„Noch glimpflich davongekommen“

Zur Not hilft die JVA mit Tabak: Anstalt ist erleichtert nach Corona-Bilanz

Abgeriegelt: Ulrike Schmallenbach und Klaus Severin, Leiter des Allgemeinen Vollzugsdiensts, vor dem Haus 2, das zur Quarantänestation umgebaut wurde.
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Abgeriegelt: Ulrike Schmallenbach und Klaus Severin, Leiter des Allgemeinen Vollzugsdiensts, vor dem Haus 2, das zur Quarantänestation umgebaut wurde.

Dass es bei 37 Infektionsfällen geblieben ist, hat in der Justizvollzugsanstalt Werl für Aufatmen gesorgt. Da die Britische Variante des Virus nachgewiesen worden ist, habe man mit zehn Prozent Erkrankungen rechnen müssen, mithin mit mehr als 100 Fällen, sagt Anstaltsärztin Dr. Ulrike Schmallenbach. „Wir sind also noch glimpflich davongekommen.“

Werl - Und es zeige sich, wie richtig es vor gut zehn Tagen gewesen sei, „schnell und entschlossen zu reagieren“.

An einem Freitag kam ein Insasse, klagte über Glieder- und Kopfschmerzen – der Corona-Abstrich war positiv. „Da läuteten bei uns alle Alarmglocken“, sagt Schmallenbach. Über das Justizkrankenhaus (JVK) Fröndenberg wurde das Material für den PCR-Test in Werl besorgt, dann zurückgebracht. Als die Bestätigung kam, seien erste Maßnahmen schon in die Wege geleitet worden, berichtet die Ärztin. Der Krisenstab habe noch am selben Tag Schutzmaßnahmen eingeleitet.

„Am Anfang war der Schreck groß. Wir wussten ja nicht, welche Ausmaße das annimmt.

Anstaltsärztin Dr. Ulrike Schmallenbach

„Am Anfang war der Schreck groß. Wir wussten ja nicht, welche Ausmaße das annimmt.“ Es folgte eine beispiellose Abriegelung der gesamten Anstalt – und der Massenabstrich bei 1400 Insassen und Mitarbeitern. Nun liegt das Endergebnis vor: Auch die letzten zehn ausstehenden Tests waren negativ, es bleibt also bei 37 Fällen hinter den Mauern und drei Kontaktpersonen in Quarantäne. „Das ist gut zu handhaben“, sagt die Medizinerin. Ein zweiter Mann mit Fieber musste allerdings am Sonntag ins JVK. Beide Männer hatten Fieber, beide Vorerkrankungen. Sie mussten nicht auf die Intensivstation.

Die anderen Infizierten im Quarantäne-Haus 2 klagen zum Teil über Erkältungssymptome, zudem gibt es Fälle mit Geschmacksverlust. Einige Patienten reagieren auch atypisch mit Durchfall oder Übelkeit. Den ersten gehe es inzwischen besser.

Wir haben die Ärmel aufgekrempelt.

Klaus Severin, Leiter des Allgemeinen Vollzugsdiensts

Vor allem die Verlegungen ins Quarantäne-Haus waren logistisch aufwendig. „Wir haben die Ärmel aufgekrempelt“, sagt Klaus Severin, Leiter des Allgemeinen Vollzugsdiensts. Immerhin habe man schon vorher Erfahrungen mit Quarantänen aus JVA-Verlegungen gehabt, das half beim Ausbau einer größeren Einheit. Zu zwei vorhandenen Einheiten kamen zwei weitere. Nun heißt es warten auf das Quarantäne-Ende. Ab Freitag laufen die ersten Abstriche der Erst-Fälle.

Die Insassen müssen aber auch ganz andere Abstriche machen. Der Umschluss fällt weg, die Arbeit in der JVA, Ausführungen, Besuche. Duschen geht nur noch einzeln, Freistunden mit Gruppengrenzen und bei Rauchverbot sind garantiert. Und auch der wichtige JVA-interne Einkauf jetzt am Mittwoch. Die Sorge, er könne ausfallen, wurde den Insassen genommen. Die JVA will sogar Insassen, die nicht arbeiten konnten und denen Geld fehlt, mit Tabak helfen. Der ist schließlich stets Mangelware, sagt Severin. „Wo Bedarf ist, helfen wir.“ Auch beim Essen (nur auf den Zellen) gibt es Sonderrationen, zum Beispiel bei Nachtisch und Obst. „Denn Essen“, sagt Severin, „hat immer auch etwas mit Stimmung zu tun.“ Und es sind besondere Zeiten in der JVA.

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