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Deshalb wird zurzeit in Werl an vielen Bäumen gesägt

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Von: Anne Schoplick

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Die Baumpflege gehört in den Wintermonaten zum Kerngeschäft des Kommunalbetriebs. © Schoplick

Werl – Michael Pallus muss manchmal hoch hinaus. Sein Arbeitsplatz wird dann ziemlich wackelig. Auch in diesem Fall: Im Korb des Hubsteigers befördert er sich in die lichten Höhen der alten Platane, um einen abgestorbenen Ast zu entfernen. Städtische Baumpflege ist auf dem Parkfriedhof angesagt.

Aber nicht nur dort. Auch in diesem Winter gehört die Grünpflege wieder zum Kerngeschäft, solange jedenfalls bis es schneit. Dann wechseln die Mitarbeiter in den Winterdienst. Schnee aber ist momentan nicht in Sicht, daher gilt dem Gehölz in der Stadt volle Aufmerksamkeit. Allein elf Großbäume stehen in dieser Saison leider auch auf der Fällliste. 

Sie sind bis zu 26 Meter hoch und bis zu 97 Jahre alt. Die Motorsäge anzusetzen – „wir machen das nicht aus Spaß“, sagt Jürgen Staubach, beim Kommunalbetrieb Werl (KBW) für das Grün zuständig. Die regelmäßige Baumpflege dient der Kontrolle und dem Erhalt des Werler Grüns.

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Michael Pallus ist seit über 30 Jahren beim Kommunalbetrieb mit für den Grünschnitt zuständig und fährt im Hubsteiger oft hoch hinaus. © Schoplick

Die Verkehrssicherung steht an erster Stelle. Ist es um die Standsicherheit von Bäumen kritisch bestellt nach Pilzbefall oder aufgrund von Trockenschäden, wird gehandelt. Auch stattliche Äste, wie der, der vom Sturm abgerissen hoch oben in der mächtigen Platane liegt, sollen und dürfen nicht auf Passanten herabstürzen. 

Michael Pallus startet daher die Motorsäge, um diese Gefahr auf dem Parkfriedhof zu beseitigen. Manchen Bäumen sieht man gar nicht an, dass sie zur Gefahr geworden sind, wie der 75-jährigen Linde an der Bäckerstraße, die vom Brandkrustenpilz geschädigt ist und in nächster Zeit fallen wird. 

Auf der Liste steht auch die 75 Jahre alte Amerikanische Eiche mit einem Stammdurchmesser von einem Meter im Wohngebiet Melsterhag; sie ist befallen von Riesenporling und Weißfäule. Die Werler Kastanien bleiben die „Sorgenkinder“. Große und alte Exemplare an verschiedenen Standorten sind mit Pseudomonas syringae infiziert; die Bakterienkrankheit sorgt für das Absterben einzelner Äste. 

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Grünpflege aus der Vogelperspektive: Der Häcksler unten sorgt auf dem Friedhof für eine andere Geräuschkulisse. © Schoplick

„Kleine“ Ursachen mit großer Wirkung, die für den Laien auf dem ersten Blick nicht sichtbar sind. Daher wird alle Jahre wieder schnell Kritik am vermeintlich unrechten Tun der Baumkolonnen laut. Wohl auch diesmal. 

Die gute Nachricht aber zum Schluss: Es wird auch wieder neu angepflanzt. Rund 130 Bäume stehen für die nächsten Wochen auf der Pflanzliste.

Die Fällliste

Parkfriedhof: 1 Linde (77 Jahre alt, 8 Meter hoch, Befund: wegen Brandkrustenpilz) 

Hinter dem Friedhof 10: 1 Robinie an der Unterkunft Friedhof (97 Jahre, 25 Meter, Befund: trocknet ein) 

Panningstraße Nr. 3: 1 Ahorn (48 Jahre, 10 Meter, Befund: Abgängig durch starke Totholzbildung) 

Hammer Straße Nr. 61: 1 Ahorn (61 Jahre, 10 Meter, Befund: trocknet ein) 

Wickeder Straße/Overbergschule: 1 Kastanie auf dem Schulhof (96 Jahre, 25 Meter, Befund: Pseudomonas syringae) 

Salinenring Nr. 5: 1 Kastanie (80 Jahre, 25 Meter, Befund: Pseudomonas syringae) 

Belgische Straße neben Nr. 7: 1 Kastanie (75 Jahre, 13 Meter, Befund: Pseudomonas syringae) 

Kasper-Basse-Weg 12: 1 Amerikanische Eiche (75 Jahre, 26 Meter, Befund: Riesenporling mit Weißfäule) 

Kaiserin-Gisela-Straße Nr. 14: 1 Götterbaum (30 Jahre, 10 Meter, Befund: trocknet ein) 

Bäckerstraße Nr. 2: 1 Linde (75 Jahre, 10 Meter, Befund: Brandkrustenpilz 

Büderich, Am jüdischen Friedhof 1: 1 Linde (60 Jahre, 14 Meter, Befund: trocknet ein).

Die Pflanzliste

Gepflanzt werden in Werl: 

Sekundarschule: 10 Bäume gemischt 

Melsterhag: 1 Quercus rubra, 2 Castanea sativa 

Melsterhag: 5 Obstbäume gemischt 

Kreutzkamp: 1 Ersatzbaum 

Belgische Straße: Amerikanische Eiche 

Kaiser-Giesela-Straße: 1 Götterbaum 

Industriestraße: 3 Linden 

Soester Straße: 3 Linden 

Salinenring 5: 1 Linde 

Panningstraße 3: 1 Spitzahorn 

Hammer Straße 61: 1 Spitzahorn 

Stralsunder Straße: 1 Quercus robur, 2 Acer plat. 

Friedhof: 1 Buche ersetzen, 5 Acer campestre (Baumurnenreihengrabfeld), 1 Linde (Betkaspar), 2 Solitärbäume (Davidia und Querc. frainetto), 3 Bäume für Absturzopfer.

In Westönnen: 

Friedhof, Baumurnenwahlgrab: 1 Amberbaum Verbindungsweg Bahnhofsweg/ K 2: 12 Bäume gemischt. 

In Budberg: 

Grüner Weg (parallel Budberger Bach): 20 Obstbäume gemischt. 

In Büderich: 

Feldflur: 20 Baumergänzungen. 

In Hilbeck: 

Kulkweg: 5 Pflaumen. 

In Sönnern: 

Reitnecken: 5 Obstbäume gemischt.

Schwerpunkt: Obstbäume

Sie sind zahlreich zu finden an den Werler Straßen und Feldwegen: Obstbäume. Vor allem Äpfel, aber auch Birnen und Pflaumen bekommen nach längerer Zeit nun wieder einen Pflegeschnitt. Eine zweite KBW-Baumkolonne, bestehend aus Claudia Raatz, Lars Dirkmann und Marvin Weiß, trifft der Anzeiger in der Feldflur am Waltringer Weg an. Auch dieses Trio ist wie die Kollegen ausgesprochen wetterfest – bei 3 Grad, Graupelschauern und leichten Sturmböen. Der Rückschnitt erfolgt vielleicht nicht so kleinteilig wie in Privatgärten, die KBW-Mitarbeiter haben aber dafür auch rund 200 Gehölze dieser Art auf ihrem Schnittplan. Der Rückschnitt ist ein Muss bei Obstbäumen, da sie sonst unter anderem zum Verkahlen neigen.

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