Auch wenn noch Unsicherheiten bestehen:

Fahrschulen dürfen zum Teil wieder ausbilden

Fahrlehrer Martin Zuch aus Werl am Fahrsimulator.
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Fahrlehrer Martin Zuch aus Werl am Fahrsimulator.

„Seit Mitte Dezember haben wir geschlossen“, sagt Stefanie Zuch von der gleichnamigen Werler Fahrschule. Eine eingeschränkte Ausbildung von Fahrschülern aber ging weiter.

Werl - Ausgebildet werden durften bis zum Freitag nur Fahrschüler, die den Führerschein zur Berufsausübung brauchen, also zum Beispiel Lkw- und Busfahrer, Krankenwagenfahrer und Zusteller. Bei Zuchs werden hauptsächlich Pkw- und Zweiradführerscheine gemacht. Diese praktische Ausbildung war bis Freitag verboten.

In der neuen ministeriellen Corona-Verordnung, die seit gestern gilt, steht nun ein Satz, der aus Sicht der Fahrschulen viel Raum für unterschiedliche Auslegungen lässt. Demnach dürfen sie (privaten) Fahrschülern Unterricht erteilen, die bereits „mehr als die Hälfte der verpflichtenden Ausbildungsstunden“ absolviert haben.

Was damit gemeint ist, ist unklar. Stefanie Zuch vermutet, dass es um die Hälfte der so genannten Sonderfahrten geht, hat aber erst einmal beim Ordnungsamt in Werl nachgefragt. Das Ordnungsamt wiederum hat mit anderen Städten eine Sammelanfrage ans zuständige Ministerium gerichtet. Sobald das geklärt ist, wird Martin Zuch wieder in seinen Fahrschulwagen steigen. Seine Frau wundert sich ein wenig: „Jetzt, wo alles schlimmer wird, dürfen wir wieder fahren.“

Ab sofort müssen Fahrlehrer bei der Arbeit FFP2-Masken tragen. „Bisher reichte eine einfache Stoffmaske“, sagt Stefanie Zuch. Es gibt auch wieder theoretische und praktische Fahrprüfungen: „Der Prüfraum in Werl ist geschlossen. Wir müssen jetzt nach Soest ausweichen, und dort dürfen nur noch sechs statt wie bisher zwölf Schüler sitzen“, weiß Zuch.

Der theoretische Unterricht darf – wie bisher – nur online erteilt werden. Die Fahrschule Zuch bietet ihren Schülern deshalb aktuell zwei Mal täglich diesen Service an. „Die Uhrzeiten müssen wir mit den Schülern wieder neu absprechen. Bisher klappt das ganz gut.“

Wirtschaftlich hält sich der Schaden bisher in Grenzen: „Wir hatten sechs Wochen geschlossen. Die Zahl unserer Fahrschüler ist 2020 nicht gesunken. Unsere drei Fahrlehrer sind in Kurzarbeit, die Hälfte der Fahrzeuge ist abgemeldet und noch wissen wir nicht, ob wir die Soforthilfe behalten oder in Teilen zurückzahlen müssen.“

Bei der Verkehrs-Fachschule Sauerland in Werl dagegen gibt es keine wesentlichen Einschränkungen: „Wir bilden zu 95 Prozent Berufskraftfahrer aus und müssen sogar weitermachen, damit die Berufskraftfahrer ihre notwendigen Weiterbildungsmodule bekommen“, erklärt Katrin Krone, die selbst Fahrlehrerin ist, und bei ihrem Mann Tim das Büro managt. Berufskraftfahrer müssen sich alle fünf Jahre weiterbilden, um nicht ihre Lizenz zu verlieren. „Diese Auffrischung wird in Form von fünf Modulen angeboten, und bei uns rufen ständig Berufskraftfahrer an und fragen händeringend nach diesen Modul-Schulungen. Deshalb bieten wir jetzt vom 23. bis 27. Januar eine ganze Modulwoche an“, erzählt Krone.

Die Fahrschule Sauerland ist mit vier Fahrlehrern im Einsatz. Ihre Kunden sind auch angehende Stapler- und Kranfahrer sowie von der Arbeitsagentur geförderte Lkw- und Busfahrer. Einziges Problem: „Der TÜV kommt kaum mit den Prüfterminen nach.“

Die Werler Fahrschule Hohoff hat zurzeit geschlossen: „Vor März oder April wird hier nichts passieren“, versichert Inhaber Frank Becker. „Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, Wir können zur Not bis Ende des Jahres durchhalten.“

Die Soester Fahrschule Lars Stutte wartet erst einmal ab. Birgit Wegener, die dort im Büro sitzt, beschreibt das Problem: „Wir haben diverse Anfragen von Fahrschülern, die ihre Ausbildung abschließen, wissen aber nicht, wie die neue Verordnung zu verstehen ist. Wir sind alle ganz unglücklich.“

Auch bei der Soester Fahrschule Sölch stehen seit dem 18. Dezember alle Räder still. „Wir wissen noch nicht, ob ‘mehr als die Hälfte der Stunden’ sich auf Sonderfahrten oder allgemeine Ausbildungsstunden bezieht“, sagt Helmut Sölch. Insofern hofft er, dass der Fahrlehrerverband Westfalen diese Frage schnell klärt.

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