Der hechelnde Hund

Sonntag. Noch nie kamen mir so viele Frauen entgegen und flöteten „ Oh, ist der süß!“. Nur meinen sie mich nicht, sondern meinen Begleiter. Wir haben nämlich jetzt auch einen Vierbeiner.

Seit vier Wochen wohnt „Flash“ bei uns, Findel-Welpe aus Mallorca. Männlicher Zuwachs also als Verstärkung für mich gegen die weibliche Übermacht von einer Frau und drei Töchtern. Klar, dass der Hund früh viel lernen soll – was Probleme schaffen kann. Das Wort „Pipi“ soll ihm signalisieren, dass er solches draußen machen soll. Was ich nicht bedachte: die Tücken. Als ich den Kindern sage, dass sie Pipi Langstrumpf gucken dürfen, druckst der Hund sofort so komisch rum... Also versuchen wir es jetzt mit „Gassi“. Scheint mir leichter als den Kindern den Titel der Serie zu umschreiben. Was soll man auch sagen? „Harndrang Langstrumpf“?...

Montag. Kurzer Ausflug in die Erdkunde: Tochter Lucy (4) fragt, wo Amerika liegt. Erklären Sie das mal! Ich erzähle von langen Flügen und dass rundherum Meer liegt. „Papa?“, fragt die Kleine. „Heißt das deswegen A-Meer-ika?“

Dienstag. Verwirrung um den ärztlichen Notdienst – und die Erkenntnis nach langer Recherche: Da weiß bei den Ärzten und der kassenärztlichen Vereinigung die linke Hand nicht, was die rechte tut. Erinnert mich an Töchterchen Kira (4). Sie spielt zu Hause Aschenputtel und zitiert die Taube: „Rukediku, Blut ist im Schuh, der Schuh ist zu klein, die rechte Braut ist noch...“ Sie stutzt und schaut auf: „oder war‘s die linke???“

Mittwoch.Der Muskelkater ist verflogen. Die Nachwehen meines Berichts zum „Zumba“-Fitnesstanz für Frauen sind anderer Natur. „Na, tun die Knochen noch weh?“, fragt eine Arzthelferin kichernd am Telefon. Eine ältere Dame merkt in der Redaktion an: „Sie habe ich doch in der Zeitung gesehen – im kurzen Höschen“. Und Uli Canisius von der Verwaltung begrüßt mich am Telefon als „Zumba-King“. Die Krönung: meine männlichen Sportkollegen beim Gesundheitszentrum Pentling: Ob ich demnächst mit Tütü und Stöckelschuhen kommen wolle, frotzeln sie. Dabei gehe ich heute unfreiwillig verkleidet zum Sport mit schwarzer Jacke und Socken sowie gelber Hose. Das bringt mir eine üble Beleidigung meiner Tochter Lara ein: „Papa, Du sieht aus wie ein BVB-Fan“. Na danke – dann doch lieber Stöckelschuhe...

Donnerstag.Ich bringe nach der Glückstelefon-Verlosung Freikarten für die Messe „Jagd & Hund“ in unsere Geschäftsstelle. „Was habt ihr verlost?“, fragt die eine – und ich stelle es pantomimisch dar. Den „Jäger“ haben sie schnell raus. Aber den hechelnden Hund gebe ich offenbar mies. „Otto???“, fragt Kollegin Ludewig irritiert. Vielleicht sollte ich mir das nochmal bei „Flash“ anschauen...

Freitag: An drei Tagen gab es in der Redaktion eine unterschiedliche weibliche Besetzung. Montag legte mir Kollegin sd meine Jacke um die Schulter und öffnet dann das Fenster hinter mir, um frische, aber eiskalte Luft hereinzulassen („So kriegst Du keinen Zug!“). Mittwoch öffnete ak das Fenster, geht dann zu mir und legt mir die Jacke um. Immerhin. Heute ist Kollegin th da. Sie steht auf, reißt das Fenster auf und setzt sich wieder... Also packe ich mich selbst ein. Es lebe die Fürsorge... ▪ GERALD BUS

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