Paket zur Stadtentwicklung

Neuer Kern für Werl für 14,5 Millionen Euro 

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3,1 Millionen Euro für die Neuordnung: Die Werler Fußgängerzone (hier Walburgisstraße) gilt als ISEK-„Ankerprojekt“

Es geht um einen neuen Stadtkern. Denn „kerngesund“ ist Werl schon lange nicht mehr. Weder finanziell, noch im Erscheinungsbild. Im Gegenteil steht die abgebrannte Sporthalle im Sportpark wie ein Synonym für die finanziell abgebrannte Stadt. Nun soll ein 14,5 Millionen Euro -Paket Abhilfe schaffen.

Werl – Über das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) sollen 70 Prozent des benötigten Geldes vom Land NRW als Förderung kommen, um die Innenstadt und ihre Randbereiche baulich aufzuwerten. „Ankerprojekt“ ist die Neugestaltung der Fußgängerzone, teuerstes Vorhaben die Umgestaltung des Sportparks. 

Aber auch die Bereiche Kurpark, Parkfriedhof, ehemalige Schulkomplexe oder Stadthalle sollen innerhalb des achtjährigen Umsetzungszeitraums Aufwertungen erfahren, die weit über reine Kosmetik hinausgehen. 

Das Ankerprojekt „Fußgängerzone“ 

Am komplextesten ist die Neugestaltung der Fußgängerzone. Hier hat die Bezirksregierung dazu geraten, zunächst eine Potenzialanalyse durchzuführen, um zu sehen, was von den vorliegenden Ideen realisiert werden kann. Aus der vorgeschalteten ISEK-Bürgerbeteiligung gab es etliche Vorschläge zur Steigerung der Attraktivität: Die Sperrung der Durchfahrt der Bachstraße für den motorisierten Verkehr (eventuell Ausnahme: Busse), ein Wasserspielplatz im Bereich Walburgisstraße/Bachstraße, der Abriss eines Hauses zur besseren Erreichbarkeit des Parkplatzes Erbsälzerstraße, eine Spur für Radfahrer, neue Beleuchtung, Pflasterung und Beschilderung, mehr Grünflächen und Spielgeräte. 

Es gebe „jede Menge zu tun“, um das Sorgenkind Fußgängerzone neu zu beleben und den geänderten Rahmenbedingungen eines zurückgehenden Einzelhandels Rechnung zu tragen, sagt Bürgermeister Michael Grossmann. Vom Leerstands-Ende durch etliche Neuansiedlungen geht dabei schon lange niemand mehr aus. Es gelte also, mit Alternativen die Gebäude und damit auch die Innenstadt mit Leben zu füllen. Von einer Zone als „Begegnungsraum, wo Handel wegbricht“, spricht Kristin Reinck (Verwaltung). Wohnen und Dienstleistung gehören zu den zukunftsfähigen Funktionen mit dem Ziel eines „stimmigen Ganzen“. 

Es gebe schon einige gute Beispiele bei der Umnutzung von Gebäuden wie einen Physiotherapeuten in der Steinerstraße oder aber Pläne für ein Dentallabor, wo einst eine Spielhalle war, sagt Stadtplaner Ludger Pöpsel. Der ISEK-geförderten Potenzialanalyse für 50 000 Euro soll im kommenden Jahr ein Wettbewerb (119 000 Euro) folgen, basierend auf den ISEK-Ideen der Bürger. „Man muss sehen, was aus dem bunten Strauß oberflächlich bewerteter Vorschläge wirklich tragfähig ist“, sagt der Bürgermeister. Wirtschaftsförderer Ulrich Canisius ergänzt: „Es gibt bewusst diesen Vorlauf, damit wir nicht ins Blaue planen.“ Komplexe Eigentümerverhältnisse erschweren das. Die bauliche Aufwertung der Fußgängerzone an sich (ab 2022) ist mit rund drei Millionen Euro veranschlagt. 

Kurpark 

Im Kurpark tut sich viel, auch außerhalb von ISEK. Die Erneuerung der Brücke, ein Bewegungsparcours, ein neuer Eingang und ein Veranstaltungsplatz – all das kommt kurzfristig aus anderen Programmen. 

Zum ISEK-Paket gehört in der „grünen Lunge“ ab 2022 eine neue öffentliche WC-Anlage angrenzend an den Spielplatz, Radabstellplätze, die Erneuerung kleiner Brücken, die Befestigung der Uferkante am Teich, die Erneuerung des alten Tretbeckens am Teich und eventuell der Bau einer kleinen Plattform am Teich. Ab 2023 soll es einen großen Wasserspielplatz im Bereich des heutigen oberen Teichs geben, zudem neues Mobiliar und neue Beleuchtung über LED. Denn klimafreundliche Verbesserungen sind Fördervoraussetzung. Insgesamt stehen 1,5 Millionen Euro für den Kurpark im ISEK-Plan. 

