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Ein „Lebenstraum“ ist geplatzt: Das „Kaffeehaus“ schließt - Nachfolge in Sicht

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Von: Gerald Bus

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Ute Eickelmann vom Werler Kaffeehaus
Ute Eickelmann vom Werler Kaffeehaus muss aufgeben: Nach zwei Jahren endet das Angebot am Kälbermarkt. © Thomas Nitsche

[Update 15.15 Uhr] „Ich habe da soviel Herzblut rein gesteckt - aber es reicht nicht“: Für Ute Eickelmann platzt ein süßer Lebenstraum mit bitterem Ende. Sie muss ihr mit so viel Hoffnungen gestartetes Café am Kälbermarkt wieder aufgeben. Das „Kaffeehaus Werl“ schließt zum Jahresende.

Werl - Das bestätigt die Unternehmerin auf Anfrage - und zeigt sich tief enttäuscht. Zum Schluss kam alles Schlechte zusammen.

Die Corona-Pandemie machte einen Normalbetrieb schon drei Monate nach dem Start im Dezember 2019 unmöglich. Dann blieben die Kunden weg, obwohl sie wieder hätten kommen dürfen. „Nach dem ersten Lockdown im Herbst letzten Jahres ging es noch“, sagt die Neheimerin. „Aber nach dem zweiten Lockdown blieb es wie leer gefegt.“ Seit Mai ist gähnende Leere. Erklären kann Ute Eickelmann sich das nicht: „Wo sind all die Menschen geblieben? Was geht in den Köpfen vor?“ Im Endeffekt habe sie in den zwei Jahren nur drei Monate „Normalzeit“ gehabt, am Start. Danach lief nichts mehr wie erhofft.

Kunden blieben weg: Kuchen weggeworfen

Offenbar habe das Virus in den Köpfen der Menschen Ängste ausgelöst, die nachwirken. So oder so: Es gebe zwar Stammgäste. Aber mit denen allein ist der Café-Betrieb nicht zu stemmen. Verdient hat die Chefin seit langem nicht mehr, musste vielmehr privates Geld zuschießen. „Und das kann es ja nicht sein.“ Zuletzt habe sie immer wieder Kuchen wegwerfen müssen, selbstgemachte Produkte. Das sei bitter gewesen.

Hinzu kommen Probleme mit dem Vermieter, von dem Ute Eickelmann sich in der für Gastronomen so schweren Zeit mehr Entgegenkommen erhofft hatte, „dass er mitzieht“. Aber das sei erst nur in kleinem Rahmen erfolgt, jetzt gar nicht mehr, sagt sie. Das habe den Rest gegeben. Auch die Überbrückungshilfen hätten das Problem nicht gelöst, es sei „eins zu eins an den Vermieter geflossen.“ Ein Grund, dass Ute Eickelmann nun die Reißleine zieht. Das Aus zum Jahresende sei daher auch „definitiv“ - egal, was oder wer kommt.

Es war ein guter Plan, aber er hat leider nicht funktioniert.

Ute Eickelmann

Wie es für sie weitergeht? Das weiß sie noch nicht. Ein Café an anderer Stelle in Werl kommt nicht in Frage. „In Werl war das für mich das einzig Wahre“. Stets hatte Ute Eickelmann den Wert der Stadt und des Standorts am Kälbermarkt für sich betont. In das Ladenlokal passe ein Café perfekt - nur müssten halt die Bedingungen stimmen und stemmbar sein. War es nicht. „Es war ein guter Plan, aber er hat leider nicht funktioniert.“ Wenn zwei Kunden in einem Café mit 24 Plätze sind, sei das nicht profitabel.

Bis zum Jahresende will die Unternehmerin ihr Haus aber offen lassen, hofft auf Kunden, auch auf die so dringend benötigte Laufkundschaft, ohne die es eben nicht gehe. Ein schönes Vorweihnachtsgeschäft, um den Traum zumindest noch etwas zu leben und auch etwas davon zu haben: Das wünscht sich Ute Eickelmann.. Das Bedauern ist letztlich „schon sehr groß, ich bin extrem traurig. Das war immer mein großer Wunsch.“ Und auch zum Ende bleibt eines: „Ich liebe dieses Café“.

Das sagt die Eigentümergemeinschaft

„Wir sind nach der Kündigung von Frau Eickelmann in Gesprächen mit einer renommierten, überregionalen Café-Kette, die erstes Interesse an der Übernahme gezeigt hat“, sagt Sandra Kupermann als Vertreterin der Eigentümergemeinschaft des Objektes Haus von Papen, in dessen Anbau sich das Kaffeehaus befindet. Uneinig sind sich Vermieter und Ute Eickelmann offenbar beim Thema Miete. Kupermann, auch Verwalterin der Liegenschaft am Kälbermarkt, verweist in ihrer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion auf „erhebliche Mietrückstände“ für das Café. Die Aufgabe der Betreiberin komme letztlich einer außerordentlichen Kündigung der Eigentümergemeinschaft zuvor. Auch um die Nutzung des Inventars und die daraus entstehenden Kosten dafür gibt es Streit zwischen den Parteien. „Der Stundung beziehungsweise Aussetzung während des Lockdowns und einer Mietreduzierung haben wir direkt zugestimmt. Das Entgegenkommen und die Geduld von Vermieterseite war überdurchschnittlich“, sagt Sandra Kupermann. Stellung bezieht sie auch zur Frage des leer stehenden Obergeschosses über dem Café: „Der Mieter des Yoga-Studios war die Praxis Tao. Diese hat die entsprechende Nutzung auch aufgegeben. Da sind wir in Gesprächen mit neuen Yoga-Interessenten.“

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