„Worldloppet-Master“

Auf dünnen Brettern durch die Welt: Werler startet bei Skilanglauf-Marathons

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Werl Thomas Ullrich aus Hilbeck (links) und sein langjähriger Laufpartner Gerd Tittel aus Bestwig.

Hilbeck – Skifahren: Das bedeutet für die Meisten ein paar Tage in den Alpen, ein paar Mal den Berg runter und wieder rauf, alternativ ein paar Kilometer durch die Loipen schnaufen, und dann zum Après-Ski. Nicht für Thomas Ullrich. Der Hilbecker steht kurz vor seinem Titel zum „Worldloppet-Master“.

Worldloppets sind Marathons für Skilangläufer, die von einem gleichnamigen internationalen Skiverband organisiert werden, um diese in den einzelnen Ländern zu verbinden und populärer zu machen. Dieser Verband wurde in Schweden gegründet – daher der Begriff „loppet“.

Lopp ist schwedisch für Lauf oder Wettrennen. Und Loppets sind keine Spaziergänge: Die Strecken variieren zwischen 50 und 90 Kilometern. Und ein „Master“, übrigens auf Lebenszeit, ist, wer zehn unterschiedliche Läufe auf mindestens zwei verschiedenen Kontinenten absolviert hat. Neun Läufe hat Ullrich hinter sich, in Italien, Norwegen, Polen, Tschechien, Schweiz, Deutschland, Österreich und Schweden, und nun auch den zweiten Kontinent: Unlängst waren er und sein langjähriger Laufpartner Gerd Tittel aus Bestwig, mit dem er für den dortigen Skiclub startet, in Kanada.

Und das war für das Duo der bislang härteste Lauf, erzählt Ullrich: „Morgens erhielten wir unsere Unterlagen und merkten: Huch, das sind ja über 1.000 Höhenmeter. Unser Winter hier war ja nicht sehr prickelnd gewesen, wir konnten also nicht umfassend trainieren. Außerdem hatte ich in Folge einer Verletzung etwas pausieren müssen.“

Nebenher verdient er sich etwas als Skilehrer dazu, im Wesentlichem im Sauerland, gelegentlich auch für einen Reiseveranstalter im österreichischen Walchsee. Dabei blieb zumindest etwas Zeit zum Training. Dabei stürzte er einmal unglücklich, knickte sich den Daumen um – er renkte ihn selber wieder ein. „Aber bei minus 30 Grad in Kanada, da habe ich die Kälte am Daumen ganz besonders zu spüren bekommen.“

Sibirische Temperaturen

An zwei Tagen starteten die zwei Männer zu einem Marathon, jeweils etwas mehr als 50 Kilometer im klassischen Stil (in der Loipe) und im Skating, wie man es aus dem Biathlon kennt, vor allem aber beide Male auf über 1.000 Höhenkilometern: „Am ersten Tag ging es noch, aber am zweiten Tag waren wir auf 1.200 Höhenmetern, und obendrein gab es einen Kälteeinbruch“, erinnert sich Ullrich.

„Die meisten Teilnehmer wagten sich erst kurz vor knapp auf die Strecke und blieben bis zum letzten Moment im Bus.“ Das stellte noch ganze andere Herausforderungen an das Duo: Ihre Skier waren für solch sibirische Temperaturen und solch stumpfen Schnee nicht ausgelegt, eher für europäische Verhältnisse. Das erschwerte die Bedingungen erheblich, und die Berge dort lieferten einen ständigen Wechsel aus Berg- und Talfahrten.

Eine Herausforderung der ganz anderen Art war die Verständigung vor Ort. Das Englisch der beiden war in etwa so flüssig wie der Schnee bei 30 Grad minus, doch die Einheimischen seien an Gastfreundlichkeit nicht zu übertreffen gewesen: „Als wir zum Beispiel feststellten, dass unser Busticket nur für die Hinfahrt gegolten hatte, ließ uns der Fahrer so mitfahren.“

„Sport macht mich glücklich“

Beiden geht es nicht darum, als Erste durchs Ziel zu gehen. Aber nur nach „dabei sein ist alles“ steht ihnen der Sinn auch wieder nicht: Als Letzte wollen sie auch nicht durchs Ziel hecheln, eher als Teil des gepflegten Mittelfelds. Heute, mit 57 Jahren, zwei Jahre jünger als sein Freund Tittel, wirkt Thomas Ullrich nicht wie jemand, der droht, Rost anzusetzen und irgendwann zum alten Eisen zu gehören.

Der Mann, der als technischer Angestellter in einem Unternehmen in Meschede viel im Sitzen arbeitet, braucht den Sport. Das sieht man ihm sogar im Gespräch an, selbst wenn er vom Sport nur spricht, scheinen Glückshormone ausgeschüttet zu werden, dem Strahlen in seinen Augen nach zu urteilen: „Sport macht mich glücklich.“

Seit seiner Kindheit ist er aktiv, doch „exzessiv“ wurde es erst mit einem ersten Marathonlauf, und sein Freund Tittel hatte ein Faible für den Triathlon. „Beim Schnuppern blieb es nicht“, lacht Ullrich, und vom Volkstriathlon steigerte er sich über olympische und Mitteldistanzen bis zur großen Langdistanz, „all das habe ich zu meiner Sturm- und Drangzeit schon gemacht.“

105 Kilometer auf Rollskiern

Zu zweit meisterten sie auch schon die sommerliche Variante des Langlaufs, zuletzt 2018. Da bewältigten sie in der Lausitz 105 Kilometer auf Rollskiern, einer Kreuzung aus Langlaufskiern und Inliner-Rollschuhen. Und dazwischen ackern sie sich auf ihren Mountainbikes über den Berg und durchs Tal.

Tittel hat seinen Titel als Master bereits beurkundet bekommen, er steht schon fast vor seinem „Double“, also seinem 20. Lauf. Ullrich, der später begann, fehlt noch sein zehnter: „Wir denken darüber nach, uns im kommenden Jahr Richtung Estland oder Russland zu orientieren.“ Aber das ist immer alles eine Frage des Geldes – und auch des Urlaubs, „ und da kann ich nur meiner tollen Frau danken, dass sie das alles mitmacht.“

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