbeiter  der Firma Kettler. Es ging nicht etwa um eine Gehaltserhöhung, sondern um ihre Arbeitsplätze. Wie es für sie weitergeht, wissen sie jedoch noch immer nicht. 

Kettler-Geschäftsführer Olaf Bierhoff stellte sich den vielen Mitarbeitern vor dem Gebäude der Kettler-Stiftung. 

Er erklärte: "Am kommenden Montag findet noch einmal eine Mitarbeiterversammlung statt. Es  kann bedeuten, dass am Montag die Lichter ausgehen." 

Kettler-Mitarbeiter demonstrieren für ihre Arbeitsplätze

Er versicherte den Anwesenden, dass "möglichst viele Arbeitsplätze" gerettet werden sollen. Versprechen konnte am Freitag aber auch er nichts.

Die Stiftungsaufsicht betont in einer Stellungnahme: "Ein finaler Vergleichsvorschlag des Sachwalters liegt der Stiftungsaufsicht vor und wird - auch unter Hinzuziehung externen Sachverstands - geprüft. Das Ergebnis dieser Prüfung wird in der kommenden Woche erwartet."

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut"

Michael Heierhoff, der Betriebsratsvorsitzende von Kettler, führte den rund zwei Kilometer langen Protestmarsch vom Kettler-Firmensitz in Ense-Parsit bis zum Gebäude der Kettler-Stiftung in Höingen an. Mit seinem Megafon stimmte er an: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“

Am Ziel angekommen sagte Heierhoff vor versammelter Belegschaft: „Die Verantwortlichen haben sich aus dem Staub gemacht! Der eine schiebt dem anderen den Schwarzen Peter zu.“ Der Betriebsrat habe mit Manfred Sauer sprechen wollen, doch dieses Gespräch habe er abgesagt, so Heierhoff weiter: „Das ist ein unterträglicher Zustand für uns alle. Wir kämpfen hier für unsere Arbeitsplätze.“ Er beschloss seine Rede mit den Worten: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Vorsichtshalber arbeitslos gemeldet

Michael Bruns, seit 22 Jahren Angestellter bei Kettler, meinte: „Es reicht! Da hängen so viele Existenzen dran. Wir wissen nicht, ob wir Montag noch eine Arbeit haben. Diese ungewisse Zukunft macht einen fertig. Ich will hören, dass sich die Verantwortlichen einigen.“ Ein anderer meinte: „Ich war heute bei der Agentur für Arbeit und habe mich vorsorglich arbeitslos gemeldet. Leider!“ 

In zahlreichen Gesprächen mit dem Anzeiger machten die Angestellten ihrer Verzweiflung Luft. „Ich bin 55 Jahre alt. Ich war mein Leben lang bei Kettler. Wo soll ich denn hin? Wer nimmt mich denn noch?“, fragte einer mit heiserer Stimme.

Viele Bürger aus Werl, Wickede und Ense drückten ihre Solidarität mit den Kettler-Angestellten aus, beteiligten sich am Protest-Marsch. „Da hängt die ganze Region mit dran. Auch die Zulieferer aus der Umgebung. Alle drücken den Mitarbeitern die Daumen, dass es weitergeht“, sagte ein Werler.

Auch in den sozialen Netzwerken gibt es Solidaritätsbekundungen. So haben einige Mitarbeiter und Sympathisanten ihre Profilbilder bei Facebook mit dem Schriftzug „Wir sind Kettler“ versehen. Für Michael Heierhoff war das Kapitel Kettler am Freitag zumindest noch nicht beendet: „Es kann ja sein, dass dieses Fünkchen Hoffnung einen Brand entfacht.“

Lesen Sie auch:

Kettler droht das Aus: Der Investor soll abgesprungen sein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare