Viele Kunden kaufen neue E-Bikes

Coronavirus im Kreis Soest: Ansturm auf Fahrradläden

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Dirk Ackermann vom „2Rad Center Werl“ hat derzeit viel zu tun.

Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es eine Renaissance der Fahrräder. Das Geschäft mit dem Zweirad boomt und die Inhaber wissen nicht, wie sie die ganze Arbeit schaffen sollen.

Werl/Soest - Gerade bei der Reparatur der Fahrräder rennen die Kunden den Läden die Türen ein. „Wir haben zeitweise sogar Annahmestopp von defekten Rädern“, erzählt Dirk Ackermann vom „2Rad Center Werl“. Die Fahrradgeschäfte mussten ausgerechnet in der Hauptsaison ihre Läden schließen. Die Corona-Krise verdarb der Branche den Saisonstart.

„Das Frühjahr und der damit verbundene Start in die Fahrrad-Saison ist für uns enorm wichtig“, erklärt Dirk Ackermann. Aus diesem Grund war die Schließung für die Fahrradläden eine Katastrophe. In dieser Zeit konnten die Familien nicht viel machen und das Radfahren wurde wieder entdeckt. Viele planen ihren Sommerurlaub in der Nähe und wollen dazu das Rad mitnehmen. Während der Zwangsschließung hatte das „2Rad Center Werl“ nur die Reparaturwerkstatt geöffnet. Doch seit der Wiedereröffnung gibt es jetzt einen regelrechten Fahrrad-Aufschwung.

„Das ist eine verrückte Saison“, beschreibt der Werler die aktuelle Situation. „Es gibt weder in der Werkstatt noch im Ladenlokal einen Leerlauf, es ist immer richtig was zu tun“, ergänzt er. Seit vier Jahren hat er nun das „2Rad Center Werl“. Aber so einen Boom hat er noch nicht erlebt. „Wir müssen zusehen, dass wir den Überblick nicht verlieren und deswegen konnten wir zeitweise nicht alles annehmen“, erklärt er. Eine Reparatur dauert im „2Rad Center Werl“ normal ein bis zwei Tage. „Unter zwei Wochen geht im Moment nichts bei der Reparatur“, berichtet er.

Coronavirus im Kreis Soest: Lieferprobleme bei Rad-Modellen

Auch bei einigen neuen Modellen gibt es schon Lieferschwierigkeiten. „Kunden haben manchmal genaue Vorstellungen, was sie für ein Fahrrad wollen, und ich muss ihnen oft sagen, dass das Modell gerade nicht lieferbar ist“, sagt der Werler. Die Firmen können nicht so schnell reagieren. Entspannter ist die Situation bei den Ersatzteilen.

„Da habe ich früh genug vorbestellt und das Sortiment ist noch gut gefüllt“, sagt Ackermann. Für ihn ist es schwierig, die Spitze des Radsportbooms aufzufangen. „Ich bräuchte jetzt mehr Personal, aber es kommen wieder andere Zeiten“, so Dirk Ackermann. Radfreunden, die mit alten oder defekten Rädern kommen, versucht er zu vermitteln, dass es keinen Zweck hat, dieses Fahrrad zu reparieren. „Viele kaufen dann ein neues Rad“, erzählt Ackermann. Der Berg an Schrotträdern auf seinem Hof wächst an. Die Abholer dieser Räder kommen aus dem Ausland und können wegen der Corona-Pandemie den Laden nicht erreichen.

Coronavirus im Kreis Soest: Vom ersten Tag an ein großer Ansturm

Der Westönner Ralf Rullich wäre im Moment mit seiner Familie in Ägypten. Doch der Urlaub wurde abgesagt, die Familie nutzt die Zeit und fährt mit dem Rad, um die umliegende Heimat besser kennenzulernen. „Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, ist das Fahrrad dafür bestens geeignet“, so der Familienvater.

Bastian Bachtenkirch, der mit seinem Kollegen Bartos Blaszkowski das Fahrradgeschäft Radleben in Soest am 1. Oktober von seinem Vater übernehmen wird, kann sich über Arbeit nicht beklagen. „Die erste Woche nach der Wiedereröffnung war vom ersten Tag an ein großer Ansturm“, berichtet er. Normalerweise bedient ein Mitarbeiter die Kunden. Zurzeit sind immer zwei Beschäftigte im Laden.

„Häufig sind wir weit nach Geschäftsschluss noch im Laden“, erzählt er. Die Werkstatt ist extrem voll, wie er bestätigt. Ohne einen Termin gibt es kaum Chancen. Bis zu vier Wochen dauern die Reparaturen von defekten Rädern. Auch der Verkauf der Räder hat deutlich zugenommen. „Wir sind spezialisiert auf E-Bikes und die sind immer mehr im Kommen“, weiß Bachtenkirch. Rund 85 Prozent seiner verkauften Räder sind mit elektrischem Motor.

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