Gebürtiger Büdericher stellt berühmtes Exponat aus 

Eine Tresortür macht Geschichte

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Dimitri Hegemann aus Büderich, Tresor-Gründer und Türstifter in Berlin, bei der Übergabe der Tresor-Tür für die Berlin-Ausstellung im Humboldt Forum.

Berlin/Büderich – Die Berliner (Nacht-)Kultur trägt bekanntlich eine Büdericher Handschrift und macht in diesen Tagen wieder von sich reden: Dimitri Hegemann, der vor über 30 Jahren im ausgedienten Tresor eines Westberliner Kaufhauses einen Techno-Treff installierte, trennt sich von (s)einem Stück „Tresor“. Aber nur leihweise, wie der gebürtige Büdericher versichert. Die Tür des legendären Techno-Clubs wird nun Teil der Berlin-Ausstellung im neuen Humboldt Forum.

Dietmar-Maria Hegemann, wie Dimitri eigentlich heißt, der einst auch einen „Tresor“-Ableger im heutigen Kraftwerk im Werler Stadtwald etablieren wollte, bleibt (weltweit) weiter umtriebig. In Kürze wird er an der Vorbereitung der Konferenz „MuMa – Musik und Maschine 2019, Forum für Nachtkultur, (elektronische) Musik und neue Impulse“ teilnehmen und dafür zum Kurzbesuch in die heimische Region kommen. 

Das Projekt in Dortmund hat sich zum Ziel gesetzt, „an der Entwicklung und Gestaltung einer wertebasierten (elektronischen) Musik- und Querdenker/innen-Szene im Ruhrgebiet und darüber hinaus nachhaltig mitzuwirken“. Die Konferenz will Anstoßgeber und offenes Forum sein, um entsprechende Akteure zusammenzubringen, konkrete Bedarfe auszuloten – nicht zuletzt als Anlass, um gemeinsam ein spannendes Clubprogramm zu erleben. 

Ganz das Ding des 64-jährigen Büderichers, der nach dem Tresor Berlin die Happy Locals gGmbH ins Leben rief, eine Initiative für Jugend und Kultur. Der Direktor des Kraftwerks Berlin will damit dezentrale Kulturarbeit in Gang bringen und hat als Mitautor seine Ideen auch in einem Buch formuliert. Aber nicht nur das. 

„Detroit läuft ebenfalls,“ erzählt Kulturmanager Dimitri Hegemann, als der Anzeiger ihn am Telefon auf Ibiza erwischt. In jener ehemaligen amerikanischen Auto-Metropole hat er sich vor geraumer Zeit der Halle einer alten Autofabrik angenommen, um Kunst und Techno-Kultur dort reinzubringen. Die notwendige Überzeugungsarbeit bei der dortigen Stadtverwaltung, die in Detroit unverändert gültige Sperrstunde abzuschaffen, könnte nun von Erfolg gekrönt sein. 

„Denn mit der Sperrstunde funktioniert Techno nicht“, hatte der Wahlberliner seinerzeit zu diesem Vorhaben gesagt. Nun sei „die Mission fast erfüllt“, berichtet Hegemann. Statt der Öffnungszeiten bis 2 Uhr morgens soll für die Detroiter Szene-Gänger nun um 4 bzw. 5 Uhr „Deadline“ sein. Wieder ein Punkt, den Dimitri Hegemann in seiner kreativen Projektsammlung abhaken kann. Man darf gespannt sein, was der Büdericher Kopf noch so alles entwickeln wird. Für „Spiegel Online“ wurde Dimitri Hegemann jedenfalls erstmal zum „Gewinner des Tages“: „...ein Westfale, dem Berlin viel zu verdanken hat, weil er den ‘Tresor’ aus der Taufe hob und damit den Mythos Berlin,“ hieß es zur „Lage am Dienstag“.

Die Tresortür – Schwergewicht einer Ausstellung

Die Tür des Techno-Clubs Tresor ist in dieser Woche als erstes Objekt der Berlin-Ausstellung in das Humboldt Forum eingezogen. Damit beginnt auch der Aufbau der Ausstellung im ersten Obergeschoss des Humboldt Forums, die sich auf 4.000 Quadratmetern dem Beziehungsgeflecht zwischen Berlin und der Welt widmet. 

Einst sicherte die 2,30 Meter hohe Stahltür den Tresorraum im ehemaligen Wertheim, dem im Nationalsozialismus zunächst enteigneten und im Zweiten Weltkrieg schließlich zerstörten Kaufhaus. Nach der Wende wurde der Tresor als weltbekannter Techno-Club zum Sinnbild eines neuen Berlins. 2005 schloss der Tresor seine Tür, das Gelände am Leipziger Platz wurde neu bebaut und das Kellergewölbe abgerissen. Wie kaum ein anderes Exponat steht die Tresortür deshalb für die bewegte Geschichte der Stadt über die vergangenen einhundert Jahre. 

Die Tür-Übergabe fand ein großes Medienecho.

Die außergewöhnliche Zeitzeugin zählt auch zu den sogenannten Humboldt Forum-Highlights, ausgewählten Exponaten, die einen Eindruck von der thematischen Vielfalt erahnen lassen, die künftig im Humboldt Forum zu erleben sein wird, berichtet die Agentur von Kulturprojekte Berlin. 

Als das Ende des Techno-Clubs und die Neubebauung des Areals am Leipziger Platz feststand, hatte Dimitri Hegemann, Gründer des Techno-Clubs „Tresor“, eigenständig die Stahltür ausgebaut. Das ging nicht ohne schweres Gerät. „Die Tür wiegt 3,5 Tonnen,“ berichtet Hegemann – also per Kranwagen, bevor sie eingelagert wurde. Jetzt stellt er das geschichtsträchtige Stahlexponat als Leihgabe dem Stadtmuseum Berlin zur Verfügung. 

Anhand seiner umfassenden Fotodokumentation wurde für die Ausstellung die Stahltür wieder instandgesetzt. Der Türaufbau mit Stufenverkleidung wurde nachgebaut, um eine solide Aufrichtung zu ermöglichen. Zusammen mit den ebenfalls erhaltenen Schließfächern, die in eine betonverkleidete Wand eingelassen werden, bilden sie heute das erste Exponat der Berlin-Ausstellung.

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