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Feuerwehr übt am Gefahren-Zug

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Von: Uta Müller

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Feuerwehr übt am Ausbildungszug Gefahrgut
Lernen in Theorie und Praxis: Alles vorhanden beim Ausbildungszug Gefahrgut der DB Netz AG. © Feuerwehr Werl

Eine nicht alltägliche Übung absolvierte die Freiwillige Feuerwehr Werl. Der Ausbildungszug Gefahrgut DB Netz AG machte Station in Unna.

20 Kameraden nutzten die Gelegenheit, sich in einer Sonderausbildung, unabhängig von den normalen Übungsdiensten, tiefer gehende Kenntnisse rund um Gefahrguttransporte im Schienenverkehr anzueignen.

„Das war schon etwas Besonderes“ resümiert Feuerwehrchef Karsten Korte, schließlich liegt die letzte Übung dieser Art ungefähr zehn Jahre zurück. Dabei nutzten auch die jungen aktiven Kameraden aus allen Löschzügen Werls die Möglichkeit.

„Im Original sehen und ausprobieren“ ist nach Ansicht von Korte die praktische Lernerfahrung – „drei mal wertvoller als reine Theorie“. Jede Rettungseinheit hat Zugriff auf entsprechende Informationsblätter, doch dieser Ausbildungszug bietet ganz andere Möglichkeiten der Einsichtnahme. Mit einem Unterrichtswagen, Armaturenkesselwagen und einem Leckagekesselwagen trainieren erfahrene Ausbilder aus dem Notallmanagement der DB in drei Einheiten die Feuerwehrleute – Theorie, Technik und Praxis stehen auf dem Übungsprogramm. „Es sind Informationen, die man nicht alltäglich bekommt“ meint Korte. Zwar habe man auch in Werl selbst die Möglichkeit, an einem Kesselwagen zu üben, aber die umfangreiche Bereitstellung der Informationen seien bei der Sonderausbildung nochmal anders.

Dabei braucht der Ausbilder nicht das kleine Einmaleins des Gefahrguts erklären – „das ist Grundwissen“ so Korte. Gefahrgutkennzeichnungen, angefangen von Zahlencodes bis hin zu der entsprechenden Beschilderung der neun Gefahrgutklassen, lassen in den Köpfen der geschulten Kräfte gleich die richtige Assoziation, von giftig bis ätzend, von brennbar bis selbst entzündend, entstehen. Zudem gibt es für die Rettungsteams jederzeit zugängliche Datenblätter mit weiterführenden Informationen zum Gefahrgut. „Jede Gefahrgutklasse hat seine eigenen Herausforderungen“ sagt der Feuerwehrchef. „Die jungen Kameraden sehen die Dimensionen“, so Korte, da im Schienenverkehr ganz andere Mengen als zum Beispiel auf der Straße unterwegs seien. „Hier kann man eins zu eins sehen, was passiert, wenn man ein Handrad dreht“.

So gibt der mit 65 Armaturen und Sicherheitseinrichtungen ausgestattete Armaturenkesselwagen einen Überblick der Bauformen. Befüllmöglichkeiten von oben und unten werden in unterschiedlichen Baugruppen gezeigt. Schnittmodelle lassen die Funktionen im Inneren ersichtlich werden. Mit den eigenen Geräten konnte man dann am Leckagekesselwagen die Praxis üben. Zusätzlich nutzte man die Gelegenheit zur Dekoneinsatz-Übung und einem praktischen CSA-Tag, dem physisch anstrengenden Arbeiten in den gegen Kontamination schützenden Anzügen.

„Es kann gefährlich werden, einen Schieber zu bewegen“ wurden die Nachwuchskräfte sensibilisiert. Vom falschen Öffnen eines durch einen Unfall auf der Seite liegenden Waggons bis hin zum sich bildenden Überdruck im geschlossenen System – alles mögliche Gefahren, schildert Korte. In deutlich über vier Metern Höhe arbeitend, 4,67 Meter hoch ist zum Beispiel der Armaturkesselwagen, ist die Eigensicherung absolut wichtig. Auch der geringe Abstand zu den Hochspannungsleitungen kann zur Lebensgefahr für die Einsatzkräfte werden. Wie erdet man eine solche Leitung richtig? Wo bekomme ich Informationen? Welche Wege sind einzuhalten?

Ohne das Notfallmanagement der Bahn, das unter anderem gewährleistet, dass auch wirklich die Strecke gesperrt und die elektrische Spannung rausgenommen wurde, kann auch eine eingespielte Truppe nicht agieren. Das veranlasst Korte dazu, die „gute Zusammenarbeit mit den regionalen Notfallmanagern der Bahn“ hervorzuheben.

Was auf Gegenseitigkeit beruhe, bestätigt Notfallmanager Andreas Friemoth: „Die Hilfe der Feuerwehren ist oft unverzichtbar, wenn Unfälle und Störungen schnellstmöglich beseitigt werden müssen, damit der Eisenbahnbetrieb störungsfrei durchgeführt werden kann“. Diese Übungen würden laut Friemoth auch zeigen, dass man seitens der DB Netz AG als Eisenbahnstrukturunternehmer sehr viel Wert auf die gute Zusammenarbeit auf örtlicher Ebene lege.

Von „viel mitgenommen bis total begeistert“ sei dann auch das Fazit der Kameraden nach der Übung gewesen, erzählt Korte. Die erfahrenen Kräfte hätten die Auffrischung und die Übung am Objekt ebenfalls als sehr gut bewertet. Der Ausbildungszug der Bahn wird seit Jahren in ganz Deutschland für Übungen am Objekt von Rettungskräften wie THW oder Feuerwehren oder auch Chemiefirmen genutzt.

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