Insolvenzverwalter stellt klar:

"Definitives Aus" für  Kettler

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"Definitiv" aus und vorbei: Kettler, Erfinder des Kult-Kettcars,  hat in Werl und Ense keine Zukunft.

Auch das allerletzte Fünkchen Hoffnung auf eine wie auch immer geartete Zukunft von Kettler in den Werken Ense und Werl erlischt: Es bleibe „definitiv bei der Betriebsschließung“, teilt Rechtsanwalt Georg Kreplin auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Werl/Ense - Kreplin war für die Kettler Freizeit GmbH zum Insolvenzverwalter bestellt worden. Anwalt Marco Kuhlmann, Insolvenzverwalter für die Kettler Plastics GmbH, sieht das genauso. 

Die Insolvenzverwaltung kritisiert in diesem Zusammenhang auch die zahlreichen Kündigungsschutzklagen von Gekündigten. Sie seien vor dem Hintergrund der „definitiven“ Schließung „eher unverständlich, da durch die Prozesskosten nun lediglich die Masse aufgezehrt wird, die eigentlich zur Befriedigung der restlichen Forderungen der Arbeitnehmer hätte dienen sollen“, sagt Kreplin. 

Eine weitere Beschäftigung bei Kettler „oder ähnlichem bleibt faktisch und praktisch ausgeschlossen“. 160 ehemals bei Kettler Beschäftigte hatten eine Kündigungsschutzklage erhoben, sämtliche Gütetermine vor dem Arbeitsgericht Hamm sind gescheitert. Also werden nun Kammertermine stattfinden, bei denen letztlich entschieden werden muss. Ende März werden die ersten Termine sein, jedes der 160 Verfahren ist dabei für sich zu betrachten. 

Georg Kreplin betont, dass es sich bei dem Insolvenzverfahren der Kettler Freizeit GmbH um ein sogenanntes. „nicht-öffentliches Verfahren“ handelt, er sich daher mit öffentlichen Äußerungen zuletzt zurückgehalten habe. „Um jedoch das bereits in der Vergangenheit des öfteren von dritter Seite falsch wiedergegebene Bild des vorliegenden Insolvenzverfahrens richtigzustellen und den unbegründeten Spekulationen von anderen Anwaltskollegen und anderen Interessenvertretern der betroffenen Mitarbeiter entgegenzutreten“, äußerte er sich nun doch „in der gebotenen Kürze“. 

Zum Zeitpunkt des Ausspruchs der Kündigungen sei die Ausproduktion und vollständige Schließung des gesamten Werks bis zum 31. Januar 2020 geplant gewesen. Daher seien auch die Kündigungen zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen worden. Am 31. Januar wurden dann auch tatsächlich die Produktionen in den zwei Werken in Sönnern eingestellt. „Neben der Verwertung der Maschinen und Einrichtungen im Wege der anstehenden öffentlichen Versteigerungen werden hier lediglich noch Restmontagen stattfinden, die im Zuge der geplanten Ausproduktion nicht rechtzeitig zu Ende gebracht werden konnten“, sagt Kreplin. 

Am Werler Standort im Gewerbegebiet Zur Mersch werde die Ausproduktion wohl noch wenige Wochen andauern, „da noch ein bestätigter Kundenauftrag zu erfüllen ist“. Dieser habe aufgrund unvorhergesehener Verzögerungen – „zahlreiche Eigenkündigungen von Mitarbeitern, die für die Ausproduktion eingeplant waren, Krankenstand, Verzögerungen bei Materiallieferungen seitens der Lieferanten etc. – eine längere Ausproduktionsphase als ursprünglich geplant benötigt. Der Auftrag habe daher „leider nicht termingerecht fertiggestellt werden“ können. 

Entsprechend werde dieser Produktionsstandort in der Mersch jedoch auch zeitnah geschlossen. „Die Vorbereitungen zur Veräußerung der Maschinen und Einrichtungen laufen aber auch hier bereits“, so Kreplin. Die Betriebsschließung sei bereits vor Insolvenzantragstellung beschlossen worden. „Sie wurde am Tag der Insolvenzeröffnung noch mal bestätigt und wurde zuletzt auch vor dem Insolvenzgericht im Rahmen der stattgefundenen Gläubigerversammlung entsprechend gerichtlich bestätigt“, teilt der Insolvenzverwalter mit. Und er betont abschließend: „Daran wird sich nichts ändern.“ 

Sämtlichen Mitarbeitern sei nach Insolvenzeröffnung gekündigt worden. Die Kündigungsfristen seien aber je nach Zugehörigkeit unterschiedlich lang. Demzufolge seien auch schon mehrere Mitarbeiter ausgeschieden. „Ein erheblicher Teil der Mitarbeiter in der Produktion hat zum 31. Januar aufgehört, der Rest folgt sukzessive bis Ende März.“ 

Unterdessen beginnt der Ausverkauf der Kettler-Produktionsmittel. Die „HT Hanseatische Industrie-Consult“ hat in dieser Woche Online-Insolvenzversteigerungen für rund 3 000 Positionen angekündigt. Am 31. Juli hatten die beiden Kettler-Gesellschaften Zahlungsunfähigkeit beim Insolvenzgericht angemeldet; 550 Jobs waren nicht zu retten. Dass es dennoch weiter Produkte unter dem Namen „Kettler“ geben wird – wenn auch nicht aus Werl oder Ense – , hängt mit der Weitergabe von Lizenzen durch die Kettler Holding zusammen. Bei ihr liegen die Namens- und Lizenzrechte. Dahinter steckt die Lafayette Mittelstand Capital. Sie war nach der zweiten Insolvenz 2018 als Kettler-Retter aufgetreten. Nur wenige Monate später folgte der Gang in die dritte Insolvenz.

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