Bürger vs. Stadt

Emotionale Debatte um Büdericher K18n-Anbindung geht in die nächste Runde

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Mit der „Roten Karte“ sollen die Befürworter der Anbindung Einspruch gegen die Planung der Stadt einlegen.

Büderich - Es wurde applaudiert, gelacht und gebuht, aber vor allem eins: kontrovers diskutiert. Beim Info-Abend in der Büdericher Kuniberthalle stritten Stadtverwaltung und Bürger um die Anbindung des neuen Baugebietes „Schlesienstraße“ an die K18n.

Es war eine intensive Veranstaltung. Etwa drei Stunden lang debattierten fast 200 Bürger über die gewünschte Anbindung. „Damit haben wir in dieser Größenordnung ehrlich gesagt nicht gerechnet“, sagte Anwohner Eckhard Neumann erfreut zur Resonanz. Unter den Zuschauern fanden sich auch Gegner der Anbindung, wobei die Befürworter in deutlicher Überzahl waren. 

Dementsprechend laut fiel auch der Applaus für die Forderungen der Redner aus. Für Gegenargumente der Verwaltung gab es hingegen Gelächter – zum Beispiel, als Kristin Reinck sagte: „Wir haben auch Freiraum zu schützen.“ Mehrere Anwohner fühlen sich „ignoriert“, sprechen von einer „Schweinerei“ und nehmen die Stadt in die Pflicht: „Wir wollen Antworten, keine Statements.“ 

Doch worum geht es überhaupt? 

Die Faktenlage Seit den ersten Planungen vor gut 23 Jahren ist bislang der Ausbau der Schlesienstraße, zumindest streckenweise, und der Bau der Umgehungsstraße K18n erfolgt. 2004 hat die Stadt den Anwohnern versichert, dass die Schlesienstraße nicht die einzige Zufahrt zum Neubaugebiet sein soll – denn das sei „nicht zumutbar“. 

Unmut bei Bürgern: Forderung nach Anbindung an K18n

Ein Jahr später sagte Bürgermeister Michael Grossmann: „Auf Dauer werden wir sicher eine Verbindung bauen.“ Jetzt sprach er von „sich verändernden Fakten“. Auch andere Politiker wurden mit früheren Aussagen konfrontiert. So habe die CDU gelogen, als es um die Trasse „Im Felde“ und deren Besitzer ging. Klaus Eifler erklärte dazu: „Auch als Politiker kennt man nicht automatisch alle Grundstücke, die der Stadt gehören.“

Verkehrszählung 

Knackpunkt der gesamten Diskussion ist und bleibt allerdings die Verkehrszählung. Die Bürger kritisieren, dass die Messung nicht aussagekräftig sei, da sie nur an einem Punkt erfolgte. Gutachter Michael Vieten sagte dazu: „Es ist üblich, nicht überall zu messen, sondern an einem neuralgischen Punkt.“ Das Ergebnis waren 1 250 Fahrzeuge pro Tag, zukünftig sollen es 1 550 sein. Dies führt zum Hauptargument der Stadt: „Die Schlesienstraße ist kaum befahren. Wir halten eine zusätzliche Straße nicht für gerechtfertigt“, so Stadtplaner Ludger Pöpsel. Ein Neubau müsse begründet sein, die Prognose sage aber aus, dass das vorhandene Verkehrsnetz ausreicht. Wichtige Straßen wie Am Feldrain, Kunibert- und Schlesienstraße seien gut ausgebaut. 

Fast 200 interessierte Bürger fanden den Weg in die Kuniberthalle, um am Infoabend teilzunehmen und über die Anbindung zu diskutieren.

Ein weiterer Faktor: Die innerörtliche Verkehrsbeziehung bliebe trotz Anbindung bestehen, weil die Ziele meist in der Dorfmitte (Schule, Kindergarten) lägen. Dem Problem der zu engen Schlesienstraße im nördlichen Abschnitt wolle man sich aber definitiv widmen, so Pöpsel: „Hier werden wir uns Optimierungen überlegen.“ Auch Michael Vieten sagte, dass dort dringend ein Ausbau stattfinden müsse. Das könnte eventuell durch Varianten wie Einbahnstraßenregelung oder Halteverbot gelöst werden – was wiederum auf Gegenwehr der Bürger stößt: „Das ist völlig anwohnerfeindlich und geht an der Wirklichkeit vorbei.“ 

Die obere Schlesienstraße sei aufgrund von am Rand parkenden Autos zu eng, beklagen Anwohner und der Verkehrsgutachter.

Die Büdericher fordern die Anbindung, weil ihrer Meinung nach das Unfallrisiko, besonders für Kinder, durch erhöhtes Verkehrsaufkommen immer weiter steige. „Dass da bislang noch nicht viel mehr Unfälle passiert sind, grenzt an ein Wunder.“ Der Verkehr werde aufgrund des Neubaus einer Kita und eines Supermarkts weiter zunehmen. Eine Anbindung sei außerdem ein Vorteil im Notfall – zum Beispiel für Rettungswagen und Feuerwehr. Darüber hinaus soll an die zukünftige Planung gedacht werden. Dem entgegnet Ludger Pöpsel aber: „Nach diesem Neubau ist es erstmal gut. Zurzeit haben wir kein weiteres Gebiet in Büderich im Fokus.“ 

So geht es weiter 

Das Ziel der Bürger: eine „vernünftige Streitkultur“. Die Bitte: eine Kostenanalyse. Ihr Appell: „Macht Gebrauch von eurem Recht!“ Bis zum 12. April können Bürger nämlich Einspruch gegen den Bebauungsplan Nr. 125 einlegen – zum Beispiel mit der entworfenen „Roten Karte für die Stadt Werl“. Pöpsel kündigte an, dass die Politik noch vor den Sommerferien über eine Beschlussvorlage abstimmen soll. Der Bauverkehr soll übrigens über den Weg „Im Felde“ laufen – dabei setzt die Stadt auf das Vertrauen der Bürger, weil dies nicht im Plan festgelegt wird.

Die Kostenfrage

Die Finanzen werden am Ende vielleicht nicht entscheidend sein, aber zumindest eine wichtige Rolle spielen. Wenn es nach der Stadt geht, ist das Geld nur ein untergeordneter Punkt, der gegen die Anbindung spricht. Im Gespräch sind rund 1 Million oder sogar 1,2 Millionen Euro. Oder vielleicht doch „nur“ 350 000 Euro, wie es die Bürger für realistisch halten. Gutachter Michael Vieten sagt, dass im Falle einer Anbindung an der Kreuzung zur K18n ein Kreisverkehr notwendig wäre, weil sonst ein Unfallschwerpunkt entstände. Außerdem bräuchte man für die Straße eine Fläche von 14,85 statt nur 10 Metern. Das bedeutet zusätzlichen Grunderwerb, wodurch man schnell in den siebenstelligen Bereich kommen könne. Das hätte voraussichtlich die Stadt zu tragen.

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