Nach schwerem Corona-Jahr

Fleischerei und Partyservice rutscht in die Insolvenz

Jörg Tigges hatte erst im Februar 2020 den Neustart mit neuem Konzept gewagt. Nun heißt es hoffen auf den Fortbestand des Familienunternehmens
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Da hatte er noch gut lachen: Jörg Tigges hatte erst im Februar 2020 den Neustart mit neuem Konzept gewagt. Nun heißt es hoffen auf den Fortbestand des Familienunternehmens.

Nun geht es im wahrsten Wortsinn, aber auch sprichwörtlich um die Wurst bei einem Betrieb, der in Werl bekannt ist wie der berühmte bunte Hund: Fleischerei und Partyservice Tigges hat einen Insolvenzantrag stellen müssen. Betroffen sind acht Mitarbeiter.

Werl - Es werde alles versucht, den Betrieb zu erhalten, teilt der vorläufige Insolvenzverwalter Marco Kuhlmann auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Das Fleischereigeschaft wird vollumfänglich wie gewohnt weitergeführt und bleibt geöffnet“, sagt der Anwalt der Soester Kanzlei Kreplin & Partner. Die Löhne und Gehälter der acht Beschäftigten in Produktion und Verkauf sei über die Agentur für Arbeit gesichert. „Ziel bleibt es, trotz der Pandemiesituation, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“

Mit Beschluss vom 22. Februar hat das Amtsgericht Arnsberg das vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet und den Fachanwalt für Insolvenzrecht Marco Kuhlmann bestellt. Für das Werler Unternehmen sei nach fast einem Jahr mit Lockdowns und „weiterhin unsicheren Aussichten für das Jahr 2021“ der Schritt zum Insolvenzantrag unabdingbar gewesen.

Insolvenz Fleischerei Tigges in Werl: Bei Neustart Wechsel des Ladenlokals?

„Das ist alles nicht einfach“, sagt Jörg Tigges. Aber das schwere Jahr habe sich bemerkbar gemacht, der Ausfall von Stadt- und Schützenfesten, auch der von Familienfesten – und das bei weiterlaufenden Kosten. Hinzu komme der stets problematische Standort am Maximilian-Heinrich-Platz inmitten von Wohnhäusern, der alles andere als präsent sei für Laufkundschaft. Daher sei, wenn der Neustart wie erhofft gelingt, der Wechsel in ein anderes Ladenlokal zum Verkauf eine Option“, sagt der Unternehmer. „Denn die Lage ist das A und O.“

Mithilfe des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter würden nun „mit der Geschäftsführung gemeinsam Lösungswege erarbeitet, um bestmöglich für alle Beschäftigten einen nachhaltigen Arbeitsplatzerhalt zu sichern“, versichert Anwalt Kuhlmann.

Insolvenz Fleischerei Tigges in Werl: Insolvenzverwalter sieht „gute Chance“

„Unser wichtigstes Ziel ist die Sicherung der Arbeitsplätze und Wahrung der Interessen aller Gläubiger“, so Kuhlmann. Auch Jörg Tigges lägen vor allem die teils langjährigen Mitarbeiter am Herzen. „Der Erhalt des Familienbetriebes ist das Ziel der Sanierungsbemühungen“, sagt Tigges. „Aufgrund der sehr guten Qualität der Fleisch- und Wurstwaren sehe ich hierfür auch trotz des anhaltenden Pandemieumfelds im Rahmen einer Neuausrichtung gute Chancen“, lobt Kuhlmann.

Für Tigges geht damit die wechselvolle jüngere Geschichte in eine neue Runde. Erst vor einem Jahr hatte es einen Neustart nach dem zuvor beschlossenen Aus gegeben. Ende 2019 hatte Jörg Tigges den Betrieb zunächst geschlossen. „Fleischerei & Partyservice Tigges“ schien Vergangenheit zu sein. Das Aus des Ladens sei aus wirtschaftlichen Gründen alternativlos gewesen, hieß es Ende 2019. Sechs Festangestellten und fünf Aushilfen hatte Tigges mit dem Ende des 31 Jahre alten Familienbetriebs kündigen müssen.

Beim Neuanfang mit neuem Konzept auf kleinerer Flamme wurde freitags und samstags das Ladenlokal am Maximilian-Heinrich-Platz wieder belebt. Das Ladenlokal gehört dem Vater. Also reifte die Idee, das Geschäft wiederzubeleben. „Denn Fleisch und Wurst, da lebe ich für“, sagte der Werler damals. Alle Wurstwaren, auch verpackte, kommen aus eigener Herstellung. Zudem gab es Produkte aus der Region, zum Beispiel Marmeladen, an der warmen Theke gab es Leberkäse sowie warme Fleischprodukte als „Metzgerei-Imbiss“. Zudem liefen der Partyservice und die Wurstvermarktung an Wiederverkäufer weiter.

Früher hatte die Familie einen kleinen Supermarkt am Maximilian-Heinrich-Platz betrieben. Aber stets war das Geschäft vor allem bekannt für seine Wurstwaren aus eigener Herstellung, daher war vor einigen Jahren umgebaut worden zur Fleischerei. Natürlich sei die aktuelle Entwicklung auch für die Familie „emotional“, sagt Tigges. „Aber wir versuchen, das aufrecht zu halten – in welcher Form auch immer.“

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