So viele ehemalige Mitarbeiter haben einen neuen Job gefunden

Ex-Beschäftigte von Kettler: Das ist die "Halbzeit-Bilanz" der Transfergesellschaft

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Werl/Ense - Halbzeit-Bilanz bei der Transfergesellschaft: Bis heute sind 48 der zum Februar gekündigten Männer und Frauen in neuer Beschäftigung – damit rund jeder vierte Entlassene und fast jeder zweite, der in die Transfergesellschaft gewechselt war.

119 ehemalige Kettler-Beschäftigte waren diesen Schritt gegangen, 216 Entlassungen hatte es gegeben nach der schwersten Krise der Firmengeschichte, die in die Übernahme des Unternehmens durch die „Lafayette Mittelstand Capital“ Anfang Dezember mündete.

Neues von den „Ehemaligen“ aus dem Hause Kettler teilt nun die Transfergesellschaft (TG) auf Anzeiger-Anfrage mit. In das Bahnhofsempfangsgebäude in Werl hat sich die ComJob-consult GmbH eingemietet, nutzt im ersten Obergeschoss zwei Räume. Sie ist Träger der Transfergesellschaft, die ein halbes Jahr lang die Gekündigten für den Übergang in einen neuen Job weiterqualifiziert.

"Unsicherheit, Wut und Sorge"

Gut 20 der 119 seien mit dem Ziel der nahen Rente vor Augen eingetreten, „andere mit viel Unsicherheit, Wut und Sorge im Gepäck“, sagt Katja Lange, Geschäftsführerin bei ComJob. „Gepäck“ gebe es immer noch, aber es sei wohl für die meisten „besser zu tragen“. Viele Fortbildungsangebote seien genutzt worden: SAP-Schulungen für Kaufleute und Techniker, auch Gabelstapler- und Kranschulungen für Logistiker und Produktionskräfte waren nachgefragt, so Lange. Außerdem Spezialistenseminare im Konstruktionsbereich bis hin zu Englischkursen und sogar Umschulungen.

„Letztere dauern natürlich länger als die Zeit in der Transfergesellschaft“, sagt die Geschäftsführerin und schließt an, dass sie und ihre Mitarbeiterinnen sich „besonders darüber freuen, wenn langjährig Beschäftigte ohne formale Qualifikation den Mut und die Ausdauer aufbringen, einen Abschluss in einem Ausbildungsberuf anzustreben“.

Ex-Kettler-Mitarbeiter bald Rettungssanitäter

Zudem habe ein ehemaliger Versandarbeiter die Zeit für einen Perspektivenwechsel genutzt und werde seine Ausbildung zum Rettungssanitäter im Juni beenden. Neue Wege gehe auch ein Elektromaschinenbauer, der sich zum Brandschutzbeauftragten ausbilden lässt. Zu den 48 Männern und Frauen in neuer Beschäftigung kommen diejenigen, „die aktuell in Bewerbungsverfahren mit positiver Prognose sind“, ergänzt die TG-Managerin.

Auch im kleinsten „Satellit“ der TG, dem Wunstorfer Kettler-Outlet in Niedersachsen, seien nur noch zwei Shopangestellte aus einem Viererteam ohne Job. Schwierig bleibe die Situation für die Ex-Kettler-Beschäftigten, die keine Facharbeiterbriefe in den Bewerbungsmappen versenden können: Maschinenbediener, angelernte Maschinenführer, Montierer und Bandarbeiter.

Arbeitgeber dringend gesucht

„Hier suchen wir dringend interessierte Arbeitgeber für den Direkteinstieg ins Unternehmen und nicht über Leiharbeit“, appelliert die TG. Im Gegenzug bietet sie Probearbeit an und – wenn notwendig – auch eine längere Einarbeitungsphase. Leiharbeit bedeute immer auch einen „Nachteil der Arbeitnehmerschaft“, die mit einem Lohn in Höhe von unter zehn Euro regelmäßige Verbindlichkeiten wie Häuserkredite kaum stemmen könne, hatte die TG schon in einer ersten Zwischenbilanz mitgeteilt.

Für bis zu sechs Monate beschäftigt die ComJob-consult GmbH die Entlassenen. Für die „Ehemaligen“ aus dem Hause Kettler geht das TG-Projekt nun in die Schlussrunde. „Leider kriegen wir nie Verlängerung“, bedauert Lange. Den Beschäftigten stehe das Team aber auch nach Ende mit Beratung und praktischer Unterstützung zur Verfügung. Den Werler Bahnhof wird das Beraterteam erst zum 31. Juli verlassen. „Aber unser Büro in Dortmund ist ja nicht weit“. Kettler war zum Jahresende nach langem Ringen quasi in letzter Minute gerettet worden. 500 Arbeitnehmern blieb damit der Job in der neuen Gruppe erhalten.

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