Ein Familie berichtet

Coronavirus in Werl: Schüler lernen wieder zuhause - Probleme beim Homeschooling

Beim Unterricht zuhause (von links): Lena (6), Mareike Bätge und Sophia (10).
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Beim Unterricht zuhause (von links): Lena (6), Mareike Bätge und Sophia (10).

Als die Nachricht kam, dass die Schulen bis Ende Januar geschlossen bleiben, weinte die zehnjährige Sophia erst einmal. So sehr traf die Schülerin der erneute harte Lockdown.

Werl - Der Schülerin Sophia Bätge aus Werl geht es nicht einmal darum, ihre Freundinnen zu treffen. Sie hat Probleme mit dem Online-Unterricht. „Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich nicht direkt nachfragen“, sagt sie.

Der Lehrer schaltet alle Schüler online dazu und erklärt die Aufgaben. Falls es zu Fragen kommt, können die Schüler ihre E-Mails mit den Fragen an die Lehrer senden. „Bis die Fragen beantwortet sind, kann es länger dauern“, weiß Sophia aus Erfahrung. Sie findet, dass dadurch Zeit verloren geht und dass alles viel aufwendiger ist.

Bei schulischen Fragen ruft sie erst einmal ihre Mutter Mareike Bätge an. Die arbeitet allerdings in Unna und kann nicht immer sofort einspringen. Sie und ihr Mann Carsten sind beide berufstätig. „Jetzt müssen wir immer kurzfristig planen, wie wir unsere beiden Kinder betreut bekommen“, sagt sie.

Ihren Mann kann sie bei den Planungen nicht berücksichtigen. Er ist Kraftfahrer und täglich unterwegs. In der vergangenen Woche konnte die Familie noch früh genug planen. Da hat sich Vater Carsten Urlaub genommen und sich um die Töchter Sophia (10) und Lena (6) gekümmert.

Homeschooling in der Praxis: Eltern müssen vieles regeln

Ab Montag geht das nicht mehr. Mareike Bätge arbeitet bei der Stadt Unna und versucht, so viel wie möglich von zuhause aus zu bewerkstelligen. „Das kann ich aber nicht immer machen, weil ich Termine habe, bei denen ich anwesenden sein muss“, schildert sie. Zwei Tage wird sie in dieser Woche Homeoffice machen können.

Zwei weitere Tage springt ihre Mutter Heidrun ein, die sich extra Urlaub genommen hat. „Und dann baue ich am fünften Tag Überstunden ab“, sagt sie. Wie es danach weiter geht, kann sie noch nicht sagen. „Wir sind noch in der glücklichen Situation, dass meine Eltern mit im Haus wohnen. Die würden zur Not auch mal einspringen“, sagt Carsten Bätge.

Das Problem bei der Betreuung ist das Homeschooling (Heimunterricht). „Wenn es zu Fragen kommt, sind meine Mutter und auch meine Schwiegereltern raus, weil die das nicht mehr so kennen“, sagt Mareike Bätge. Dann bekommt sie die Anrufe ihrer Tochter. Am vergangenen Freitag haben die Schüler des Ursulinengymnasiums die Unterlagen bekommen. „Jetzt geht es in den Digitalunterricht“, weiß Mutter Mareike.

Homeschooling in der Praxis: Kinder müssen selbstständiger werden

Die Aufgaben sollen in der Zeit der Schulstunden erledigt werden. Dass das nicht immer so einfach ist, wissen die beiden Eltern genau. Zwar ist Sophia deutlich schneller und eigenständiger geworden, doch fällt es der sechsjährigen Lena noch schwer, alleine zu arbeiten. Sie geht in die erste Klasse der Walburgisschule. „Bei Lena muss ich immer dabei sein“, sagt die Familienmutter. An der Grundschule werden die Unterlagen ausgedruckt und können an der Schule abgeholt werden. Das interne Schulportal wird für die ersten Klassen nicht genutzt.

Mareike Bätge hofft nur, dass es in dieser Woche kein technisches Problem gibt, wenn sie in Unna arbeitet. „Dann sind bei uns zuhause alle aufgeschmissen“, glaubt sie.

Sophia macht es zudem sehr traurig, dass sie ihre Freundinnen nicht treffen kann. „Es gibt zwar regelmäßige Videochats, aber das kann ein reales Treffen nicht ersetzen“, sagt die Zehnjährige. Mit einer guten Freundin hat sich Sophia schon mal getroffen, aber das ist eher seltener der Fall. Die beiden Schwestern gehen gerne zur Schule und vermissen den gemeinsamen Unterricht. Beide hoffen, dass die Corona-Pandemie bald vorbei ist. „Sowas möchten wir nie wieder erleben“, sagen sie.

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