Garten- und Landschaftbauer packen ehrenamtlich mit an

Unternehmen aus Werl und Ense helfen Flutopfern: „Kriegsähnliche Zustände“

19 Garten- und Landschaftsbauer der Firmen Rebein, Lehn und Schwegmann aus Werl und Ense haben Flutopfer in Ahrweiler und Mayschoß unterstützt.
+
19 Garten- und Landschaftsbauer der Firmen Rebein, Lehn und Schwegmann aus Werl und Ense haben Flutopfer in Ahrweiler und Mayschoß unterstützt.

Die Flutkatastrophe hat einige Regionen in Deutschland schwer getroffen. Die Hilfsbereitschaft aus dem gesamten Bundesgebiet ist riesengroß. Freiwillige Helfer kommen in Scharen, um den Flutopfern zu helfen. So waren am vergangenen Wochenende 19 heimische Garten- und Landschaftsbauer in der Krisenregion Ahrweiler, um die Flutopfer zu unterstützen.

Werl/Ense/Ahrweiler - Mit Material und Geräten gingen die Mitarbeiter der Firmen Lehn Haus und Garten aus Hilbeck, Pieper GmbH & Co. KG aus Sönnern, Rebein Garten- und Landschaftsbau aus Werl und Gartengestaltung Schwegmann aus Ense am vergangenen Freitag in die gebeutelte Region. „Wir sind mit Anspannung runter gefahren, weil keiner von uns wirklich wusste, was dich da erwartet“, berichtet der Büdericher Karsten Haarhoff.

Dort angekommen, bot sich ihnen ein Bild, das sie nicht vergessen werden. „Natürlich hat man im Fernsehen schon etliche Bilder gesehen, aber wenn man vor Ort ist, realisiert man das erst so richtig. Es herrschten kriegsähnliche Zustände“, berichtet Sven Rohde. „Die Flutkatastrophe war zu dem Zeitpunkt neun Tage her, aber es sah immer noch fürchterlich aus“, sagt Florian Lehn. Er war mit vier Mitarbeitern in Mayschoß im Ahrtal.

Hilfe für Flutopfer: Vieles ist nicht organisiert

Sieben Mitarbeiter von Rebein und fünf Garten- und Landschaftsbauer von Schwegmann halfen in Ahrweiler. Wie sie mitteilen, ist in den Krisenregionen vieles noch nicht koordiniert. „Es gibt keine wirklichen Ansprechpartner und man muss sich die Arbeit selber suchen“, weiß Sven Rohde inzwischen. Die Werler und Enser haben sich mit ihren Geräten in die Stadt begeben, wo ihre Hilfe dringend benötigt wurde.

„Die Leute sind völlig aufgelöst. Wir haben eine ältere Dame angetroffen, die vor ihrem Haus stand und uns sagte, dass sie Unterstützung benötigt, weil sie es mit ihrem Mann nicht hinbekommt, das Haus zu entrümpeln bzw. vom Schlamm zu befreien“, erinnert sich Sven Rohde. Um in den Garten des älteren Ehepaares zu kommen, mussten sich die Werler erst einmal den Weg durch sechs andere Gärten verschaffen. Wie die Helfer erzählen, sind die Beseitigung von Sperrmüll, Schlamm und allem, was angespült wurde, derzeit ganz wichtig. Nach dem ersten Einsatz haben sich die Werler und Enser durchgefragt, wo weitere Hilfe benötigt wurde. „Leute kamen auch auf uns zu und haben uns nach Hilfe gefragt“, sagt Sven Rohde.

Hilfe für Flutopfer: Die Menschen vor Ort sind so dankbar

Die Helfer aus dem Kreis Soest schaufelten Schlamm mit den mitgebrachten Geräten zur Seite, räumten Gärten und Keller leer und beseitigten Unmengen von Unrat. „Die Menschen vor Ort waren so dankbar über unsere Hilfe, das hat uns wirklich sehr gerührt“, so der Büdericher Sven Rohde. Wie er fortfährt, haben sich die Flutopfer mit Tränen in den Augen dankbar verabschiedet.

Schlimm war es, dass viele einzelne Personen mit Autos zu den betroffenen Häusern fuhren und ihre Hilfe angeboten hatten. „Damit haben diese die Wege für die großen Räumfahrzeuge versperrt“, sagt Karsten Haarhoff. Wie die Büdericher weiter erzählen, sind am Freitag zu viele Helfer gekommen.

„Die Hilfe, die vor Ort momentan dringend notwendig ist, ist unsere tägliche Arbeit. Daraufhin haben wir uns auf verschiedenen Wegen informiert, was notwendig ist und wie wir ebenfalls unterstützen können“, waren sich alle einig. „Bagger, Radlader, Kipper und Lkw wurden problemlos durch die verschiedenen Firmen gestellt. Pumpen, Notstromaggregate, Schubkarren und Co., die der ein oder andere noch zuhause hatte, wurden ebenfalls mitgenommen“, erzählen die Helfer. Die kurzen Nächte verbrachten die Gruppen in verschiedenen Lagern in der Umgebung, die zur Verfügung standen.

Hilfe für Flutopfer: Herzzerreißende Gespräche mit Betroffenen

Vor Ort kam es auch zu Gesprächen mit Betroffenen. „So berichtete ein Hausbesitzer, dass er die Nacht in seinem völlig verschmutzten und vom Hochwasser zerstörten Haus übernachtet hatte, um dieses vor Plünderungen zu schützen. Das hat uns wirklich sehr schockiert. Dies war eines von vielen Schicksalen, die den Helfern aus dem Kreis Soest anvertraut wurden“, sagt der Büdericher Karsten Haarhoff. „Trotz des Verlusts von Hab und Gut und teilweise auch von Angehörigen resignieren die Bewohner nicht, sondern versuchen mit vereinten Kräften, die Schäden zu beseitigen“, fügt er hinzu.

Die Hilfe soll keine einmalige Aktion der Werler und Enser sein, die heimischen Garten- und Landschaftsbauer planen schon die nächsten Schritte, um die Betroffenen weiterhin zu unterstützen. „Nachdem wir teilweise die unkoordinierten Abläufe vor Ort gesehen haben, wissen wir nun, wo die Unterstützung dringend hingehen sollte“, sagen sie. Mit ihrer Aktion wollen sie anderen Mut machen, die Opfer zu unterstützen. Handwerkern raten sie, noch nicht in die Region zu fahren. „Das wird noch ein paar Wochen dauern, bis der der Dreck beseitigt ist“, sagen sie. Spendern geben sie den Rat, Geld zu geben, weil Sachspenden genug vor Ort eingetroffen seien.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare