Viele Corona-Unsicherheiten

Schulen hoffen auf Regelbetrieb zum Start

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Die Einschulung der i-Männchen gehört zu den vielen Fragen, die die Schulleiter am Freitag abstimmen wollen.

Sicher ist nichts. Nur dass die Schule wieder starten soll. Ansonsten greifen die Schulleiter intensiv auf den Konjunktiv zurück, wie der Schulstart nach den Sommerferien aussehen könnte. Wohlgemerkt: „könnte“. Die Corona-Pandemie und die unklare weitere Entwicklung lässt anderes nicht zu.

Werl - Was heute individuell für jede Schule geplant wird, kann morgen hinfällig sein. Und so geht wie vor den Ferien das bange Warten bei den Eltern, aber auch bei den Werler Schulen weiter: Was macht das Virus mit den Schulen, vor allem wenn die Fallzahlen gerade durch die Urlaubs-Rückkehrer weiter steigen?

Außerordentliche Schulkonferenz am MG 

Man gehe „zum jetzigen Zeitpunkt“ davon aus, dass das Marien-Gymnasium im Regelbetrieb starten wird, sagt Schulleiter Michael Prünte. Heißt: Alle Schüler sollen kommen. Seit Tagen denke die erweiterte Schulleitung „intensiv“ darüber nach, wie ein gefahrloser Betrieb aussehen kann. Man warte aber noch auf Anordnungen aus dem Schulministerium – und habe auch die neue Studie aus Südkorea im Blick, laut der gerade Jugendliche von zehn bis 19 Jahren häufig Haushaltsmitglieder anstecken. 

Das MG hat eine außerordentliche Schulkonferenz am 6. August einberufen, um Eltern, Lehrer und Schüler bei den Weichenstellungen ins Boot zu holen. Das sei wichtig im verantwortungsvollen Umgang mit der Situation, sagt Prünte. Dabei geht es zum Beispiel um Pausenregelungen. Angedacht ist, dass die Oberstufenschüler auf dem Rasen vor dem Hauptgebäude ihre Pausen verbringen, um Ansammlungen auf wenig Raum möglichst klein zu halten. 

Auch das Thema „Durchmischung“ steht auf der Tagesordnung. Die Trennung, die in unteren Klassen geht, ist in der Oberstufe nicht ohne weiteres möglich. „Wir gehen mit sehr viel Respekt an die Planung“, sagt der MG-Chef. Wissend, dass Fragezeichen bleiben, weil die Corona-Entwicklung sich permanent ändert. Grundsätzlich halte er den Regelbetrieb aber für nötig. 

Grundschulen stimmen sich am Freitag ab 

Das sieht auch Stefan Cordes, Leiter der Marienschule Büderich, so. Auch die Grundschulen befinden sich in der Abstimmung und werden sich am Freitag kurzschließen, wie man verfahren wird. Das soll in den Grundschulen in Werl, Wickede, Ense und Welver möglichst einheitlich sein.

Am Freitagmorgen wird es eine kreisweite Videokonferenz mit dem Schulrat des Kreises Soest geben, an der Cordes teilnehmen wird. Im Mittag stimmen sich dann die Grundschulen Werl, Wickede, Ense und Welver ebenfalls per Videoschalte ab. 

Offene Fragen zur Einschulungsfeier 

Wie soll es ablaufen an den Werler Schulen, wie die sonst so feierliche Einschulungsfeier für die i-Männchen über die Bühne gehen? Für die Einschulungszeremonie kann sich Cordes eine „abgespeckte Version“ vorstellen. Nach dem kirchlichen Segen mit einer begrenzten Zahl an Teilnehmern könnte es für die Schulstarter schnell in die Klassenräume gehen. „Wir hoffen auf den Regelbetrieb“, sagt Cordes, wobei hinter Fächern wie Musik und Sport noch immer Fragezeichen stehen. 

Ob aber tatsächlich Unterricht für alle Schüler stattfinden kann, kommt den berühmten „Blick in die Glaskugel“ gleich. Er hoffe sehr, dass das Lernen im Klassenbetrieb möglich bleibt, so wie die Grundschulen es in den letzten beiden Wochen vor den Sommerferien gemacht haben, sagt Cordes. „Ich wünsche mir für Eltern, Schüler und Lehrer aber vor allem, dass ein Weg gegangen wird“. Das Procedere „heute so und morgen anders“ sei vor allem für Eltern sehr belastend gewesen. „Der ständige Wechsel war eine Katastrophe.“ Es bedürfe mehr Ruhe und Sicherheit. 

„Problematisch“ ist für Cordes das Lernen am Tablet Zuhause. Das so genannte „Homeschooling“ sei für Grundschüler wenig sinnvoll. Technisch sei das zwar problemlos machbar, man verschließe sich den Möglichkeiten auch gewiss nicht. Aber anders als an weiterführenden Schulen könne das Lernen Zuhause am Tablet für Grundschüler nicht den Zweck erfüllen und den Unterricht in der Schule nicht ersetzen.

Ursulinen setzen weiter auf Mundschutz

Ob die Schüler wegen des Ferienendes die Nase rümpfen, wird bei den Ursulinenschulen zumindest auf den Gängen und in den Pausen nicht zu erkennen sein. Denn eins ist klar: Der Mundschutz bleibt. Zum Start des neuen Schuljahres werden die Schulen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn darauf nicht verzichten, auch wenn das Land Mundschutz nicht vorgebe. „Der Träger hat es so festgelegt“, sagt Schulleiterin Anne-Kristin Brunn.

Ebenso steht fest, dass der Schwimmunterricht der Klassen sechs und sieben bis auf weiteres ausfällt, weil die Hygienebestimmungen des Bades das Schulschwimmen nicht möglich machen. Welche weiteren Spuren das Coronavirus ansonsten hinterlässt an Gymnasium und Realschule, steht noch nicht endgültig fest. Die Ursulinenschulen gehen derzeit davon aus, am Mittwoch nach den Ferien im Regelbetrieb zu starten (Ausnahme: die 5-er der Realschule; sie beginnen am Donnerstag). 

Die frühere Abstandsregel soll der „Nachverfolgbarkeit der Kontakte“ weichen. Tritt ein Coronafall oder ein Verdacht auf, kann die Schule nachvollziehen, mit welchen Schülern der oder die Betroffene Kontakt hatte. Das sei auch wichtig bezüglich der Kooperationskurse mit dem Marien-Gymnasium in der Oberstufe, sagt Anne-Kristin Brunn. Auf den Fluren und in den Pausen ist die Kontaktkontrolle aber nicht gegeben – daher der Mundschutz. 

Das Problem: die Ungewissheit. Wie entwickelt sich die Pandemie-Lage, welche Vorgaben kommen vom Schulministerium? „Wir haben den Plan B in der Schublade“, sagt die Rektorin. Dazu gehört auch eine mögliche erneute Schulschließung. Nach den Ferien sollen vertrauliche Abklärungen folgen, welche Schüler nicht auf Tablets zurückgreifen können. Weitere Leihgeräte sollen angeschafft werden, um allen Schülern Zugang zu ermöglichen, falls wieder Zuhause digital beschult werden muss. Kurzfristig richten die Ursulinen zudem das „Schulportal“ ein, eine digitale Kommunikationsplattform für Lehrer, Schüler und Klassen – unabhängig von Corona.

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