Verkehrsgesellschaft sieht Probleme bei Maskenpflicht-Bußgeld

Mehr Polizei in Bussen soll Fahrer "aus der Schusslinie nehmen"

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Wenig los an den Bushaltestellen: Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Fahrgastzahlen der Stadtbusse aus – und das kann Folgen haben.

Busfahrer können Fahrgästen oft wortwörtlich schutzlos ausgeliefert sein. Was tun, wenn Mitfahrende partout keinen Mundschutz tragen wollen? Viel können die Fahrer – trotz Bußgeldandrohungen – nicht machen. „Da müsste schon die Polizei oder das Ordnungsamt vor Ort sein.“

Werl - Das sagt Nikolai Weber, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Breitenbach, auf Anfrage unserer Redaktion.  Das Unternehmen sei selbst gespannt auf die ausgearbeiteten Regelungen, „bisher haben wir selbst nur über die Medien von dem geplanten Bußgeld erfahren“.

Coronavirus in Werl schadet dem Nahverkehr

Breitenbach bedient in Werl den Stadtbusverkehr und ist auch regional unterwegs. Insgesamt, so der Chef, schade die Corona-Pandemie dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gewaltig. Der „zunächst vielleicht vorschnelle Appell der Behörden, den ÖPNV am besten zu meiden, hält sehr viele Fahrgäste davon ab, die Busse in Werl und auch im restlichen Bedienungsgebiet zu nutzen“, sagt Nikolai Weber. 

Dabei schätze er die Nutzung der Busse mit Maske als sicherer ein als beispielsweise ein Einkauf in einem Supermarkt. Das Fazit fällt vernichtend aus: „Der positive Aufwärtstrend durch die klimapolitischen Diskussionen der letzten beiden Jahre wurde von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht“, sagt der Breitenbach-Chef. Derzeit sei ungewiss, ob die ÖPNV-Nachfrage nochmal den Stand erreicht, den sie bis März hatte. 

Ausbau des Busangebots auf der Kippe

Das werde wohl Folgen haben: „Eine schwache Auslastung und damit verbundene Einnahmeausfälle verhindern letztlich auch den weiteren Ausbau des Busangebotes.“ Kunden, die aufgrund der Corona-Pandemie andere Mobilitätsformen gewählt haben, seien schwer wieder auf den Bus zu gewöhnen. 

Bezüglich der Maskenpflicht allerdings verhalten sich die Menschen in Werl zumindest bislang diszipliniert. „Natürlich standen auch schon Fahrgäste ohne Maske an der Haltestelle, meist jedoch eher aus Unwissenheit“, gibt Nikolai Weber die Wahrnehmungen der Fahrer weiter. Ein Hinweis habe in solchen Fällen aber stets schnell dafür gesorgt, dass die Maske aus der Tasche geholt wurde. 

Vorfälle wie im münsterländischen Rheine, wo ein Busfahrer von einem renitenten Fahrgast nach dem Hinweis auf die Maskenpflicht angegriffen und bespuckt worden war, „können natürlich dafür sorgen, dass ein Fahrer sich beim gleichzeitigen Einstieg von mehreren Maskenverweigerern überlegt, ob er überhaupt etwas sagen soll oder besser nicht“, sagt Weber. „Wer weiß schon, wo die Aggressivitätsschwelle der zugestiegenen Kunden liegt?“ 

Mehr Polizeipräsenz in Bussen erwünscht

Aus seiner Sicht seien die Kommunen, das Land und der Bund viel stärker gefordert. „In den Bussen müssen mehr Polizisten oder Ordnungsamtsmitarbeiter mitfahren, damit unsere Mitarbeiter, die sich auf den Straßenverkehr konzentrieren müssen, aus der Schusslinie genommen werden“, sagt Weber. Im Verweigerungsfall erst die Polizei zu rufen und darauf zu warten, sorge für Verspätungen und verpasste Anschlüsse der restlichen Fahrgäste. 

Generell sei es jedoch so, dass die Breitenbach-Fahrer außer dem „Draufhinweisen“ aktuell keine weitere rechtliche Möglichkeit haben, gegen Maskenverweigerer vorzugehen. „Wir, und somit unsere Fahrer, haben keine hoheitlichen Rechte.“ Auch das geplante 150-Euro-Bußgeld könne nach aktueller Rechtslage nicht von den Busfahrern kassiert werden. Nikolai Weber appelliert an die Menschen, daran mitzuwirken, die schweren Folgen für den Nahverkehr abzuwenden: „Liebe Werler, fahrt wieder mehr Bus!“

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