Angeklagter mit Galgenhumor

Gelächter beim Urteil: Lebenslänglich plus einen Monat

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Das Werler Amtsgericht.

Werl - Ein JVA-Häftling, der am Donnerstag im Werler Amtsgericht verurteilt wurde, kommt erst vier Wochen nach seinem Tod frei. Der 47-Jährige muss wörtlich genommen nämlich länger als lebenslänglich einsitzen.

Zu einem Monat Freiheitsstrafe verdonnert zu werden, noch dazu ohne Bewährung, ist keine gute Nachricht – dass der Angeklagte bei seiner Urteilsverkündigung in Gelächter verfiel, ist jedoch tatsächlich nachvollziehbar.

Denn nimmt man dieses Urteil und sein früheres wörtlich, so kommt er nun erst einen Monat nach seinem Dahinscheiden frei. Er sitzt nämlich bereits lebenslänglich ein wegen Raubmordes, jetzt also sollen noch einmal weitere vier Wochen hinzu kommen, da er im Juli in der JVA mit 0,05 Gramm Haschisch erwischt wurde, die er wenig erfolgreich in seinem Tabakbeutel zu verstecken versucht hatte. 

„Ich sitze seit 26 Jahren ein“, erwiderte er auf die Frage der Richterin, was denn so witzig sei, „nun noch einen Monat? Ich komme ins Gefängnis? Juchu! Was kostet dieses Verfahren eigentlich?“, zeigte der trotz Handschellen wild gestikulierende Mann viel Sinn für Galgenhumor. 

"Konsumiere leidenschaftlich"

Doch letztlich müsse das Gericht für seine Tat eine angemessene Strafe finden, erklärte die Richterin dem 47-Jährigen, der bereits bei der Vernehmung durch die Kripo gesagt hatte: „Ich konsumiere leidenschaftlich. Wenn ich damit aufhören soll, dann muss ich eine Therapie machen, aber die bekomme ich hier ja nicht.“ 

Und ohne Therapie, ergänzte er vor Gericht, werde er immer wieder hier landen. Immerhin räumte er ein, schon häufiger im Knast Drogen konsumiert zu haben, jedoch zum ersten Mal dabei erwischt worden zu sein. 

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Ein Mithäftling, der sich wegen eines ähnlichen Deliktes verantworten sollte, muss noch ein wenig länger auf sein Urteil warten – für den Litauer muss erst noch ein Dolmetscher verpflichtet werden. Das Verfahren wurde vertagt.

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