Bei den Walentowski-Galerien

Interview mit Otto Waalkes: „Wertzuwachs ist größer als bei DAX-Aktien“

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Otto Waalkes, hier mit Galerist Heinrich Walentowski (links) aus Werl.

„Ach so! Kreis Soest – Prost! Holladihiti“ – Dieser berühmte Jodler. Er kann einfach nicht aus seiner Haut. Hatte er doch erst gedacht, er habe gerade ein Interview mit dem Sylter Anzeiger. Dieser Mann, den jeder unter Otto kennt, seit Jahrzehnten. Der immer in einem Atemzug genannt wird, wenn es um die Größten des deutschen Humors geht. An diesem Morgen ist er in Werl in der Galerie Walentowski zu Gast in „artfremder“ Sache.

Mit Bildern, in denen der Wortakrobat seinen Pinsel sprechen lässt. Mit Augenzwinkern, mit Ottifanten, mit Spaß – und Können. Und vor allem: mit dem ostfriesischen Nationalgetränk.

Der ist Grundlage der Werke, wenn er die Leinwand eintaucht in der mit Tee gefüllten Badewanne. Ostfriesentee. Natürlich. Otto Waalkes, der Maler, stellte sich den Fragen von Anzeiger-Redakteur Gerald Bus. Aus Werl. Nicht Sylt.

Wir haben dir etwas Tee mitgebracht, weil die besinnliche Adventszeit beginnt und du gerne damit malst. Falls du es in die Badewanne füllen möchtest...

Stimmt. Udo Lindenberg malt mit Likör, ich mit Tee. Dadurch sind meine Bilder jugendfrei! Hmmmh. Pflaume-Zimt-Vanille-Geschmack. Muss ich das trinken? Oder ist das zum Haarewaschen? Klingt so! Aber Danke! Ganz toll.

Als du gerade in diese Ausstellung kamst, hast du gesagt: „Ist ja toll, wenn ich das hier so sehe!“ Was hat dich beeindruckt?

Es sind viele Bilder, oder? Und mir gefallen sie alle. Ich mach das schon so lange, ein paar Jahrzehnte male ich. Da kommt was zusammen. Die Bilder werden mir praktisch aus den Händen gerissen, viele habe ich seit Monaten nicht gesehen. Und plötzlich ist das alles hier gesammelt und gehängt, so liebevoll angeordnet mit den Plüsch-Ottifanten, dekoriert mit Fotos und Geschichten und Plakaten – also mich beeindruckt das sehr. Ich fühle mich direkt bedeutend – weiß allerdings nicht, was ich bedeute. Meine Hochachtung der Familie Walentowski, das hätte doch nicht nötig getan... (grinst). Das hat ja richtig Stil.

Otto Waalkes in Werl: Ausstellung mit seinen Bildern eröffnet

Du bist von deiner Kunst also auch selbst begeistert?

Ja, das Malen macht mir Freude, das ist reine Erholung, wenn ich so vor mich hin pinsele. Ich hab so’n kleines Atelier oben im Haus, einen hellen Raum – dort entsteht das alles, die Ottifanten, die ostfriesische Landschaft, der kleine Leuchtturm, der oft im Hintergrund auftaucht...

Gibt es auch Bilder ohne Ottifanten?

Die sind durchaus nicht überall. Aber ich finde, der Ottifant ist in der abendländischen Malerei bisher zu kurz gekommen, ich bin fleißig dabei, das zu ändern. Das hat was Zeitgenössisches, ist aktuell und irritierend zugleich. Der Betrachter erkennt auf den ersten Blick einen da Vinci und entdeckt dann plötzlich statt eines Hermelins ein kleines Faultier: Sid! Solche Bilder kommen auch bei der ganz jungen Generation gut an, sogar bei nicht Kunst-Interessierten.

Die Leute könnten fragen: Warum malt Otto überhaupt? Ist das ernsthaftes Fach – oder Klamauk?

Klamauk? Nein, dazu eignet sich die Malerei am wenigsten. Ich habe ja Kunst studiert, in den Siebzigern an der Akademie für Bildende Künste in Hamburg, freie Malerei und Grafik. Die Technik der alten Meister habe ich gelernt. Gezeichnet habe ich schon immer, in der Schülerzeitung Ottifanten und Lehrerkarikaturen. Ich bin erblich belastet. Mein Vater war Malermeister, hatte ein Tapetenbuch, so ein Musterbuch – und die Rückseiten waren weiß. So habe ich immer Papier zur Verfügung gehabt, darauf ließ sich mit weichem Bleistift gut zeichnen. Ich war 13, 14, da kamen Matrosen am Emder Hafen, die hatten so kleine Passbilder von ihren Bräuten dabei. Und die habe ich dann lebensgroß gezeichnet, für fünf Mark. Auch in Diskotheken und Kneipen habe ich Wände bemalt. Aber einen Nagel in die Wand schlagen kann ich nicht. Ich habe die Bilder hier nicht aufgehängt.

Der Ottifant ist wie entstanden?

Das ist ein missglücktes Selbstporträt, von der Seite. Ich hatte eigentlich versucht, mich im Profil zu zeichnen – und das hat mir nicht gut gefallen. Da hab ich die Nase ein bisschen länger gemacht und die Augen etwas größer, kleine Stummel dran, vier Beine. Und dann sah das eher aus wie ein Elefant. Der Ottifant hat mich seither immer begleitet, auch in der Schülerzeitung schon.

Wie kann ich mir Otto Waalkes beim Malen vorstellen? Geht das auch mal die ganze Nacht?

Ja, ich vergesse die Uhrzeit. Bei ein paar Bildern, da läuft das so. Das Motiv schwebt dir vor, du machst den Tee-Grund, du stellst dir das auf der Leinwand vor. Dann mit dem Pinsel die braune Vorzeichnung, Farben darüber. Einige Sachen gehen schnell, einige brauchen länger, mit vielen Details, so wie bei der „Schlittenfahrt mit Ottifanten“ mit König Ludwig II. mit dem ganzen Rokokolores.

Was sollte der Ausstellungsbesucher mitbringen – außer Geld?

Ach nee, Geld ist nicht das Wichtigste...

Na ja, die Bilder sollen sich ja auch verkaufen...

Nicht unbedingt. Der Galerist lebt zwar davon, aber ich würde die Bilder am liebsten alle behalten. Mir tut das immer weh, wenn jemand das Bild kauft. Ich hab gelesen, der Wertzuwachs von Otto-Bilden ist größer als bei den meisten DAX-Aktien.

Also sollte man jetzt in Otto-Bilder investieren?

Jaaaaaaa. Ein Top-Investment! Aber im Ernst: Ich fände es schade, wenn mit Kunst nur spekuliert wird. Wohin das führen kann, zeigt der Kunstmarkt, viele Preise sind einfach monströs. Malen macht Spaß!

Aber es bleibt tatsächlich immer Hobby?

Reine Liebhaberei, genau.

Nun, wenn man sich die Preise so anschaut, könntest du das auch zum Hauptberuf machen.

Könnte ich, will ich aber nicht. Ich gehöre doch auf die Bühne. Holladihiti! Ich gehe ja bald wieder auf Tournee, 2021 im deutschlachenden Raum, von Ostfriesland bis Westfalen und Südtirol.

Worum geht es da?

Um Otto. Live auf der Bühne, ganz alleine.

Das ist aber nicht die Abschiedstournee?

Nein! Die vorläufige Abschiedstournee, würde ich sagen, bis zum nächsten Mal!

Wie alt bis du denn jetzt?

Wie spät haben wir’s? Bin schon wieder älter geworden. Zack. Geht schnell!

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