Vor Gericht

Häftling vergleicht Werler JVA mit KZ

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Werl - Ein Inhaftierter der Werler JVA, deren Zustände er mit einem Konzentrationslager vergleicht, fand sich jetzt vor dem Werler Amtsgericht wieder.

Dieser Vergleich war nur die Spitze des Eisbergs, denn wegen sechs Beleidigungsvorwürfen stand der Mann am Donnerstag vor der Richterin.

Geht es nach seinen Worten, so ist die JVA ein Terrorcamp. Geht es nach der JVA, so ist der Mann jemand, der zu seinen besten Zeiten 15 Anträge am Tag schrieb, um sich zu beschweren. Irgendwann hatte man dort die Faxen dicke, nämlich als er in einem seiner Schreiben einen Beamten als geistig unreif, dissozial und als sadistischen Sklaventreiber bezeichnete.

Von Entrechtung und Zwangsarbeit

Da kramte man in der JVA noch ein paar seiner hübschesten Stilblüten hervor. Darunter solche Bonmots, dass es ein derartiges Maß der Entrechtung zuletzt 1943 gab oder dass hier die Zwangsarbeit wieder eingeführt worden sei. Sechs solcher Punkte führte die Anklage auf, zwei wurden eingestellt. Darunter auch die möglichen Beleidigungen gegen einen Anstaltsarzt, der ihm nötige Medikamente verwehrt haben solle - dafür, dass diese Kritik in der Tat berechtigt sein könnte, spricht, dass der Mediziner sich selber dafür verantworten muss, dass er seine Arzneien lieber gewinnbringend verkaufte, als sie den Häftlingen zu geben.

Doch eigentlich spielte seine reine Kritik in dem Verfahren letztlich nur eine untergeordnete Rolle. Mittel und Wege, sich zu beschweren, seien ihm ja gegeben, und ob berechtigt oder nicht, man müsse bei den Anschuldigungen doch die Form wahren, so der Staatsanwalt. Über den Vergleich zum KZ regte er sich am meisten auf: „So eine Behauptung ist infam und intolerabel, dafür sollten Sie sich schämen. Eines der größten Verbrechen der Menschheit mit dem Justizvollzug gleichzusetzen, das ist unerträglich. Mit ihren Beschwerden konterkarieren Sie diesen Vorwurf zugleich, denn die Juden im KZ hatten nicht einen einzigen Rechtsweg.“

Prostituierte aus dem Fenster geworfen

Wie leicht sich der Mann jedoch falsch verstanden fühlt, zeigen schon seine Vorverurteilungen an. Nach einer fast fünfjährigen Haft wegen versuchten Mordes war er erst zwei Monate wieder auf freiem Fuß gewesen, als er eine Prostituierte zu sich nach Hause in die Dortmunder Nordstadt holte. Im Glauben, sie habe ihm das Handy stehlen wollen, rammte er ihr ein Messer in den Bauch und warf sie aus dem Fenster, fünf Meter in die Tiefe. Es grenzte an ein Wunder, dass die Frau überlebte.

Aber Schuld sei nach seiner Auffassung sie gewesen, erzählte sein Verteidiger: Hätte sie nicht sein Handy ergriffen, wäre das nicht passiert. War ja quasi Notwehr. Für seine Beleidigungen kassierte der Mann, der noch eine Weile wegen versuchten Totschlags in der Werler JVA einsitzt, noch einmal zwei Monate und zwei Wochen. Die sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein – zehn Wochen Verzögerung, bis er in die Sicherungsverwahrung kommt.

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