Arzt-Praxis und Wohnungen geplant

Juwelier muss für Neubau-Projekt in der Innenstadt weichen

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So stellt sich die Situation zurzeit dar: Das Gebäude von Krampe (links) und das „Haus Lötte“ (rechts) sollen verbunden werden. Der Anbau am „Haus Lötte“ soll abgerissen werden.

Werl – Erfreut waren die Schwestern Andrea Drees und Ricarda Drees-Collas über die Kündigung des neuen Hausbesitzers Dr. Joachim Krampe nicht. Daraus machen sie keinen Hehl. „Wir wären gerne hiergeblieben“, sagt Andrea Drees. Doch Krampe hat mit "Haus Lötte" andere Pläne.

Seit 1991 ist das Juwelier-Geschäft Drees an der Steinerstraße ansässig. Der nun erzwungene Umzug stellt Drees vor große Herausforderungen, auch finanzieller Art. 

Schließlich könne ein Juwelier nicht einfach so ein neues Ladenlokal beziehen, erläutert Andrea Drees. Das Geschäft müsse gewisse Sicherheitsstandards erfüllen, zum Beispiel müssten die Schaufenster aus Spezialglas sein. 

"Wir bleiben unseren Stammkunden erhalten"

Seit 1991 ist das Juwelier-Geschäft Drees an der Steinerstraße vertreten. Geführt wird es von Andrea Drees (Foto) und ihrer Schwester Ricarda Drees-Collas.

Trotzdem steht für Andrea Drees fest: „Wir bleiben unseren Stammkunden in Werl erhalten.“  Zurzeit stünden die Schwestern in Verhandlungen mit einem Vermieter in der Fußgängerzone. Noch sei aber nichts spruchreif. Klar sei: „Wenn wir schon umziehen, wollen wir uns auch vergrößern“, sagt Andrea Drees. 

So müsse in den neuen Räumen ausreichend Platz für das Geschäft und für die Handwerksbetriebe, also die Uhrenwerkstatt und die Goldschmiede sein. Außerdem sollen die Trauringe künftig in einer eigenen, etwas abgetrennten „Trauring-Lounge“ präsentiert werden. 

Das Juwelier-Geschäft Drees feierte 2019 sein 65-jähriges Bestehen. Gegründet wurde es 1954 im Hammer Stadtteil Herringen von den Eltern Heinrich und Helga Drees. Später wechselte das Geschäft nach Ahlen und schließlich nach Werl.

Das soll zwischen Steiner-und Sponnierstraße entstehen

Zahnarzt Dr. Joachim Krampe hat an der Steinerstraße Großes vor. Er hat zum Jahreswechsel das benachbarte „Haus Lötte“ gekauft, in dessen Erdgeschoss zurzeit noch Juwelier Drees Schmuck anbietet. Krampe möchte dort eine Allgemein-Arzt-Praxis einrichten. Außerdem sollen mehrere Wohnungen entstehen. Dafür soll der bisherige Anbau zur Sponnierstraße hin einem größeren Neubau weichen. Der Mietvertrag mit Drees endet im Sommer. 

Auch im Gebäude Steinerstraße 31-33, in dem Krampes Zahnarztpraxis untergebracht ist, soll sich einiges verändern. Beide Bauten sollen miteinander verbunden werden. Der Architektenentwurf sieht vor, die Gasse zwischen Steiner- und Sponnierstraße ab dem ersten Obergeschoss zu überbauen. Unter diesem Verbindungsbau soll die Gasse als Durchgang erhalten bleiben. 

Stadt ist gegen Abriss des Altbaus

Eigentlich hätte Krampe gerne den Altbau „Lötte“ abgerissen. Doch da habe die Stadt nicht mitgespielt. Der Abriss des Anbaus sei für ihn schließlich ein annehmbarer Kompromiss gewesen. Stadtplaner Ludger Pöpsel bestätigt: „Aus Sicht der Stadt handelt es sich bei dem Altbau um eine erhaltenswerte Bausubstanz.“ 

Vier Geschosse plus Penthouse

Der Neubau soll vier Geschosse plus ein Staffelgeschoss umfassen und über das Treppenhaus von Krampes bisherigem Gebäude erschlossen werden. Das Erdgeschoss soll genauso weit zur Sponnierstraße hinausgezogen werden wie die Spielhalle gegenüber und ebenso ein Flachdach erhalten, das für die Wohnung darüber als Dachterrasse dienen soll. Davor sollen vier Parkplätze entstehen, erläutert Krampe.

