"Sechser im Lotto" verpasst

Enttäuschung in Werl: Chemisches Untersuchungsamt zieht es in den Kreis Unna

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Werl - Für die Stadt Werl wäre es der „Sechser im Lotto“ gewesen, wie Wirtschaftsförderer Ulrich Canisius sagte. Stattdessen aber wird es wohl doch eine Niete: Die Chancen, dass das neue zentrale Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Westfalen mit rund 200 Mitarbeitern in Werl angesiedelt wird, sind auf ein Minimum gesunken. Die Behörde konzentriert sich auf eine Handvoll Grundstücke, die allesamt im Kreis Unna liegen.

Das hat der Vorstandsvorsitzende des CVUA, Dr. Dirk Höhne, am Donnerstag auf Anzeiger-Anfrage mitgeteilt: „Die Tendenz geht klar dort hin.“ Entscheidend seien zwei Kriterien bei der Standortsuche, sagte er: Das Hauptaugenmerk liege auf einer „gerechten Erreichbarkeit“ des neuen Standorts für die Mitarbeiter, die bisher auf vier Standorte verteilt sind: in Arnsberg, Bochum, Hagen und Hamm. „Nicht, dass der eine 70 und der andere nur zehn Kilometer fahren muss.“

Aber auch die Proben, die die Behörde aus den Kreisen erreichen, sollten nicht allzu lange Wege zurücklegen müssen. Aus diesen logistischen Gründen lege der Verwaltungsrat, der am Mittwoch getagt hatte, den Fokus nun auf den Raum Unna, ohne dass bereits eine Entscheidung gefallen sei; das werde wohl erst am 6. Juni bei der nächsten Sitzung passieren. „Aber die Richtung ist klar vorgegeben“, sagt Dr. Höhn.

Werl war mit vier Standorten im Rennen

Und diese Richtung liegt rund 20 Kilometer westlich von Werl. Die Wallfahrtsstadt war mit vier Standorten im Rennen, sah sich allerdings massenhafter Konkurrenz ausgesetzt. Es habe 32 Grundstücke aus den Kreisen gegeben, sagt Dr. Höhn. „Und sie waren fast alle gut.“ Mit solch einer Resonanz habe man gar nicht gerechnet. Auch die Werler Grundstücke seien geeignet gewesen, sagt der Behördenchef. Der Verwaltungsrat habe sie in die Betrachtung einbezogen.

Enttäuscht zeigte sich der Chef der Werler Gesellschaft für Wirtschaft und Stadtentwicklung (GWS), Ulrich Canisius, als er vom Anzeiger von der Entwicklung erfuhr. Schließlich habe man nicht alle Tage die Chance, eine Behörde mit 200 dermaßen qualifizierten Arbeitsplätzen zu bekommen. „Aber wir waren auch nicht blauäugig – und wussten, dass wir nicht der einzige Kandidat sind“, sagte Canisius. Daher habe man gewusst, dass die Aussichten eher gering sein könnten. Wenn es nun nicht zur Ansiedlung in Werl komme, sei das „wirklich schade“.

GWS-Chef Canisius gibt nicht auf

Warum es so komme, könne er natürlich nicht bewerten. „Aber sie werden ihre Entscheidungsmatrix haben.“ Ganz gibt der GWS-Chef die Hoffnung aber nicht auf. Daher werde man bis zur endgültigen Entscheidung abwarten und die vier offerierten Grundstücke auch weiter vorhalten. „Schließlich wollen wir die letzten Möglichkeiten nicht ungenutzt lassen.“

Anfang März war die mögliche Ansiedlung des CVUA öffentlich im Kreis Soest gemacht worden: im Fachausschuss für Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Kreises Soest. „Die Chancen stehen gut“, hatte Professor Dr. Wilfried Hopp, Leiter des Veterinärdienstes beim Kreis Soest, mitgeteilt. Neben Werl war auch Ense mit einer Fläche ins Rennen gegangen. Auch Arnsberg hatte sich Hoffnungen auf den Zuschlag gemacht.

Investition liegt bei 35 Millionen Euro

Die Investition in das Groß-Laboratorium mit 200 Arbeitsplätzen liege bei 35 Millionen Euro, hatte Hopp ausgeführt. Der Kreis Soest ist an dieser Einrichtung beteiligt, die vor vier Jahren aus dem Zusammenschluss der Chemischen Untersuchungsämter der Städte Bochum, Hagen und Hamm sowie aus dem Chemischen und Lebensmittel-Untersuchungsamt Dortmund und dem Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg entstanden war. Der Sitz ist in Bochum.

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