Lockerung ab Samstag durch Negativ-Test?

Der Frust ist groß im Werler Einzelhandel

Daumen runter für die vermeintlichen Lockerung im Werler Einzelhandel.
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Ziel verfehlt: Das meinen die Mitarbeiterinnen in der Boutique La Donna e più zur vermeintlichen Lockerung im Einzelhandel.

 Der Frust ist groß im Einzelhandel. „Ich bin entsetzt, mir fehlen die Worte“, sagt nicht nur Turflon-Chef Guido Münstermann mit Blick auf die neue Coronaschutzverordnung des Landes, die ab Samstag gilt.

Werl - In Geschäften, die nicht zur Grundversorgung dienen, ist der Test vor dem Einkauf wieder Pflicht, zumindest für diejenigen, die noch keinen vollen Impfschutz haben oder nicht zu den Genesenen gehören. „Wir haben alle Varianten vorbereitet, damit aber haben wir nicht gerechnet“, spricht Münstermann von nun geltenden Verschärfungen auch für seine Möbel-Branche.

Ein stückweit sei er froh, dass das Bürgertestzentrum immer noch vor seinem Haus stehe. Er hofft und hält es sogar für möglich, dass die nun geltenden Einkaufsvorschriften noch korrigiert werden. Denn an Click und Meet – daran hätten sich die Kunden längst gewöhnt, das sei selbstverständlich geworden. Der Einkauf mit vorherigem Test aber „kostet den Einzelhandel richtig Umsatz“.

Der Möbelhändler spricht damit Oliver Dahms aus der Geschäftsführung von Kaufhaus Danielsmeier aus der Seele. Die Testpflicht beim Einkauf koste „80 Prozent des Umsatzes“, der per Click und Meet noch möglich war. Das sei „einfach frustrierend“ und eine „vollkommene Katastrophe“. Vorbereitete Dienstpläne müssten erneut umgeschrieben werden, alles wieder Retour, auch für die Mitarbeiter, die der Kundschaft diese vermeintlichen Lockerungen ab Samstag auch noch vermitteln müssten. Und er bleibt dabei, bei Click und Meet habe sich in seinem Hause bislang niemand infiziert. Er verstehe zwar den gesundheitlichen Aspekt, das Hin und Her aber habe er „so langsam satt“.

Die Kundschaft ebenfalls. „Ich blicke so langsam nicht mehr durch“, gibt Dorothea Kioltyka offen zu, die sich gerade im „Schuhpark“ umschauen will – am Freitag noch mit Termin, ab Samstag nur noch mit Test. „Wer denkt sich so etwas aus?“ Das fragt sie sich ebenso wie die Mitarbeiterinnen im Verkaufsraum, die „dankbar für die Woche ohne Tests“ waren, den Wechsel jetzt wieder hin zum Negativ-Nachweis nicht gutheißen. „Jede Woche was anderes, das verunsichert auch die Kunden.“

Brigitte Kruse, die bei „Casa“ diesmal noch per Spontan-Termin nach neuer Deko sucht, schreckt die neue Regelung ebenfalls ab. „Das macht das Einkaufen wieder umständlich“, sagt sie. Darum werde sie jetzt auch eher wieder abwarten, in der Hoffnung, dass es besser wird. Elisabeth Becker pflichtet ihr bei. Diese Regelung sei nicht fair, den Geschäftsleuten gegenüber. „Das hält viele Kunden ab.“

Im Modegeschäft La Donna e più steht laut Patricia Prisco das Telefon nicht still. Kundinnen stellen Fragen, „und mir fehlen die Worte, das noch zu erklären“, sagt sie.

Judith Schäfer vom Babyfachmarkt „Kinderburg“ sieht die Laufkundschaft mit der neuen Coronaschutzverordnung des Landes NRW ebenfalls wieder schwinden. „Das macht doch keinen Spaß“. Obwohl sie mit ihrem Geschäft als systemrelevant gilt, werde auch sie das zu spüren bekommen, da sie „zu 99 Prozent vom stationären Handel lebt“. Sie macht deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel aller sei – angefangen von den Händlern bis hin zur Außengastronomie. Im vergangenen Jahr im Sommer habe das doch auch funktioniert – ganz ohne Tests. Eine nun vielleicht einheitlichere Regelung in den Branchen sieht sie daher nicht: „Ich habe eher das Gefühl von reiner Willkür.“

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