Schulhof Sälzer-Sekundarschule 

Der Schulhof der Sekundarschule soll neu gestaltet und zum Teil neu bestückt werden mit Mobiliar und Spielgeräten. Zudem ist ein neuer Weg zur Fortführung der Achse geplant. Man werde das mit der Schule abstimmen. 2022 soll geplant, 2023 alles umgesetzt werden. 

Sportpark

Die Neugestaltung des Sportparks umfasst viele kostenträchtige Maßnahmen, die schon lange vorgesehen sind. Außerhalb von ISEK gehört dazu noch in diesem Jahr der Bau der anderweitig geförderten Skateranlage auf der Wiese neben dem Bad.

ISEK soll 2021 und 2022 greifen. Zentraler Baustein: ein Neubau als Ersatz der abgebrannten Sporthalle für den Schul- und Vereinssport. Die Zweifachhalle soll deutlich größer als die alte (1,25-fach) ausfallen, 22 mal 44 Meter messen. Und sie soll auch Platz für 100 Zuschauer bieten. Die Halle werde sicher nicht auf die Nutzung durch nur einen Verein zugeschnitten, sagt Bürgermeister Grossmann. Kommt die ISEK-Förderung nicht, werde die Halle wegen des hohen Bedarfs trotzdem gebaut. 

Der „Gummiplatz“ soll verschwinden und 2021 ein Kleinspielfeld für Fußball und Basketball neben dem neuen Skaterpark Platz finden. Durch den Wegfall des Gummiplatzes vergrößert sich die zentrale Parkmöglichkeit im Sportpark. „So entzerren wir die Parksituation“, sagt Grossmann. 

Die Parkplätze hinter der abgebrannten Halle an der Bahnlinie entfallen. Hier wird sich künftig der Salzbach schlängeln (Maßnahme aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie). Daher wir der Eingang zur neuen Sporthalle auch von der Badseite her sein. Durch die kleine Unterführung der Straße „Am Salzbach“ können künftig keine Autos mehr fahren. Hier wird der Salzbach die Bahnlinie queren, zudem wird der Tunnel für Fußgänger und Radfahrer passierbar sein. 

Das alte Gerätehaus der DJK weicht einem neuen samt öffentlicher WC-Anlage an der neuen Sporthalle. Zum Paket gehören auch die Umrüstung der Flutlichtanlage am Höppeplatz auf LED sowie barrierefreie Wege und neues Mobiliar. ISEK-Gesamtkosten für den Sportpark: 6,1 Millionen Euro. 

Stadthalle

Zu den ISEK-Maßnahmen rund um die „gute Stube“ gehört der Tausch des Mobiliars. Die alte WC-Anlage soll weichen, der Platz rund um die Kapelle Gänsevöhde neu gestaltet werden. Die Bausteine sollen 2024 umgesetzt werden – für 380 000 Euro. 

Alte Schulstandorte

Für zwei ehemalige Schulen (Overbergschule/Paul-Gerhardt-Schule) sollen ISEK-geförderte Konzepte her. Dabei spielt der Denkmalschutz eine Rolle, der für beide Gebäude angekündigt, aber noch nicht umgesetzt ist. Die Nachfolgenutzung in der „1-A-Lage“ muss erst erarbeitet werden. „Einfach ist das nicht“, sagt Stadtplaner Ludger Pöpsel. Zum Beispiel biete die Overbergschule viel Kubatur und hohe Räume. Zumindest die Sporthalle hält die Stadt auf Dauer für verzichtbar. Wenn aus dem für 2021 geplanten Konzept Ideen erwachsen, können weitere ISEK-Fördermittel beantragt werden. „Stadtnahes Wohnen liegt nahe“, sagt Pöpsel. „Die Frage ist nur, ob die Bausubstanz das hergibt.“ 

Paul-Gerhardt-Straße 

An der Paul-Gerhardt-Straße soll vor der Walburgisschule eine verkehrliche Optimierung her, der öffentliche Raum neu geordnet werden. Ziel: mehr Sicherheit. Dazu soll noch in diesem Jahr ein Verkehrskonzept her, das 2021 umgesetzt werden soll. Details liegen noch nicht vor. Die „Behebung des städtebaulichen Missstands“ wird rund eine Million Euro kosten. 

Parkfriedhof

Der Parkfriedhof ist mehr als ein Raum der Trauer und Erinnerung, so die Verwaltung. Als „bedeutende Grünfläche“ soll er mit neuem Mobiliar und Infotafeln bestückt werden, alle Wege sollen barrierefrei sein. Ziel sei ein „einheitliches Bild“. Für 2024 ist das vorgesehen. Die Gesamtkosten: 100 000 Euro.

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