Stadtwerke und Händler spüren Nachfrage

Immer mehr Autos tanken Strom

Ein Kabel verbindet ein E-Auto mit einer Ladesäule. In der Wallfahrtsstadt werden immer mehr Fahrzeuge von Elektromotoren angetrieben.
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Ein Kabel verbindet ein E-Auto mit einer Ladesäule. In der Wallfahrtsstadt werden immer mehr Fahrzeuge von Elektromotoren angetrieben.

Auf die Gesamtzahl der Autos in Werl bezogen, surren die E-Autos immer noch relativ selten durch die Stadt. Doch der Zuwachs bei den Zulassungen nimmt rasant zu. Autohändler vor Ort spüren die steigende Nachfrage. Für die Stadtwerke Werl ist die Entwicklung Chance und Herausforderung zugleich.

Werl - Wurden 2019 in Werl laut Kreis Soest 32 Elektrofahrzeuge und 28 Plug-in-Hybride zugelassen, waren es 2020 schon 130-E-Fahrzeuge und 94 Hybrid-Fahrzeuge. Zum Vergleich: Die Zahl aller Zulassungen im Kreis Soest stieg nur um rund 2 Prozent, bei E-Autos waren es hingegen 140 Prozent, bei Hybridfahrzeugen rund 50 Prozent.

Fünf Stromer und zwei Hybride haben auch die Stadtwerke Werl in ihrem Fuhrpark. Einen Honda und ab Mai auch den VW ID 3 dürfen Kunden auch Probe fahren.

Engpass bei Wallboxen

Die Stadtwerke spüren die Nachfrage auch beim Verkauf ihrer Wandladestationen. Die gesetzliche Förderung von 900 Euro für Privathaushalte habe die Nachfrage extrem angekurbelt, so Stadtwerke-Chef Robert Stams. Inzwischen komme es bei den sogenannten Wallboxen schon zu Lieferengpässen.

Im Jahr 2020 haben die Stadtwerke 25 Wallboxen installiert, weitere 18 Wallboxen wurden bereits 2021 installiert und viele weitere seien angefragt. Neuerdings gibt es auch eine Förderung für Unternehmen (siehe Infokasten).

Die Stadtwerke Werl bieten Wallboxen mit einer Leistung von 11 Kilowatt. Das Beziehen von Ökostrom zum Laden bezuschussen sie mit einem Bonus in Höhe von 150 Euro – verteilt über drei Jahre. Für den heimischen Energieversorger ist das Modell interessant, weil er sich so ein neues Geschäftsfeld und einen neuen Zugang zum Kunden erschließen kann. Mit Blick in die Zukunft werde die steigende Anzahl von E-Autos und Ladestationen aber auch zur Herausforderung für das Stromnetz, so Stams. „Unsere Stromnetze wurden vor vielen Jahren dafür ausgelegt, in einer bestimmten Anzahl von Häusern Licht, Föhn und Kühlschrank zu betreiben.“ Wenn künftig ganze Straßenzüge mit Wallboxen ausgestattet sind, und alle abends ihre Autos aufladen, entstünden Stromspitzen, für die das heutige Netz nicht geeignet sei, sagt Stams.

Intelligente Steuerung

Dem begegneten die Stadtwerke mit einem Netzausbau und intelligenten Steuerungsmöglichkeiten. So könnte in Zukunft etwa eine Software entscheiden, dass die Strommenge für die Wallbox gedeckelt werden muss, wenn gleichzeitig der Backofen läuft.

Auch vertragliche Vereinbarungen mit Kunden könnten eine Lösung sein, zum Beispiel, dass diese nur zehn Prozent des Strompreises zahlen, wenn sie ihr Auto nur zwischen 2 und 5 Uhr laden. Hierbei könnten in Zukunft auch intelligente Stromzähler (Smart Meter) eine entscheidende Rolle spielen.

Mehr Realismus

Honda-Händler Timo Lehnert spürt beim Thema E-Mobilität: „Der Wandel ist definitiv da.“ Sei vor einem Jahr noch entweder von „Teufelszeug“ oder „weltrettender Erfindung“ die Rede gewesen, komme nun mehr Realismus in die E-Auto-Debatte. Erst kürzlich habe eine über 80-jährige Kundin bei ihm ein Elektro-Auto mit der Begründung gekauft, sie habe keine Lust mehr darauf, immer zur Tankstelle fahren zu müssen.

Vorbehalte seien aber weiter da, deshalb würden viele Kunden leasen, so Lehnert. Inzwischen hätten 80 Prozent der von ihm verkaufen Fahrzeuge einen Elektromotor. Die meisten Fahrzeuge seien aber Voll-Hybride, bei denen der Elektromotor nur unterstützend eingreift. Der Anteil reiner E-Fahrzeuge liege bei etwa zehn Prozent.

Citroën-Händler Wolfgang Stahl berichtet ebenfalls von einem „großen Interesse“ an Elektro- und Hybridfahrzeugen. Wenn er alles erklärt habe, kämen aber doch einige Kunden ins Grübeln, ob es das passende Fahrzeug für sie ist. Das hänge schließlich sehr von der Situation des Kunden ab. In einem Hochhaus sei das mit dem Laden zum Beispiel schwieriger als im Eigenheim auf dem Dorf.

Bis zu zehn Prozent des Gesamtabsatzes machten die Fahrzeuge mit den neuen Antriebstechniken inzwischen aus, so Stahl. Die reinen E-Autos würden dabei eher an Private verkauft, Firmen setzen hingegen mehr auf die Hybrid-Technik.

Förderung für Private und Unternehmen

Private können sich ihre Wandladestation schon länger fördern lassen, neuerdings gibt es aber auch für kleine und mittlere Unternehmen Fördermittel für öffentliche Elektro-Ladesäulen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur übernimmt dabei bis zu 80 Prozent der Investitionskosten. Die Stadtwerke Werl beraten Private und Firmen zu den Optionen und Förderantragen und empfehlen auch Fachbetriebe für die Installation. Firmen raten sie zur Eile: Denn das Budget sei begrenzt und werde nach dem Windhundverfahren vergeben, so Stadtwerke-Mitarbeiterin Jeannine Messing (Telefon 02922/985-180, E-Mail: jeannine.messing@stadtwerke-werl.de). Neue Lademöglichkeiten könnten so vorrangig dort entstehen, wo Menschen ohnehin parken: an Supermärkten, Hotels, Restaurants, Schwimmbädern und Sportplätzen. Zurzeit gibt es in Werl 18 öffentlich zugängliche Ladepunkte.

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