Jäger kritisieren Kreis Soest

Der „Todesstreifen“ von Büderich

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Kein schöner Anblick: ein verendetes Reh, gestorben am Zaun. Es gibt Bilder, die die schlimmen Verletzungen zeigen und die der Redaktion vorliegen; die aber wollen wir unseren Lesern nicht zumuten.

Büderich/Holtum - „Der Zaun muss weg“, fordert die Jagdgenossenschaft Büderich und Holtum stinksauer. Zweimal in kurzer Folge sind am Rückhaltebecken zwei Rehe qualvoll in dem Drahtgeflecht verendet. Die Schuld geben die Jäger dem Kreis Soest.

„Es ist genau das eingetreten, was wir befürchtet und vorausgesagt haben.“ Eckhard Uhlenberg und die übrigen Jäger aus Büderich und Holtum sind derzeit alles andere als gut zu sprechen auf die Kreisverwaltung und Wasserverband Obere Lippe. Die hatten im vergangenen Jahr einen langen Zaun entlang des Damms am Hochwasserrückhaltebecken Bruchbachtal-Büderich gezogen – entgegen der Warnungen und Empfehlungen der Jäger.

„2017 gab es im August und September zwei Ortstermine, bei denen wir und die Anwohner unsere Bedenken äußern konnten“, erinnert sich Uhlenberg, „da es hier stets einen relativ großen Wildbestand gab und diese Tiere durch einen Zaun gefährdet würden.“ Damit sei man jedoch auf taube Ohren gestoßen. Uhlenberg: „Die einzige Konsequenz war, dass zwei Jahre lang alle 50 Meter jeweils drei Felder von Mai bis Oktober frei bleiben, damit die Tiere sich frei bewegen können. Es war unser aller Befürchtung, dass die Tiere sich im Zaun verfangen. Das ist nun geschehen, in kürzester Zeit gleich zweimal. Wenn man das hochrechnet, gibt es hier irgendwann kein Wild mehr.“

Jagdgenossen fordern: „Der Zaun muss weg!“

Die Jäger haben die Fälle im Bild festgehalten, und der Anblick des Rehs, das sich an dem Zaun den Hals aufgerissen hat, ist auch für den überzeugtesten Fleischesser schwere Kost. Warum steht da überhaupt ein Zaun? Auf dem Deich sollte die Flora nicht wild ins Kraut schießen, und als „Rasenmäher“ sollen zwischen Mai und Oktober Schafe dienen, die nicht entweichen sollen. Die Tiere werden von einem Schäfer gehütet und kommen kaum auf die Idee, über den Zaun zu springen. Rehe dagegen schon.

Allerdings ist der Zaun dafür zu hoch. Die Tiere verheddern sich in den engen Maschen, verletzen sich nicht nur, sondern schlitzen sich die Kehlen auf und müssen durch Gnadenschüsse erlöst werden. Das treibt selbst gestandenen Jägern die Tränen in die Augen – zwar ist es ihre Aufgabe, Tiere abzuschießen, um deren Bestände nicht ausufern zu lassen und um Schäden an Forst und Landwirtschaft gering zu halten. Doch ein Tier qualvoll verenden zu lassen, ist nicht ihre Sache. „Viele Dinge waren im Sinne des Schutzes der Dämme sicherlich notwendig“, räumt Uhlenberg ein, „nicht jedoch überzogene Radikalmaßnahme bis runter auf die Grasnarbe. Ein gewisses Biotop muss in einem solchen Bereich möglich sein.“ Für Der Kreis Soest als Eigentümer wird der Bereich vom Wasserverband Obere Lippe bewirtschaftet.

Kreis Soest: „Keine dauerhafte Lösung“

„Der zweite Schlag war, dass sich keine Tiere mehr hier aufhalten können“, fährt Uhlenberg fort. Hasen, die sich hierher verirren, sind völlig den Raubvögeln ausgeliefert, „und von denen haben wir hier jetzt mehr als an Kaninchen“, so Uhlenberg, denn durch die Maschen passt nicht einmal ein Igel. Mehr noch: Rehe, die nicht über den Zaun springen wollen, weichen stattdessen Richtung Norden aus – und galoppieren über die Straße „Am Schellhorn“ direkt auf die B1, „und die Zahl der Tiere, die dort von einem Pkw erfasst wurden, hat sich seither erhöht“, weiß Eckhard Uhlenberg.

Der frühere Landtagspräsident spart nicht an Kritik am Kreis Soest, spart lediglich die Untere Jagdbehörde aus: „Die stand zunächst auf unsere Seite und distanzierte sich von der Maßnahme, sagte jedoch bald nichts mehr dazu“, vermutet er, dass die Abteilung der Kreisverwaltung einen Maulkorb „von oben“ verpasst bekommen habe. „Dabei ist dieser Zaun ein wilder Eingriff in die Natur, der hier einfach nicht hingehört. Wir sagen das zum einen als Aufruf, dass der Zaun hier weg muss, zum anderen als Warnung bezüglich an der anderen Rückhaltebecken am Haarstrang, dass dort nicht ebenfalls solche Zäune gebaut werden.“

Vom Anzeiger auf die Vorfälle angesprochen, reagierte der Kreis sofort: „An dieser Stelle scheint der Zaun tatsächlich nicht sinnvoll zu sein“, teilt Pressesprecher Wilhelm Müschenborn mit, „er ist keine dauerhafte Lösung.“ Im Mai solle es einen Erörterungstermin geben, bei dem mit allen Beteiligten über die Beseitigung des drahtigen Bollwerks und mögliche Alternativen gesprochen werden soll.

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