Werler Andreas Stephan sieht das anders

EU-Verbote stören Tätowierer: Blau- und Grüntöne sollen schädigend sein

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Tätowierer Andreas „Winz“ Stephan spricht sich gegen ein EU-Verbot der Blau- und Grünpigmente aus.

Über 16 Millionen Menschen in Deutschland tragen mindestens ein Tattoo auf der Haut. Das ist jeder Fünfte – Tendenz steigend. Doch eine bevorstehende Maßnahme der Europäischen Union (EU) könnten drastische Konsequenzen haben.

Werl - Demnach wird darüber diskutiert, die Farbtöne Blau und Grün zu verbieten, da sie ungesund für die Haut sein sollen. Andreas „Winz“ Stephan, Inhaber der Tattoo-Schmiede, ist da anderer Meinung und befürchtet, dass diese Verbote Probleme für sein Geschäft mit sich bringen könnten.

Der 49-Jährige ist seit 17 Jahren offiziell als Tätowierer aktiv. „Ich kann das nicht gut finden. 66 Prozent der Farben werden dadurch wegfallen. Und bis jetzt ist noch kein Nachweis erbracht worden, dass diese Farben tatsächlich gesundheitsschädigend sind. 2008 wurde eine halbdurchdachte Tätowierfarbmittelverordnung herausgebracht. Damit wurden wir Tätowierer mit der Kosmetikindustrie sozusagen in einen Topf geworfen.“ Nun sei festgestellt worden, dass das Blaupigment 74160 beim Haarefärben Rückstände im Haaransatz hinterlässt.

„Dann wurde gesagt, dass das, was auf der Haut nicht gut sei, auch nicht in der Haut gut sein soll. Das ist aber nicht richtig: Beim Stechen wollen wir ja, dass die Farbe möglichst lange in der Haut stecken bleibt und sich nicht auflöst.“ Daher sei es der Sicht von Winz nicht angemessen, dass als Nebeneffekt zu der Kosmetik zu verbieten. Er ist der Meinung, dass der Sachverhalt genauer erforscht werden müsse.

Petition läuft bis zum 16. Februar

Daher hat auch er eine Petition unterschrieben, die seit dem 15. Januar und noch bis zum 16. Februar läuft, wo sich Menschen gegen das Verbot starkmachen können. 50 000 Stimmen waren nötig, damit das Thema im Bundestag und der EU erneut diskutiert wird. Eine Zahl, die in kürzester Zeit überschritten wurde (über 132 000). Auch das macht deutlich, wie beliebt die Branche mittlerweile ist.

Nun wird über eine zweijährige Übergangsphase diskutiert. Doch auch das wird das Problem nicht lösen. „Diese Farbpigmente sind absolut alternativlos. Es gibt nichts anderes. Viele Tätowierer werden wahrscheinlich sich einen ‘Ersatz’ auf legale oder illegale Weise im Ausland besorgen. Und das ist ja genau das, was alle vermeiden wollen. Denn darunter werden die Qualität und die Hygiene erst recht leiden“, erklärt der 49-Jährige.

Wunsch: Liste von erlaubten Farben

Als Lösung würde er sich von Seiten der Politik anstelle einer Negativliste, die vorschreibt, was alles verboten ist und viel zu lang sei, eine kürzere Positivliste wünschen, wonach sich jeder Unternehmer in Deutschland richten könnte. „1500 Dinge dürfen nicht in den Farben sein. Wie soll das denn jemand überprüfen? Das ist unmöglich. Wichtiger ist für mich, dass darauf geachtet wird, dass die Farben gründlich gereinigt werden.

Zudem muss die Politik uns als eigene Branche akzeptieren und nicht mit der Kosmetik in einen Topf werfen. Da müsste ein vernünftiger Austausch stattfinden.“ Wenn dieses Verbot tatsächlich durchgezogen werden würde, wäre das für den erfahrenen Tätowierer ein erheblicher Eingriff in seine Arbeit. „Die Farbtattoos würden dann definitiv der Vergangenheit angehören. Grün und Blau sind fast überall drin. Die bunten Motive fallen dann alle weg. Selbst in den Schwarztönen ist blau drin. Das wird meine Arbeit auf jeden Fall verändern“, blickt der 49-Jährige in eine ungewisse Zukunft.

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