„5 vor 12 für das Unternehmensheil“

Freunde der verstorbenen Kettler-Chefin erneuern Vorwürfe gegen Ex-Finanzchef

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Ein Quartett aus Freunden der verstorbenen Firmenchefin Dr. Karin Kettler formulierte  bei einer Pressekonferenz schwere Vorwürfe gegen den früheren Prokuristen und heutigen Kuratoriumsvorsitzenden der Heinz-Kettler-Stiftung, Manfred Sauer.

Werl - Viele der Vorwürfe sind nicht neu. Jetzt aber verknüpfen vier Vertraute der verstorbenen Firmenerbin Dr. Karin Kettler die weitere Zukunft des gesamten Unternehmens Kettler mit der Personalie, die ihnen schon lange ein Dorn im Auge ist: Manfred Sauer.

Der Mann habe sich so viel „Kriminelles“ zu Schulden kommen lassen, dass ein Verbleib an der Spitze des Kuratoriums der Heinz-Kettler-Stiftung nicht tragbar sei. Von Gold- und Gelddiebstahl sowie verschwundenen Diamanten ist die Rede, von Veruntreuung, von Erpressung. Vor allem aber könne sich die Firma selbst diese Situation nicht mehr leisten. „Es ist 5 vor 12 für das Unternehmensheil.“

Sauer dementiert die Vorwürfe „entschieden“. Die Personalie Sauer torpediere die aktuellen Bemühungen, einen Käufer für das Traditionsunternehmen zu finden, sagt der Mendener Unternehmer Ulrich Bettermann („OBO“), der einige Zeit Beiratsvorsitzender bei Kettler war. Zumal er Signale von Banken kenne, dass es finanziell kneife bei der Kettler GmbH. Als ehemaliger Freund von Firmengründer Heinz Kettler und später dessen im Vorjahr verstorbener Tochter Dr. Karin Kettler sei es für ihn unerträglich, dass Sauer noch immer der „starke Mann“ in der Kettler-Stiftung sei, der das Geld und das Unternehmen gehören.

Rundumschlag bei der Pressekonferenz

Was Bettermann wurmt: Vor acht Monaten habe der Anzeiger die Vorwürfe gegen Sauer öffentlich gemacht, seither sei aber nicht viel passiert. Überdies habe Sauer ihn nicht wie angedroht wegen Verleumdung verklagt. Als „Freunde“ bezeichnen sich die vier, die Dienstagmorgen bei der Pressekonferenz zum Rundumschlag ausholen.

Ein Quartett von Wegbegleitern der verunglückten Firmenchefin stellt Sauer erneut an den Pranger: Minutiös zeichnen Bettermann sowie Dirk Valerius (Geschäftsführender Gesellschafter der Werneke Logistic GmbH), Diplom-Ingenieur und Architekt Horst Braukmann (Ense) sowie Rainer Textor (Ense) die Geschehnisse nach, wie der ehemalige Prokurist nach und nach die Firma geschädigt habe und das bis heute tue – als Kuratoriumsvorsitzender der Heinz-Kettler-Stiftung, der in seinem Amt klebe.

Schwarzgeldkonten im Ausland

Von „kriminellen Machenschaften“ ist die Rede, von Schwarzgeldkonten des Firmengründers Heinz Kettler in Höhe bis 40 Millionen Euro im Ausland, von denen Sauer gewusst habe, von daraus resultierender Erpressung des Firmenpatriarchen, auch von einer Erpressung der späteren Firmenerbin Karin Kettler. Vorwürfe, von denen Bettermann bereits einige im Oktober im Anzeiger formulierte. Geändert habe es nichts. Sauer sei noch immer im Amt.

Das Ziel wird von Dirk Valerius klar formuliert: Manfred Sauer müsse weg. „Jeder andere an der Spitze des Kuratoriums ist besser.“ Niemals habe Karin Kettler gewollt, dass der ehemalige Prokurist jemals wieder Einfluss bei Kettler bekommt, schon gar nicht in dieser Machtfülle. Sauer habe bis heute nicht das Schreiben vorgelegt, laut dem Karin Kettler ihn im Falle ihres Todes an der Stiftungs-Spitze habe sehen wollen. Das habe Sauer gegenüber der IHK so behauptet, sei aber „absolut falsch und gelogen“, was Bettermann, Valerius, Brauckmann und Textor bezeugen könnten.

Sigmar Gabriel soll an Sauers Stelle rücken

Bettermann formuliert es drastisch: „Es darf nicht sein, dass ein Krimineller die Stiftung führt.“ Sauer habe zudem in den Monaten, in denen er Stiftungsvorsitzender war, „bereits Rechnungen in Höhe von über 500 000 Euro gestellt, obwohl die Stiftungsräte operativ nicht tätig sein dürfen“. Vielmehr solle der Stiftungsrat den Vorstand der Stiftung kontrollieren. Der Vorstand mit Andreas Sand und Daniel Kettler mache „eine sehr gute Arbeit.“ Es entspreche auch dem Wunsch von Regierungspräsident Hans-Josef Vogel als Stiftungsaufsicht, dass Sauer das Amt abgebe.

