Handlung mit offener Buxe ging in die Hose

WERL ▪ Die Hose war offen – und das ging in die Hose. Der Staatsanwalt hatte jetzt vor dem Amtsgericht Werl einen 29-jährigen Angeklagten aus Werl wegen in Werl verübter exhibitionistischer Handlungen angeklagt.

Die Richterin sprach ihn frei, weil nach ihrer Auffassung die subjektiven Voraussetzungen für eine Bestrafung dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden konnten.

Der Angeklagte schwieg im Prozess. Nach der glaubhaften Aussage einer 23-jährigen Zeugin stand für Staatsanwalt und Richterin folgender Sachverhalt fest: Am Morgen des 26. August gegen 8 Uhr war die Zeugin in der Nähe eines Werler Schwimmbades zu Fuß unterwegs. Weit und breit gab es zu diesem Zeitpunkt keine anderen Passanten. Ihr fiel ein auf der rechten Straßenseite auffällig abgestellter Pkw auf. Dieser stand nicht verkehrsgerecht schräg auf dem Bordstein. Die Fenster waren nach unten gedreht und aus dem Auto „drangen Geräusche“. Die Zeugin vermutete einen Unfall, möglicherweise mit einem Unfallopfer. Deshalb trat sie an den Pkw heran und sah in den Wagen hinein. Dort erblickte sie den Angeklagten, der „an seinem Glied manipulierte“, wie es vor Gericht hieß. Schnell entfernte sie sich und merkte sich das Autokennzeichen.

Nach Auffassung des Staatsanwaltes hatte der Angeklagte „durch seine exhibitionistischen Handlungen ein öffentliches Ärgernis erregt“. Daher beantragte er für ihn eine Haftstrafe von sechs Monaten mit Bewährung. Dabei berücksichtigte der Staatsanwalt, dass der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist.

Das sah der Verteidiger des Angeklagten anders: Das Gesetz verlange für eine Bestrafung, dass der Angeklagte auch „subjektiv die Absicht gehabt haben müsse, ein öffentliches Ärgernis zu erregen.“ Der Angeklagte habe sich, von außen nicht sofort erkennbar, in seinem Wagen aufgehalten. Auch sei die Straße zu diesem Zeitpunkt praktisch menschenleer gewesen. Daher, so schloss der Verteidiger, könne aus den gegebenen Umständen die „erforderliche Absicht“ des Angeklagten nicht geschlossen werden. Deshalb beantragte er Freispruch mangels Nachweises der subjektiven Voraussetzungen.

Insoweit hatte auch die Richterin Zweifel. Hier müsse der Grundsatz gelten: Im Zweifel für den Angeklagten. So lautete dann ihr Urteil: Freispruch.

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