Coronavirus: Häftlinge der JVA Werl schneidern Masken

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Auch sie tragen die Eigenproduktion aus der JVA-Schneiderei: Manfred Walter, Mitarbeiter in der JVA-Schneiderei, und André Harbers, Leiter der Arbeitsverwaltung.

Werl – Zwar nicht zertifiziert, aber immer noch besser als ohne: So lautet die Devise, nach der in diesen Tagen in der Näherei der JVA Werl verfahren wird. Hunderte Mund-Nasen-Stoffmasken entstehen zur Zeit im Gefängnis – ausschließlich für den internen Gebrauch.

„Wir haben den Stoff und die technischen Voraussetzungen.“ So stand für den Leiter der Arbeitsverwaltung, André Harbers, der Umsetzung der Idee nichts im Wege. Alles zum Schutz der Bediensteten und damit auch der Insassen. Die 530 Bediensteten sind nun angehalten, die Baumwollmasken aus Eigenproduktion im täglichen Job hinter den Anstaltsmauern zu tragen. Wenn beispielsweise die 1,50 bis 2 Meter Sicherheitsabstand zu Gefangenen oder Kollegen aufgrund der Räumlichkeiten nicht eingehalten werden können. Oder wenn der Beamte im bei einer Durchsuchung einem Insassen näher kommen muss.

TB 26 heißt der weiß gebleichte Baumwollstoff, der für die heimische Maskenproduktion extra angeschafft wurde. Er wird doppellagig verarbeitet, sei aber „atemfreundlicher“ als die dicht gewebte Baumwollware in Bettlaken-Qualität, aus denen die ersten Prototypen an Masken entstanden. Bänder zum Binden waren schnell verworfen, zwei Gummis halten die Masken nun hinter Kopf und Nacken. Die Schnittmuster-Vorlage übernahm die JVA-Näherei von der Feuerwehr Essen – eine in Falten gelegte Machart. 

Und man tüftelt weiter, um die Masken für den Dienstgebrauch noch perfekter zu machen. Eine „Abreißvariante“ wird zurzeit überlegt, die sich bei möglichen Übergriffen schneller vom Gesicht lösen lässt. Die Produktion des Mund-Nasen-Schutzes liegt in den Händen von fünf Häftlingen. Und die sind richtig schnell geworden.

Kein Wunder: Zuschneide- und Legetische sowie ein entsprechender Maschinenpark schaffen fast die Voraussetzungen für eine industrielle Produktion. Wer selbst mal eine Maske an der heimischen Nähmaschine gefertigt hat, kommt angesichts der Zahlen ins Staunen: Ein Näher im JVA-Betrieb schafft sage und schreibe rund 100 Stoffmasken am Tag. So wird die Justizvollzugsanstalt Werl in Kürze in Sachen Mund-Nasen-Schutz voll ausgestattet sein.

André Harbers und Manfred Walter, Mitarbeiter der Schneiderei, schätzen, dass man in der kommenden Woche in die Reserve-Produktion gehen kann. Jeder der 530 Bediensteten sei dann jeweils mit fünf Masken ausgestattet. Waschen müssen die Nutzer den textilen Schutz in Corona-Zeiten übrigens selbst: bei mindestens 60 Grad, Kochwäsche ist noch besser.

Auch nach der Masken-Produktion gibt es in der JVA-Schneiderei noch genug zu tun. Der Anstalts-Zahnarzt beispielsweise wird mit Schutzkitteln für den Eigenbedarf versorgt. In Corona-Zeiten abwischbare Bettlaken stammen ebenfalls aus eigenem Haus. Ein ständiger Bedarf bleibt an Gefangenenbekleidung oder die Schutzkleidung für den Werksdienst.

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