Das sagt Kettler zur Auftragslage

Kettler kämpft um das Vertrauen der Kunden und Lieferanten

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Der Kettcar-Hersteller Kettler zeigt sich in der Krise optimistisch. Die Auftragslage sei gut.

„Die Auftragslage ist unverändert gut“: Rund vier Wochen nach dem neuerlichen Insolvenz-Schock stellt sich nicht für die Mitarbeiter die Frage, wie es bei Kettler weiter geht.

Werl/Ense - Das Unternehmen zeigt sich optimistisch, auch das dritte Insolvenzverfahren zu bewältigen. Dabei geht es um die Jobs, aber auch um den Warenfluss – und um das Vertrauen in die Marke.

Aktuell werde durch die Geschäftsführung in Zusammenarbeit mit den Beratern und unter Einbindung der Gesellschafterin das Kettler-Geschäftsmodell analysiert, teilt die Firma auf Anzeiger-Anfrage mit. „Dazu gehört zum Beispiel, dass es eine konsequente Sortiments- und Artikelstruktur geben wird“. Es solle über alle Geschäftsbereiche „ein starkes, konzentriertes Sortiment geben“. Dafür arbeite Kettler an einer verbesserten Umsatz- und Margenstruktur.

Das wurde versäumt

Das Unternehmen räumt ein: „Das wurde in den letzten Jahren nicht konsequent verfolgt.“ Den Produktionsstandort Deutschland stellt Kettler nicht in Frage. Auf „made in Germany“ werde weiter Wert gelegt. Zunächst aber galt und gilt es angesichts der neuen Krise, die Kunden und Lieferanten an Bord zu halten. Dazu, so Sprecherin Stefanie Risse, seien in den vergangenen Wochen intensiv Gespräche geführt worden.

„Diese Gespräche sind nachvollziehbar nicht einfach gewesen.“ Dennoch sei die Kraft der Marke nach wie vor sehr groß, „das wurde uns durch viele unserer Kunden bestätigt“. Die Nachfrage sei weiterhin groß. „Und uns wurde deutlich signalisiert, dass eine weitere Zusammenarbeit auch für den Handel wichtig ist.“ Allerdings sei allen Beteiligten durchaus bewusst, dass viel Vertrauen bei Kunden und Lieferanten verloren gegangen ist. Das müsse man zurückgewinnen.

Positive Rückmeldungen

„Das gilt auch für die Kooperationen mit unseren Lieferanten“, sagt Stefanie Risse. Man habe aber „gerade in den letzten Tagen positive Rückmeldungen bekommen, die uns zuversichtlich stimmen, was eine Bereitstellung von Waren betrifft“. Die Auftragslage sei unverändert gut. Im Gartenmöbelbereich sei mit den Frühbestellungen begonnen worden. Die Sportsaison steht bevor. „Wir werden auch für diesen Bereich alles daran setzen, bestmöglich Auslieferungen zu ermöglichen“.

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Dazu stehe man in engem Kontakt zu den Kunden und versuche, „mit der entsprechenden Transparenz zu informieren“. Was die Mitarbeiter am meisten bewegt: Wie sicher sind ihre Arbeitsplätze? Bleibt es bei der ersten Einschätzung des vorläufigen Sachwalters Dr. Georg Kreplin, dass es keinen Kahlschlag geben soll – auch unter Verweis auf den früher erfolgten „erheblichen Personalabbau“.

Das sagt die Chefetage

Eine konkrete Aussage sei derzeit aber nicht möglich, heißt es nun aus der Chefetage. „Wichtig ist die Tatsache, dass sich alle für den Erhalt der deutschen Produktion ausgesprochen haben“, sagte Stefanie Risse. Und „entscheidend“ sei, dass Kettler nach diesem dritten Verfahren „ertrags- und damit zukunftsfähig aufgestellt sein muss“. Im vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren seien zumindest die Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld vorerst gesichert.

Dass eine dritte Insolvenz in so kurzer Zeit „immer sehr schwierig“ ist, weiß der Freizeitartikler. „Die Lösungsansätze müssen jetzt konsequent und zum Teil auch kreativer sein, um das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen.“ Es bestehe aber angesichts der Gespräche und Maßnahmen Zuversicht, dass Kettler die erneute Krise bewältigt.

Sanierung läuft wohl bis Ende 2019

Das Gericht war dem Antrag Kettlers auf vorläufige Eigenverwaltung des Unternehmens gefolgt. Nach der Sanierungsplanung folgt die Eröffnung des Verfahrens mit der Umsetzung der Sanierung. „Zur Zeit gehen wir davon aus, dass die Sanierung im Verfahren bis Ende des Jahres laufen wird.“

Kettler bei Messe in Köln

Das operative Geschäft läuft bei Kettler unverändert weiter. Zurzeit findet die internationale Leitmesse für Gartenmöbel (spoga-gafa) in Köln statt. Hier zeigt Kettler ein neues Programm.

„Für den Sportbereich stehen wir vor der Saison, die im September startet“, sagt Sprecherin Stefanie Risse. Der Spiel- und Kindbereich habe die Saison für Spielfahrzeuge und Spielgeräte nahezu beendet. Zur Zeit sei das Office-Programm Made in Germany „stark nachgefragt“.

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