Seit 25 Jahren in Werl als Hebamme tätig

Irena von Pobrutzki ist die Frau, der die Mütter vertrauen

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Hebamme Irena von Pobrutzki inmitten vieler Babys in ihrer Werler Praxis.

Werl – Aller Anfang ist schwer. Das musste auch Irena von Pobrutzki feststellen, als sie vor 25 Jahren nach Werl kam. Sie hatte ihre polnische Heimat verlassen, um ihrem Mann zu folgen, der mit seinen Eltern 1989 nach Werl umgesiedelt war.

Sie konnte kein Deutsch und war in einem fremden Land. 25 Jahre später hat sich die 46-Jährige in Werl als selbstständige Hebamme etabliert. In den vielen Jahren hat sie in ihrer neuen Heimat viele Freundschaften geschlossen und Werl lieben gelernt. Der Weg dorthin war steinig.

Auf den Tag genau vor 25 Jahren – am 15. Januar 1995 – verließ sie ihr kleines polnisches Dorf Strezczona, das in der Nähe von Danzig liegt. „Ich hatte keine deutschen Sprachkenntnisse und wagte den Schritt in ein neues Leben“, blickt sie zurück.

„Mein Berufswunsch war immer, mit Kindern zu arbeiten. Ich wollte Lehrerin werden“, erzählt sie. Um ihr Ziel umzusetzen, ging sie 1988 nach Lauenburg, um am pädagogischen Gymnasium ihr Abitur zu machen. Da es Probleme beim Internatsplatz gab, ist sie privat bei der Familie von Pobrutzki untergekommen. Das waren die Großeltern ihres zukünftigen Mannes Slawo, den sie mit 15 Jahren kennenlernte.

Schon nach einem Jahr verließ ihr Freund und Partner Slawo Polen und zog mit seinen Eltern nach Werl, wo eine Verwandte der Familie von Pobrutzki lebte. Drei Jahre hatte das Paar nur noch Brief- und Telefonkontakt. In den Sommerferien besuchte sie ihren Freund in der Wallfahrtsstadt.

Nachdem sie 1992 das Abitur bestanden hatte, verbrachte sie die Sommerferien wieder in Werl. Jetzt wurden die ersten Pläne zum Umzug nach Werl konkreter und es kam die Frage auf, wie sie als Lehrerin in Deutschland arbeiten kann. „Durch Zufall lernte ich in dieser Zeit die polnische Hebamme Anna in Wimbern kennen, die mir einen ersten Einblick in ihren Beruf gab“, erinnert sich die 46-Jährige.

Mit nur einem Koffer nach Werl

Zurück in Polen, besuchte sie in Neustadt die Hebammenschule. Noch vor dem Schulabschluss heiratete sie erst in Polen und später am Werler Standesamt. „Zwei Tage, nachdem ich mein Diplom erhalten hatte, siedelte ich nach Werl um. Ich hatte nur einen Koffer, Hochzeitsgeschenke und konnte immer noch kein Deutsch“, denkt sie an die Zeit des Umzugs. 

Es begann ein neuer Lebensabschnitt in einer fremden Umgebung. Schon am 15. Januar 1995 bezog das Paar die neue Wohnung im Steinergraben. Sie suchte nun einen Job, damit sie ihre Kosten decken konnte. „Für meine Bewerbungsgespräche lernte ich meinen Lebenslauf in Deutsch auswendig, ohne zu wissen, was ich da von mir gab“, lächelt sie. Bereits am 1. März bekam sie im Krankenhaus Wimbern einen Praktikumsplatz, um die Anerkennung für ihren Beruf zu bekommen.

Nach Beendigung des Praktikums bekam die Werlerin direkt eine Anstellung am Johannes Hospital in Neheim. Nachdem sie selber zwei Kinder bekommen hatte, wollte sie keinen Schichtdienst mehr machen. „Da kamen die ersten Gedanken zur Selbstständigkeit auf“, so Irena von Pobrutzki. Ein Werler Gynäkologe gab ihr den letzten Anstoß. Am 15. Januar 2005 war es soweit. In der Liebfrauenstraße eröffnete sie ihre eigene Hebammenpraxis. „Alle haben an mich geglaubt, nur ich selber nicht“, blickt sie auf die Anfänge zurück. 

Beten für die erste Patientin

Lange wartete sie am ersten Tag auf eine Patientin. „Ich ging in die Kapelle Mutter Gottes in der Not und bettete“, erklärt sie. Kurze Zeit später kam Simone Wimmeler, um sich bei ihr zu informieren. Ihr Sohn Florin war das erste Baby, das sie als selbstständige Hebamme zur Welt brachte. Irena von Pobrutzki freundete sich in den Jahren mit einigen Patienten an. Bei drei Kindern wurde sie sogar Patin.

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