Fall vorm Amtsgericht

Junger Werler (20) ohne Perspektive: Gericht verurteilt ihn wegen Drogenbesitzes

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Werl - Vordergründig ging es nur um weniger als ein Gramm Marihuana, mit dem er erwischt wurde. Entsprechend selbstsicher trat der 20-Jährige gestern zu Beginn noch vor dem Werler Amtsgericht auf, wollte gar seine eingezogene Marihuana-Mühle zurückhaben.

Immer kleinlauter wurde er im Laufe des Verfahrens, spätestens bei der Verlesung des Urteils wurde er sehr still.

150 Sozialstunden muss er ableisten - es sei denn, er kann vorweisen, dass er sein Leben in den Griff bekommt, indem er die die regelmäßige Teilnahme an einer psychotherapeutische Behandlung und einem Sozialtraining nach Weisung der Jugendgerichtshilfe oder die dauerhafte Aufnahme einer schulischen oder beruflichen Bildungsmaßnahme vorweisen kann.

Auf die schiefe Bahn geraten

Bis zur achten Klasse lief alles normal. Dann lernte er falsche Freunde kennen. Flog von der Schule, weil er eh nicht hinging. Maßnahmen an Berufskollegs brach er nach wenigen Tagen ab. Während eines Jahrespraktikums schwänzte er den Unterricht, um ausschließlich arbeiten zu gehen, und flog wieder von der Schule.

Zweimal saß er wegen Diebstahl und Betrugs zweiwöchige Jugendarreste ab, zuvor waren zwei Verfahren wegen Betrugs und Drogenbesitzes eingestellt worden. „Wenn ich das richtig sehe, machen Sie seit 2016 nichts“, resümierte der Staatsanwalt. Aktuell lebt der Angeklagte bei den Eltern, wird von ihnen finanziert.

Jugendamt um Hilfe gebeten

Die baten oft genug das Jugendamt um Hilfe, doch auch die behördlichen Bestrebungen, das Leben des Mannes in geordnete Bahnen zu lenken, gingen ins Leere. „Aber irgendwann sind Ihre Eltern mal tot, dann beziehen Sie Arbeitslosengeld und landen in einer Sozialwohnung“, wählte der Staatsanwalt drastische Worte. „Und wenn das so weitergeht, dann sind Sie bald schon bei einem Jugendarrest von sechs Monaten.“

Die Jugendgerichtshilfe attestiert ihm eine erhebliche Reifeverzögerung. „Er gammelt nur vor sich hin, da steht er Gleichaltrigen deutlich nach“, so der Staatsanwalt. Da der junge Mann drohe, auf die schiefe Bahn zu gelangen, wurde er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt -- vielleicht schon jetzt seine letzte Chance.

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