Süße Produkte, saurer Chef

Pralinenhersteller hat nicht nur an Corona zu knabbern

Die Schokoladenseite von DreiMeister: Mit manchem Problem hat das Unternehmen derzeit zu kämpfen.
+
Die Schokoladenseite von DreiMeister: Mit manchem Problem hat das Unternehmen derzeit zu kämpfen.

Die Zeiten sind kein Zuckerschlecken. Und bieten deutlich weniger Möglichkeiten, sich von der Schokoladenseite zu zeigen. Beides aber ist das ureigene Geschäft des Pralinenherstellers Dreimeister in Westönnen. Eigentlich. Aber Corona macht dem Werler Unternehmen zu schaffen - und es gibt noch weitere Schwierigkeiten.

Werl - „Die Corona-Krise fordert uns, keine Frage“, sagt Dreimeister-Chef Markus Luckey. Zumindest aber sei das Oster-Geschäft annähernd auf Vor-Corona- Niveau gut gelaufen, und auch das nächste Weihnachtsgeschäft sei bereits weitgehend eingetütet.

So süß die Produkte sind, so sauer ist der Unternehmer auf die Politik und das Wirrwarr um die erst beschlossenen und dann zurückgenommenen Osterschließungen. All das biete keine Planungssicherheit. „Wir wissen wirklich nicht, wie wir die Monate April bis Juni planen sollen“, sagt der Geschäftsmann.

Erneute Kurzarbeit ist eine Überlegung

Erneute Kurzarbeit für Betriebsteile ist eine Überlegung, „wenn es nötig ist“. In welchem Maß, das wisse man noch nicht. Nach über einem Jahr im Krisenmodus hofft Dreimeister auf Wege aus der Krise – wobei Luckey davon überzeugt ist, dass sich viele Dinge und Gewohnheiten auch dauerhaft ändern werden.

Die Kurzarbeit im Vorjahr habe geholfen, und das damals geleistete Versprechen an die rund 130 Mitarbeiter, dass man keinem betriebsbedingt kündigen werde, habe man eingehalten. „Wir sind durch das Jahr gekommen und haben das bislang gut hinbekommen – aber Spaß macht das niemandem“, sagt Markus Luckey.

Das war ein harter Schlag für die gesamte Branche.

Dreimeister-Chef Markus Luckey zur Hussel/Arko-Insolvenz

Das gilt auch für die Arko/Hussel-Insolvenz, die Dreimeister auch finanziell trifft. Die Ausfälle beim Großkunden hätten durchaus ein Ausmaß, „das weh tut“, räumt Luckey ein. Aber es sei auch nicht so, dass die Westönner deswegen die Lieferung ausgesetzt hätten. „Das war ein harter Schlag für die gesamte Branche“, sagt der Unternehmer, der die Höhe des Schadens für sein Haus nicht beziffern möchte.

Dass die sonst Süßwaren ordernden Hotels geschlossen sind, auch der – wenn auch nur kleine – Geschäftszweig der Airlines derzeit eher am Boden liegt, als zu Höhenflügen neigt, sind weitere Aspekte, die Dreimeister belasten. „Das Jahr hat Spuren hinterlassen.“ Daher sei es umso wichtiger, sich umzustellen – und das habe die Westönner Manufaktur gemacht.

HSV und Eintracht Frankfurt als Kunden

Weitere Aufträge für die Adventskalender der Fußball-Bundesliga habe Dreimeister abgeschlossen, der HSV und Eintracht Frankfurt ergänzen die Vereinspalette für den süßen Zahn der Fußballfans. Auch für Bayern München, Schalke 04, RB Leipzig und Heidenheim fertigt das Unternehmen Adventskalender. An anderen Vereinen sei man dran. Zudem ist Dreimeister in das Geschäft mit Popcorn eingestiegen, fertigt für die Marke „Pottkorn“ Geschmacks-Abwandlungen des Mais-Produkts. Und letztlich habe man den Bereich E-Commerce deutlich ausgebaut. All das habe man schon vor der Corona-Pandemie angestoßen, um sich den sich ändernden Marktgegebenheiten anzupassen, sagt Luckey.

Wir gehen von einer langfristigen Veränderung der Branche aus, und darauf stellen wir uns ein

Markus Luckey

Aber auch im Westönner Werk an sich passiere einiges. Die Zeit nach dem ersten Lockdown habe man genutzt, um die Verpackungsabteilungen zu zentralisieren. Nach Ostern werde man nun in den Produktionsbereich investieren und Abläufe optimieren. „Wir gehen von einer langfristigen Veränderung der Branche aus, und darauf stellen wir uns ein“, kündigt der Dreimeister-Chef an. Daher blicke man aller Probleme zum Trotz positiv in die Zukunft. Dazu bedürfe es allerdings „erheblicher Anstrengungen“. Ein sechsstelliger Euro-Betrag werde investiert.

Grundsätzlich, versichert Luckey, habe die Krisenzeit seinen Spaß am Unternehmen nicht gemindert. Ziel sei es, Dreimeister fünf Jahre nach der Übernahme in die nächste Generation zu führen und die Firma weiterzuentwickeln. Ausbauen und erweitern, am Standort Werl bleiben – das bleibe das unternehmerische Ziel. Ob das letztlich am heutigen Standort mitten in Westönnen ist oder anderswo in Werl, ist Zukunftsmusik. Erstmal zählt das Heute, sagt Luckey. „Und keiner weiß, was in den kommenden drei Monaten passiert.“ Und schon gar nicht, was es für Folgen hat, wenn Corona in aller Munde ist – statt süßer Schokoladenprodukte...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare