Auf den Spuren von Indiana Jones

Piero Bellanova (26) bereist für seine Arbeit die Welt

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Piero Bellanova erforscht, wie Naturkatastrophen wie Tsunamis oder Vulkan-Ausbrüche entstehen. Dafür bereist er unter anderem Hawaii (Foto), Chile, die USA und Japan.

Werl/USA - Arbeiten, wo andere gerne Urlaub machen – für den Werler Piero Bellanova ist das kein frommer Wunsch, sondern seit einigen Jahren Wirklichkeit, Beruf(ung) und Leidenschaft. Der 26-Jährige macht derzeit an der RWTH Aachen seinen Doktor im Fach Geowissenschaften und reist dafür um die ganze Welt.

Hawaii, Chile, die USA und Japan waren nur einige seiner zahlreichen und oft abenteuerlichen Reiseziele – denn zu Bellanovas „Spezialitäten“ gehören Tsunamis und Vulkane. „Die Tsunamis 2004 im Indischen Ozean und 2011 in Japan haben mein Interesse für das Thema geweckt“, sagt Bellanova, der sein Abitur vor siebeneinhalb Jahren am Ursulinengymnasium gemacht hat.

„Wie entstehen solche Naturkatastrophen und welche Spuren hinterlassen sie? Die Komplexität und Zusammenhänge reizten mich schon früh“, sagt der Werler. Nach dem Abi führte ihn sein Weg nach Münster, wo er seinen Bachelor und Master of Science abschloss. Seit Beginn des Studiums reist er – zuerst hauptsächlich bei Exkursionen in Deutschland und Europa, später wurden die Reisen deutlich länger.

„Jeden Monat um die halbe Welt“

„Mein Professor hat mir angeboten, in Chile an den Ablagerungen eines Tsunamis zu arbeiten. Da habe ich natürlich nicht lange gezögert und seitdem fliege ich beinahe jeden Monat um die halbe Welt“, sagt Bellanova. Vor Ort stehen für ihn und sein Team meist Tagungs- und Präsentationsveranstaltungen und Geländearbeiten an.

„Im vergangenen Jahr war ich beispielsweise in Wien auf der größten europäischen Geologischen Tagung und in Portugal auf einer Tsunami-Veranstaltung“, sagt der Wissenschaftler. Die Geländearbeit sei oft „spannender und spaßiger“ – nicht selten stehen er und seine Kollegen bis zur Hüfte im Schlamm.

„Die Arbeit ist anstrengend, wird bei jedem Wetter gemacht und ist zeitlich eng getaktet“, sagt er. Vor den Bohrungen, bei denen Bodenproben entnommen werden, müssen die Forscher fast immer Genehmigungen einholen. Nicht immer lief bei seinen Exkursionen alles glatt: In Norwegen hat sich Piero Bellanova das Brustbein gebrochen, durch die Arbeit mit schwerem Gerät stehen kleinere Blessuren beinahe auf der Tagesordnung.

Viele Abenteuer erlebt

In der Sahara platzte während der Fahrt der Hinterreifen des Jeeps. „Solche Ereignisse gehören dazu, sowas muss man mit etwas Humor nehmen und sich nicht von Ängsten bestimmen lassen“, sagt Bellanova. Zumal die schönen Erlebnisse deutlich überwiegen. „In Ägypten bin ich mit Delfinen geschwommen und in Italien hatten wir viel Spaß beim Klippenspringen“, erinnert sich der Werler.

In diesem Jahr geht es für den Doktoranden arbeitsreich weiter: Frankreich, Serbien, Albanien und Japan stehen als Ziele bereits fest. „Ich würde aber auch gerne mehr von Afrika sehen und dort mal arbeiten“, sagt Bellanova.

Zurzeit weilt er in den Vereinigten Staaten – privat, nicht beruflich. Denn seine Freundin ist Amerikanerin. Er lernte sie in Kalifornien kennen, als er dort ein halbes Jahr lang als Gastwissenschaftler beschäftigt war. „Ich versuche, meine Freundin natürlich so oft es geht zu sehen“, sagt der Werler, der einen Videoblog auf YouTube betreibt.

Videos auf Youtube und Instagram

„Das mit den Videos war ursprünglich nur für meine Freundin. Sie sollte so sehen, was ich tue, wie es mir geht und wo ich mich herumtreibe“, sagt Piero Bellanova. „Dann habe ich aber gemerkt, dass viel mehr Leute als nur meine Freundin sich die Videos anschauen. Das hat mich motiviert und ich habe einfach weitergemacht“, sagt er.

Das Filmen sei für ihn ein „kreativer Ausgleich“ zu der sonst sehr mathematisch-wissenschaftlichen Arbeit. Trotz der ganzen Reisen und weltweiten Arbeit spielt das beschauliche Werl noch immer eine große Rolle für ihn: „Immer, wenn ich in Deutschland bin, besuche ich meine Familie.

Für mich ist die Stadt einfach ein Rückzugsort, an dem ich mich vom Arbeitsstress und den Exkursionen erholen kann“, sagt Bellanova, der früher bei der DJK Grün-Weiß Werl und in der Pfarrjugend St. Norbert aktiv war. Heimat bleibt eben Heimat – auch wenn der Arbeitsplatz die ganze Welt ist...

Wer mehr über Piero und seine Reisen erfahren will, kann ihm bei YouTube und Instagram folgen: YouTube: www.youtube.com/PieroBellanova / Instagram: www.instagram.com/bellanovapiero/

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