Arbeitsgericht muss entscheiden

Entlassene wehren sich: Massenklage gegen Kündigungen bei Kettler

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Endgültiges Aus Ende Januar - oder doch nicht? Das Gericht soll klären, ob die Kündigungen bei Kettler rechtens waren.

Sie haben nichts mehr zu verlieren; deshalb geht ein Großteil der ehemaligen Kettler-Beschäftigten beim Arbeitsgericht Hamm gegen ihre Kündigungen vor. 

Werl/Ense - Das bestätigt die Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht, Christine Burg aus der Kanzlei Dr. Burg & Partner aus Unna, auf Anfrage unserer Redaktion. Alleine diese Kanzlei vertritt und berät seit Jahren zahlreiche Mitarbeiter sowohl nach den letzten Kündigungswellen, als auch im aktuellen Massenverfahren. 

Ein Verfahren, dass das endgültige Aus des Traditionsunternehmens bedeuten soll. Ende Januar soll Schluss sein an den Standorten Werl und Ense. Aber einfach so hinnehmen will die Vielzahl der 456 gekündigten Mitarbeiter das nicht. Sie erhoben Kündigungsschutzklage - nachdem sie sich teils ausführlich beraten ließen.

Einigungen konnten nicht erzielt werden

Seither hat es zahlreiche Gütetermine am Arbeitsgericht gegeben, sagt Rechtsanwältin Burg. „Seit Dezember finden die Gütetermine statt“, Einigungen konnten jedoch nicht erzielt werden. Beide Parteien haben in den Verfahren zunächst Gelegenheit, ihre Standpunkte auszutauschen, ab März sind dann die ersten Entscheidungen zu erwarten. Dann wird das Gericht feststellen, ob die ausgesprochenen Kündigungen wirksam waren. 

Ziel der Kündigungsschutzklagen ist die Überprüfung der Kündigungen, bei früheren Massenentlassungen war eine Weiterbeschäftigung bei Kettler noch möglich. Jetzt soll der Betrieb Ende Januar geschlossen werden, aber einige Beschäftigte gehen vom Weiterbestand der Firma und der Weiterbeschäftigung auch über den 31. Januar 2020 hinaus aus. 

Waches Auge auf die Entwicklungen

Die Kettler-Markenrechte des Kettler-K an den Sparten haben schließlich mittlerweile die neugegründete KHG Home & Garden GmbH mit Sitz in Glinde bei Hamburg sowie die Firma Trisport für Europa von der Lafayette Mittelstand Capital erworben, die zur Kettler Holding gehört. Der Traditions-Name Kettler wird demnach nicht ausradiert. Natürlich, so die Rechtsanwältin, habe man ein waches Auge auf die nächsten Entwicklungen, vor allem mit Blick auf Ende Januar – und ob es nicht doch weitergeht.

verkündet im Oktober: Das endgültige Aus für Standorte Ense und Werl

Mitte Oktober wurde das endgültige Aus für die Standorte Ense und Werl verkündet – ein Schock für die Beschäftigten, die oft über Jahrzehnte bei Kettler arbeiteten. Die Gründe waren vielfältig.

Schon bei früheren Entlassungswellen des immer stärker kriselnden Freizeitartiklers hatten sich die gekündigten Mitarbeiter gegen die Kündigung gewehrt – oft mit Erfolg, wie Rechtsanwältin Christine Burg sagt. Gingen damals rund ein Viertel gegen die Entlassungen vor, so sind es jetzt deutlich mehr: 70 bis 80 Prozent, so schätzt die Fachanwältin für Arbeitsrecht, ließen die Kündigung nicht auf sich beruhen und lassen deren Wirksamkeit beim Arbeitsgericht in Hamm überprüfen. 

Innerhalb von drei Wochen nach Ausspruch der Kündigung musste Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht eingereicht werden.

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