Keinen Nachfolger gefunden

Werler Geschäfts-Tradition endet nach 182 Jahren

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Der „Alte“ Wulf-Hefe (rechts) mit einem Kutscher und Josef P. Teutenberg Anfang der 1890er-Jahre vor dem Geschäft in der Kämperstraße.

Werl – Eine 182-jährige Geschäftstradition endet am 30. September in Werl.

Gerd und Monika Teutenberg schließen ihr Fachgeschäft für Jagd- und Angelbedarf in der Kämperstraße. In fünfter Generation hatte er als Büchsenmacher das Unternehmen erfolgreich geführt. „Wir sind beide 65 Jahre alt und wollen jetzt einen neuen Lebensabschnitt beginnen“, erklärt Monika Teutenberg. „Wir gehen in Rente und versuchen, unsere gemeinsame Zeit zu genießen“, ergänzt ihr Ehemann. 

Das Geschäft stand für beide immer im Mittelpunkt. Urlaub gab es für das Unternehmerpaar nur selten. „Einmal sind wir mal weg gefahren. Aber im Herbst geht es endlich mal für zwei Wochen an die See“, freut sich die 65-Jährige. „Wir wissen noch gar nicht, wie das geht mit der Freizeit“, so das Ehepaar. 

Teutenberg will private Messerschmiede einrichten

Allerdings wird sich Gerd Teutenberg nicht so ganz zur Ruhe setzten. Er will sich eine kleine private Messerschmiede einrichten. „Einfach nur rumsitzen, das kann ich nicht“, sagt der 65-Jährige.  

Sein Ur-Ur-Großvater Johann H.G. Teutenberg hatte 1837 das Haus in der Kämperstraße erworben und das Büchsenmachergeschäft eröffnet. Er war ein Meister seines Fachs und hatte sich in Werl ein hohes Ansehen erarbeitet. Im November 1849 wurde er in seinem Spezialgebiet zum ersten Vorsitzenden der Prüfungskommission gewählt. 1869 verstarb er, sein Sohn führte das Geschäft weiter. In dritter Generation über nahm Josef P. Teutenberg die Leitung des Fachbetriebs. Mitten im Zweiten Weltkrieg stieg Gerhard Teutenberg in den elterlichen Betrieb ein. 

Schießmeister auf vielen Schützenfesten

Monika und Gerd Teutenberg schließen nach 182 Jahren das Traditionsunternehmen in der Kämperstraße am 30. September.

Vielen Werlern ist er noch als Schießmeister auf Schützenfesten bekannt. Seinen Sohn Gerd nahm er schon früh mit zu den Jahresfesten der Bruderschaften.  Ohne die Teutenbergs war ein Schützenfest kaum noch vorstellbar. Gerd Teutenberg kann sich noch gut erinnern, dass er als kleiner Junge die Gewehre beim Vogelschießen vom Schwarzpulver gereinigt hat. Später stand er viele Jahre an der Seite seines Vaters mit unter der Stange. 

Als sein Vater 1990 plötzlich verstarb, führte er den Betrieb weiter. Bevor er in das heimische Unternehmen einstieg, absolvierte er in Österreich eine Ausbildung zum Waffentechniker. Seinen Meister macht er später in Münster.  Gerne hätte er den Betrieb an einen seiner Söhne übergeben. Allerdings haben beide Kinder andere Berufszweige eingeschlagen und sind als Kunsthistoriker und Qualitätsmanager erfolgreich. Fünf Anfragen lagen der Familie vor. Doch die neuen Waffengesetzte und die EU-Rechte gaben den Ausschlag, dass die Interessenten am Ende ausstiegen. 

Internet war Hauptgeschäft

Monika und Gerd Teutenberg werden sich auch vom Internethandel verabschieden. „Das Internet war zwar unser Hauptgeschäft, aber wenn wir das behalten würden, wäre das nur ein halber Schritt gewesen“, sagten die Teutenbergs einstimmig. Für das Ladenlokal wird jetzt ein Nachmieter gesucht. Nach der Schließung und dem Urlaub will sich Gerd Teutenberg sich auf die Suche nach einem Nachfolger für das dann leer stehende Ladenlokal machen. Am 16. September beginnt der Ausverkauf in der Kämperstraße.

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