Praxis für Allgemeinmediziner 

Die Grafik zeigt das Bauprojekt von der Sponnierstraße aus gesehen. Da es sich um einen älteren Entwurf handelt, fehlt auf dem Neubau noch das Staffelgeschoss, das der Wohnung im dritten Obergeschoss als Penthouse zugeschlagen werden soll. Die Fensterfläche am Neubau werde deutlich kleiner als dargestellt, so Krampe. Das hänge damit zusammen, dass die oberen Stockwerke ursprünglich als Büroflächen geplant gewesen seien.

Das Erdgeschoss inklusive dem bisherigen Drees-Ladenlokal soll zu einer etwa 200 Quadratmeter großen, barrierefreien Praxis werden. In den beiden Stockwerken darüber entstehen zwei etwa 80 Quadratmeter große Eigentumswohnungen. Das vierte und das Staffelgeschoss sollen zusammen eine mehr als 100 Quadratmeter große Wohnung bilden. Deren Penthouse soll von einer umlaufenden Dachterrasse umgeben sein. 

Erste Abstimmungen mit der Stadtverwaltung haben stattgefunden. Wenn ein konkreter Bauantrag vorliegt, werde man sich mit den Detailfragen beschäftigen, sagte Pöpsel. Zum Beispiel damit, wie sich der Bau in das Umfeld einfügt. 

Auch Spielhalle muss raus

Krampe hofft, dass er im Sommer mit dem Neubauvorhaben starten kann. Voraussetzung für den Umbau seines anderen Hauses sei der Auszug der Spielhalle. Der Mietvertrag sei zum 31. März gekündigt, sagt Krampe. 

Ist das Erdgeschoss frei, sollen dort Praxis und Dentallabor einziehen. Aus der bisherigen Praxis soll eine 190 Quadratmeter große Wohnung werden. Die frühere Redaktion des Soester Anzeigers werde zu zwei Wohnungen umgebaut. Und auch aus dem bisherigen Dentallabor soll ein Appartement werden. Insgesamt liege das Investitionsvolumen bei etwa zwei Millionen Euro.

Medizinisches Versorgungszentrum Hellweg

Joachim Krampe hat zum 1. Januar die Medizinische Versorgungszentrum am Hellweg GmbH gegründet. Sie sei Teil seiner Bemühungen um eine Nachfolgeregelung. Denn Angestellte für die GmbH zu finden, sei deutlich einfacher als einen Arzt, der seine Praxis übernimmt. 

Neue Zweigpraxis in Büderich

Die Grafik zeigt das Bauprojekt von der Steinerstraße aus. Die Front von „Haus Lötte“ soll nicht – wie auf dieser Grafik dargestellt – aus großen Fensterflächen bestehen, sondern in den Urzustand zurückversetzt werden.  Gut zu erkennen ist der Überbau der Gasse, der beide Gebäude miteinander verbinden soll. Auf der Grafik fehlt allerdings noch der Zugang zur neuen Praxis in der Gasse.

Als nächsten Schritt wird der Zahnmediziner am 17. Februar eine Zweigpraxis an der Kunibertstraße in Büderich eröffnen. In den zwei Behandlungsräumen werden Krampe und sein Partner Dr. Adolf Petermann im Wechsel Sprechstunden anbieten. Die Termine hierfür werden in der Hauptpraxis in Werl vereinbart. Dort finden auch kompliziertere Eingriffe statt.  Für die klassische Vorsorgeuntersuchung müssten die Büdericher dann aber nicht mehr nach Werl fahren. „Es ist besser, ein Zahnarzt fährt zehn Kilometer als 20 Patienten“, sagt Krampe. 

Nachdem er die Praxis in Rhynern vergangenes Jahr geschlossen habe, gehe es außerdem mit zwei Behandlern und einer Prophylaxe-Assistentin an der Steinerstraße etwas beengt zu. Die Zweigpraxis in Büderich könne das etwas entzerren. Auch die neue Allgemeinarzt-Praxis im Nachbarhaus soll unter dem Dach der Versorgungszentrum GmbH geführt werden.

Interesse von mehrere Kandidaten

Mit der Kassenärztlichen Vereinigung habe er bereits Kontakt aufgenommen, sagt Krampe. Eine Zulassung sei kein Problem. Und mehrere potenzielle Kandidaten hätten auch schon großes Interesse gezeigt, an dem Projekt mitzuwirken. 

Auch wenn es ihm auf lange Sicht um seine Nachfolge geht, ans Aufhören denkt Krampe zurzeit noch nicht: „Ich mache so lange weiter, bis mit einer Nachfolgeregelung ein geordneter Übergang der Praxis gefunden ist und die Versorgung meiner Patienten gewährleistet ist und bleibt.“

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