Nach Vorstoß der Grünen

Freies Internet für alle: Freifunk-Mitglied erklärt, wie das klappen kann

Freies Internet für alle in Werl: Laut Freifunk-Mitglied Patrick Koehne ist das durchaus möglich.
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Freies Internet für alle in Werl: Laut Freifunk-Mitglied Patrick Koehne ist das durchaus möglich.

Freies Internet für alle im Werler Stadtgebiet: Für Freifunk-Mitglied Patrick Koehne ist das eine durchaus realistische Perspektive. Das steckt hinter der Idee.

Werl - Im Kommunalwahlkampf hatten sich die Werler Grünen stark gemacht für freies Internet im Stadtgebiet. Jetzt haben sie ihren Internetzugang freigeschaltet. Rund ums Parteibüro kann also ab sofort kostenlos gesurft werden. „Würden viele Bürger oder Gewerbetreibende ihre Internetzugänge mit einem zusätzlichen Freifunk-Router ausstatten, würden sich diese gegenseitig verstärken und eine ‘Freifunk-Kette’ schaffen“, erklärt der Werler Grüne Peter Kubath. Dann könnte man im Idealfall überall im Stadtgebet frei surfen. Und seine Frau Konstanze Kubath ergänzt: „Sachen, die nichts kosten, kann man doch mal machen.“

Bei den Grünen ist jetzt ein Router von Freifunk-Lippe im Einsatz, der hinter den eigentlichen Router der Grünen gehängt ist. Die Lokalpolitiker kostet das fast nichts. Fast, weil sie einmalig den Freifunk-Router bezahlen müssen, den in ihrem Fall der Hammer Patrick Koehne, ein engagiertes Mitglied von Freifunk-Lippe, angeschlossen und eingerichtet hat. „Router gibt es für wenig Geld gebraucht zu kaufen, die Firmware kostet nichts.“

Koehne, hauptberuflich Gesamtschullehrer, ist ein großer Fan der Freifunk-Initiative, die ihren (deutschen) Ursprung in Berlin hat und inzwischen bundesweit von Hunderten kleiner Initiativen und Vereine getragen wird. Im Umfeld von Werl sind das unter anderem Freifunk Lippe, Freifunk Hamm und Möhne. Letztere lösen sich gerade auf. Ihre „Kunden“ wurden größtenteils von Freifunk Winterberg und Lippe übernommen.

Die Idee hinter Freifunk

Die Idee hinter Freifunk erklärt Koehne so: „Freifunk ist ins Rollen gekommen, als es noch die Störerhaftung gab.“ Damals mussten Privat- und Geschäftsleute, die ihren Internetzugang freigaben, mit empfindlichen Strafen rechnen, wenn etwa über ihren Anschluss illegal Filme oder Musik heruntergeladen wurden. „Die Freifunk-Firmware ermöglicht es den Nutzern, anonym zu surfen, da deren Handys dann über den Freifunk-Server ins Netz gehen und nicht über den, der seinen Router zur Verfügung stellt.“ Die Freifunkvereine könnten nicht haftbar gemacht werden, weil kein Vertragsverhältnis besteht.

Seit Juni 2017 sind Betreiber eines freien WLAN von der Haftung für Rechtsverstöße von Benutzern befreit. In vielen Cafés, bei Friseuren, Büchereien oder Rathäusern ist freies WLAN verfügbar. Das sind dann einzelne Hotspots.

„Router, die mit der Freifunk-Firmware arbeiten, verbinden sich über eine spezielle Software miteinander“, erklärt Patrick Koehne. Wenn Router ausfallen, ermittelt diese Software automatisch, über welche anderen Router die Datenpakete das Ziel erreichen.

Er hofft, gerade Gewerbetreibende in den (Innen-)städten von Freifunk überzeugen zu können, und wirbt: „Wenn ein Friseur einen kommerziellen Anbieter wählt und seine Kunden per Passwort und Gastzugang ins Netz lässt, muss er dafür zahlen.“ Nutzt er die Freifunk-Software, entstünden keine zusätzlichen Kosten. Schließlich würden die meisten Nutzer nur einen Bruchteil ihres Datenvolumens nutzen.

Die Firmware und die Server von Freifunk werden durch Spenden oder Mitgliedsbeiträge finanziert. „Die Vereinsmitglieder sind oft Netzwerktechniker oder -spezialisten. Etliche Freifunk-Initiativen haben neben Gewerbetreibenden auch Banken und Gemeinden mit im Boot.“

Hoffnung, weitere Werler zu überzeugen

Patrick Koehne hofft, in Werl noch viele Internetnutzer von der Freifunk-Idee überzeugen zu können. Bleibt die Frage: Können Kriminelle das Freifunknetz nutzen? „Ja“, sagt Koehne, „aber da gibt es einfachere Möglichkeiten, als sich draußen auf die Parkbank zu setzen.“

Er selbst hat privat auch einen Freifunk-Router. Seine Erfahrung: „Das ist ganz lustig. Plötzlich steht ein Jugendlicher mit seinem Handy eine Stunde auf der anderen Straßenseite. Am nächsten Tag sind es schon vier, aber das verflüchtigt sich schnell.“

Das ist Freifunk

Freifunk ist eine nicht-kommerzielle Initiative für freie Funknetzwerke. Zu den Zielen gehören die Förderung lokaler Kommunikation, ein möglichst dezentraler Aufbau, Anonymität und Überwachungsfreiheit. Weitere Informationen zum Freifunk in der Region und zum Freifunk allgemein gibt es im Internet.

E-Mail-Kontakt zu Freifunk Lippe: pk@freifunk-lippe.de

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