Bußgeld droht

Wenn Raucher ihre Kippen schnippen: So geht Werl mit den Müllsündern um

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Ein öffentlicher Ascher ist nicht überall vorhanden. Die Lösung ist ein Taschen-Aschenbecher, den es zum Beispiel in Zigaretten-Läden gibt.

Werl - Raucher haben ein Problem – ist die Zigarette ausgedrückt, muss sie entsorgt werden. Doch nicht überall ist ein Aschenbecher vorhanden. Das Wegschnippen von Kippen ist eine Umweltsünde. Das Verunreinigungsverbot der Stadt Werl sieht eine Strafe dafür vor.

Noch ein paar Züge, dann kommt der Zug. „Das Schotterbett am Bahnhof ist voll mit Kippen“, ärgert sich Franz Josef Büker, Leiter des Werler Kommunalbetriebs (KBW). Der KBW soll Straßen und Parks sauber halten. Doch mit Besen und Kehrmaschinen lassen sich die Zigarettenreste nur sehr schwer entfernen. 

„Die Hemmschwelle, die Kippe einfach wegzuwerfen, ist gesunken“, sagt Franz Josef Büker. Dabei hat die Stadt erst im vergangenen Jahr auf die Problematik reagiert. Im November 2018 wurden in der Fußgängerzone sieben weitere Aschenbecher an öffentlichen Mülleimern montiert. Doch das Problem hat sich längst nicht in Luft aufgelöst. „Es gibt schwarze Schafe“, sagt Franz Josef Büker. 

Er rät Rauchern zu einem kleinen Taschenaschenbecher, um die Umwelt zu entlasten. Die Schadstoffe aus den herumliegenden Kippen landen beim nächsten Regen nämlich im Grundwasser. Laut dem Naturschutzbund (Nabu) verunreinigt ein einziger Zigarettenstummel 40 Liter Grundwasser. Demnach enthält eine Zigarette circa 200 Giftstoffe – neben Nikotin auch Arsen, Blei und Kupfer. 

Bis zu 25 Euro

Im Verunreinigungsgesetz der Stadt Werl steht, dass jede Verunreinigung der Verkehrsflächen und Anlagen untersagt ist. „Da fällt auch das vorsätzliche oder fahrlässige Wegschmeißen von Zigaretten darunter“, erklärt Christian Reiß, stellvertretender Leiter im Ordnungsamt. Aus dem Bußgeldkatalog der Stadt ergebe sich so eine mögliche Strafe von 10 bis 25 Euro. 

Einen eigenen Passus für das Wegschnippen von Zigaretten hat die Stadt Werl nicht. Das NRW-Umweltministerium empfiehlt für diese Ordnungswidrigkeit ein Bußgeld von bis zu 100 Euro. Doch nicht nur in Werl fällt das Bußgeld geringer aus, auch in Hamm, Dortmund und Lippstadt. „In der Bevölkerung ist das zur Normalität geworden“, sagt auch Christian Reiß. Deswegen seien die Außendienstmitarbeiter besonders sensibilisiert, wenn es sich um Verunreinigungen an Spielplätzen handelt. 

"Wir sind nicht omnipräsent"

Doch Christian Reiß sieht Probleme bei der Umsetzung der Bußgelder. „Wir sind nicht omnipräsent. Das gleiche Problem haben wir beispielsweise auch bei Kaugummis.“ Zwar gebe es immer wieder Täter, aber niemanden, der sie „anklagt“, erklärt der Ordnungsamt-Mitarbeiter. Die Problematik sei im Ordnungsamt immer wieder Thema, eine Lösung gebe es aber noch nicht.

Die Lust am Laster

Bei den Rauchern nachgefragt: Mit Taschenaschenbecher und Verantwortung gegen Stummelreste

Von Anne Schoplick
Diese Lust ist ein Laster, und teuer ist sie auch noch. Ich weiß und höre es oft genug: Einfach aufhören! Wenn das mal so einfach wäre. Obwohl es Gründe genug dafür gibt. Wenn die nichtrauchenden Kollegen meckern über rauchende Verkehrsteilnehmer, die ihre Kippen einfach aus dem Fenster schnippen (was in Sommertagen brandgefährlich wäre), oder Fußgänger, die den abgerauchten Zigarettenstummel einfach in der Landschaft, auf dem Bürgersteig oder sonstwo entsorgen – diesen Schuh, den muss ich mir glücklicherweise nicht anziehen. 

Ich rauche draußen

Ich rauche nämlich überzeugt umweltbewusst draußen, wobei man mir die so produzierten klimaschädlichen Abgase verzeihen möge. Auch die anderen Raucherinnen und Raucher, die sich auf den Außenterrassen am Markt bei unseren Rundgang Kaffee und Kippe schmecken lassen, versichern, mit den Stummelresten stets sorgsam umzugehen. Wäre auf dem Weg durch die Werler Fußgängerzone ohnehin leicht, diese ordnungsgemäß loszuwerden, denn an fast jedem öffentlichen Abfalleimer hängt auch ein öffentlicher Ascher. Vorbildlich aus Rauchersicht. 

Andersfalls, erzählt eine Café-Besucherin, sammelt sie ihre Kippenreste in der Zellophanhülle der Zigarettenschachtel, um sie später ordentlich zu entsorgen. Oder man(n) beziehungsweise Frau (wie ich) hat einen Taschenaschenbecher als ständigen Begleiter bei sich. Nee, aber damit aufs Zeitungsfoto, das möchte niemand von den Befragten an diesem Morgen in der Innenstadt. 

Miniascher zum Mitnehmen

Die Miniascher zum Mitnehmen sind übrigens im örtlichen Tabakhandel offensichtlich gut verkauftes Beiwerk. „Sie sehen richtig schick aus und sind vor allem bei Frauen beliebt“, erzählt Elke Wiggerich von Tabak Lotto Paldino. Zeigen kann sie mir allerdings keine, sie sind gerade ausverkauft. Die rauchende Redakteurin kehrt also ohne Foto zurück in die Redaktion. Allen anderen, die sich über uns Raucher aufregen, denen sei gesagt, auch unsere Spezies stirbt mal aus – früher oder später.

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