Als Ersatz brachte der Mendener Unternehmer erneut „Sigmar Gabriel als integren Stiftungsvorsitzenden“ ins Spiel. Der ehemalige Bundesaußenminister sei dazu bereit. Auch die anderen Stiftungsräte sollten durch „honorige Personen“ ersetzt werden. Bettermann ist überzeugt; „Von der Personalie Sauer hängt auch die Zukunft des ganzen Unternehmens Kettler ab.“

Vorwurf: 200.000 Euro und acht Kilo Gold entwendet

Strafrechtlich sei nicht mehr viel zu machen. Veruntreuung, das sei verjährt. Aber das gelte nicht für einen Vorfall, von dem er, Bettermann, am 29. August 2016 erfahren habe. Demnach habe Karin Kettler ihm erzählt, dass Sauer 200.000 Euro und mindestens acht Kilogramm Gold aus dem Firmentresor entwendet habe, formuliert Bettermann in einer Eidesstattlichen Versicherung. Nur sie und Sauer hätten einen Schlüssel gehabt; und als die Firmenerbin Sauer mit der Polizei gedroht habe, habe dieser gestanden, Gold und Geld genommen zu haben, weil er sich in einer „finanziellen Schieflage“ befunden habe. Reguliert habe er den Schaden später nicht, heißt es in der Eidesstattlichen Versicherung.

Bettermann lässt nicht unerwähnt, dass Heinz Kettler das Gold damals auf sein Anraten hin gekauft habe. Auch Diamanten aus dem früheren Kettler-Besitz, aufbewahrt in einer schwarzen Aktentasche, sollen verschwunden sein. Schon Ende 2017 hatte Bettermann Vorwürfe gegen den früheren Kettler-Finanzchef formuliert. Er solle sich an der Familie des Firmengründers „versündigt und bereichert“ haben. Später ging es auch noch um ein Grundstück mit der Kettler-Villa im spanischen Marbella, das der Stiftung gehöre und das Sauer sich „einverleiben“ wolle. Bettermann hatte seinerzeit den RP als Stiftungsaufsicht aufgefordert, Sauer von seinem Posten als Kuratoriumsvorsitzender abzuberufen.

Sauer distanziert sich von Anschuldigungen

Sauer selbst hatte sich damals schon von den Anschuldigungen distanziert und tat das gestern erneut über seinen Rechtsanwalt Dr. Tobias Eggers. Sämtliche Vorwürfe seien nicht neu, geklärt und von der Staatsanwaltschaft „in Bausch und Bogen zurückgewiesen worden, weil sie unzutreffend sind“. Wenn Bettermann moniere, dass bislang keine Strafanzeige gegen ihn vorliege, könne sich das ändern. „Das können wir möglicherweise nachholen“, sagt Eggers.

Bislang habe Bettermann sich immer auf Hörensagen gestützt, auch in der Eidessatttlichen Versicherung. Dagegen vorzugehen sei schwierig. Aus Sicht Sauers sei Bettermann ein „Mann, der sich festbeißt und nicht weiterkommt“. Daher denke Sauer im Augenblick auch nicht daran, seinen Posten zu räumen. Es werde „ohne Grundlage mit Schmutz geworfen“.

Kettler GmbH: „Aussichtsreiche Verhandlungen mit Investoren“

Die Kettler GmbH zeigte sich von der Pressekonferenz zur Personalie Manfred Sauer überrascht. Allerdings hätten die Vorwürfe gegen den früheren Prokuristen und heutigen Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung mit der Firma nichts zu tun. Daher habe man darüber auch nicht informiert sein müssen.

Für Kettler stellt sich zurzeit ohnehin deutlich mehr die Frage nach der Zukunft und nicht der Blick in die Vergangenheit. Seit geraumer Zeit werden Gespräche geführt auf der Suche nach einem Käufer. „Wir stehen mit Investoren im Gespräch“, sagt Stefanie Risse aus der Unternehmenskommunikation. Die Verhandlungen seien „aussichtsreich“.

Die Stiftung

Der Heinz-Kettler-Stiftung gehören Geld und Unternehmen; die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt. Kuratoriumsvorsitzender ist der frühere Kettler-Finanzchef Manfred Sauer, dem Vorstand gehören Daniel Kettler und Andreas Sand an. Stiftungsaufsicht ist die Arnsberger Bezirksregierung – darum werden auch dort die Vorwürfe gegen Sauer geprüft und mögliche Entscheidungen getroffen. Als Stiftungszweck werden Soziales im Allgemeinen und Hilfe für Behinderte im Besonderen ausgewiesen. Die verstorbene Firmenchefin Dr. Karin Kettler hatte die Heinz-Kettler-Stiftung als Alleinerbin eingesetzt.

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