Verkauf von über 30 Kilo Marihuana

Lange Haftstrafe für Werler Drogen-Händler

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Werl - Weit auseinander gingen die Urteile im Prozess gegen zwei Angeklagte, die beide im Verdacht gestanden hatten, in großem Stil mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben: Während ein 40-Jähriger aus Hemer freigesprochen wurde, muss ein 35-Jähriger aus Werl für fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Die 9. große Strafkammer des Landgerichts Hagen verurteilte ihn wegen Handels mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel in zwei Fällen. Die Richter zeigten sich in ihrer Urteilsbegründung überzeugt, dass der 35-Jährige den Verkauf von knapp 31 Kilogramm Marihuana in Hemer eingefädelt hatte. Es sei erwiesen, dass er das Geschäft mit dem Käufer verabredet und einen Treffpunkt in Hemer vorgeschlagen hatte. „25 bis 30 sind dir“, zitierte der Vorsitzende aus einer Textnachricht, die zu der Zahl von gut 30 Kilogramm passt.

Auf diesem Hintergrund sei es letztlich egal, „wer Hand an die Säcke gelegt hat“. Denn die Übergabe selbst hatten die Ermittler trotz Telefonüberwachung und GPS-Sonde am Fahrzeug des Werlers nicht im Blick. Klar war nur: „Das Auto, mit dem letztlich die 30 Kilogramm abtransportiert wurden, war das Fahrzeug, mit dem der Angeklagte nach Hemer gefahren war.“ Der Käufer fuhr weiter nach Memmingen im bayrischen Schwabenland, wo die brisante Fracht von der Polizei sichergestellt wurde.

Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten

Welche Dimensionen der Deal hatte, machte eine Rechnung deutlich, die die Richter trotz eines gegenläufigen lateinischen Sprichworts aufmachten: In den fünf Säcken mit dem Marihuana befanden sich 414.400 Konsumeinheiten: „378 Süchtige hätten damit ein Jahr lang mit drei Joints pro Tag versorgt werden können.“ Die Kammer verhängte für diese Tat eine Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten. Ein Jahr und sechs Monate kamen für die in Werl und Umgebung aufgefundenen Betäubungsmittel des 35-Jährigen hinzu. Die daraus gebildete juristische Summe wich wie üblich von der mathematischen ab.

Kein klares Ergebnis zeitigte die Beweisaufnahme im Fall des 40-jährigen Angeklagten aus Hemer: Der Vorsitzende benannte noch einmal die Indizien, die auf ihn als Lieferanten der knapp 31 Kilogramm Marihuana hingedeutet hatten: Er war befreundet mit dem Mann aus Werl. Als mutmaßlicher Hauptnutzer einer Wohnung in jener Wohnanlage, deren Tiefgarage die Ermittler als Ort der Übergabe identifizierten, hatte er zwei Stellplätze. Doch die Gemengelage von be- und entlastenden Beweismitteln reichte für eine Verurteilung nicht aus: „Die Kammer kann die für eine Verurteilung erforderliche Gewissheit nicht erlangen“, stellte der Vorsitzende fest. Für seine knapp siebenwöchige Untersuchungshaft muss der 40-Jährige aus der Staatskasse entschädigt werden.

Verteidiger von Unschuld seines Mandanten überzeugt

Seine Freilassung im Mai war ein erster Hinweis darauf, dass der Tatverdacht an Dringlichkeit verloren hatte. Selbst der Staatsanwalt beantragte einen Freispruch - aus Mangel an Beweisen. Von der Unschuld seines Mandanten überzeugt zeigte sich hingegen der Verteidiger. Die versammelten Indizien seien nicht stichhaltig. Mit Tränen verabschiedete sich der Mann aus Werl von seinen Verwandten, die den Prozess verfolgt hatten. Da sein Urteil noch nicht rechtskräftig ist, verlängerte die Kammer zunächst die verhängte Untersuchungshaft.

Thomas Krumm

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