Erste Erfahrungen in Notbetreuung

Selbsttests an Grundschulen: Lob für Kinder, Kritik an der Handhabung

Ein Schüler träufelt Flüssigkeit auf einen Corona-Selbsttest.
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Ein Schüler träufelt Flüssigkeit auf einen Corona-Selbsttest.

Die Werler Grundschulen haben ihre ersten Erfahrungen mit den Selbsttest für Schüler gesammelt. Denn vor der Rückkehr aller Schüler zum Wechselunterricht in der kommenden Woche führten nun bereits die Kinder in der Notbetreuung die Corona-Tests durch.

Werl - Die Kinder seien im Vorfeld schon etwas angespannt gewesen, sagt Andrea Humpert, Leiterin der Walburgisschule am Donnerstag. Sie hätten zum Teil Sorge gehabt, dass sie den Test nicht richtig durchführen und auch Angst davor, krank zu sein. „Aber wir haben die Schüler vorher aufgeklärt und konnten ihnen so viele Ängste und Sorgen nehmen.“

Die Tests seien in kleinen Gruppen von den Schülern durchgeführt worden. „Wir haben ihnen vorher genau gezeigt, wie es funktioniert.“ Eine Schulung für die Lehrer habe es nicht gegeben. „Aber wir haben das Glück, dass wir eine ehemalige Krankenschwester in der Lehrerschaft haben.“

Erleichterung über Ergebnisse

Die Masken seien nur kurz für den Abstrich mit dem Wattestäbchen im vorderen Nasenbereich gelüftet worden. „Die Kinder haben das wirklich gut gemacht“, lobt Humpert. Am Ende seien alle erleichtert gewesen. Denn es gab bei den 80 Schülern in der Notbetreuung keinen einzigen positiven Test. Auch das ganze Schulteam sei negativ getestet worden.

Doch auch für den Fall, dass ein positives Testergebnis auftritt, sei die Schule gewappnet: „Wenn wir einen solchen Fall haben, werde ich dazu geholt. Es ist wichtig, dass die Schüler, solange bis sie von den Eltern abgeholt werden, von einer Vertrauensperson betreut werden – und die Schüler kennen mich alle.“ Schließlich müsse die Lehr- oder Betreuungskraft bei der restlichen Schüler-Gruppe bleiben.

Generell sei es so, dass die Schüler ein gutes Verhältnis zu den Lehrern und Betreuungskräften haben und sie als Vertrauenspersonen akzeptieren. Wenn die Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder in der Schule zweimal wöchentlich getestet werden, können sie auch selbst mit den Kindern zu einer der offiziellen Teststellen fahren und die entsprechende Bescheinigung, die nicht älter als 48 Stunden seien darf, ihrem Kind mit in die Schule geben. Davon hätten einige Eltern auch Gebrauch gemacht, berichtet Humpert. Es gebe aber auch Einzelfälle, in denen sich Eltern komplett der Testpflicht verweigerten. In diesen Fällen hätten die Schüler allerdings auch keinen Anspruch auf Distanzunterricht, so Humpert. Dann müssten die Eltern selbst dafür Sorge tragen, dass ihre Kinder die schulischen Inhalte lernen.

Lehrer unterstützen bei Vorbereitung

Stefan Cordes, Leiter der Marienschule in Büderich, berichtet, er sei „ganz pragmatisch“ an das Thema herangegangen. Er habe die Tests zunächst zuhause mit seiner Familie ausprobiert und habe dann die Kollegen angeleitet. Grundsätzlich sei das zwar nicht kompliziert, für Grundschüler seien die nun zur Verfügung gestellten Tests aber doch etwas „ungünstig gewählt“, findet Cordes. Denn als Vorbereitung müssten genau zehn Tröpfchen der Testflüssigkeit in ein Reagenzglas geträufelt werden. Damit dabei nichts schief geht, müssten die Kollegen dies vorbereiten. „Das kostet Zeit.“ An der Marienschule wurde am Donnerstag die erste Hälfte der etwa 30 Kinder in der Notbetreuung getestet. Auch dort blieb der Streifen, der auf einen positiven Befund deutet, in allen Fällen unsichtbar.

„Wir haben die Kinder bei jedem Schritt sehr intensiv begleitet“, berichtet Cordes, der selbst mit dabei war. Alle Altersstufen seien vertreten gewesen. „Die Kinder fanden das gar nicht schlimm, einige hatten auch schon Vorerfahrungen.“

Natürlich habe man im Vorfeld auch pädagogisch mit den Kindern gearbeitet, ihnen erklärt, warum getestet wird und sie auf den Fall vorbereitet, dass ein Test positiv ausfällt. Auf dem Padlet, der digitalen Pinnwand der Schule, gebe es zusätzlich ein Erklärvideo, außerdem würde mit Blick auf die kommende Woche noch ein ausführlicher Infobrief an die Eltern gehen, so Cordes.

Auch an der Marienschule würden einige Eltern lieber selbst mit den Kindern zu einem der Testzentren gehen, sagt Cordes. Das sei völlig in Ordnung. In einem Fall hätten ihm die Eltern sogar gesagt, sie wollten so die Schule entlasten. „Das fand ich sehr nett.“ Nötig sei das aber nicht. Auch in Büderich sei in Einzelfällen signalisiert worden, dass Eltern ihre Kinder gar nicht testen lassen wollen. In diesen Fällen will Cordes das Gespräch suchen. „Wir machen hier nichts, was den Kindern schadet.“ Cordes selbst sieht in den Tests eine Möglichkeit, „uns alle zu schützen“. „Wir können so vielleicht verhindern, dass wir die Schule schließen müssen und gewinnen ein Stück Normalität.“

Sorgen und Verunsicherung

Im Vorfeld habe die Testpflicht für einige Irritationen gesorgt, sagt Markus Reim, Leiter der Norbertschule. Die Verunsicherung bei den Eltern sei groß gewesen. „Nun sind wir aber einen Schritt weiter.“ Die Klassenleitungen und auch er selbst hätten viele Gespräche geführt. Außerdem habe die Schule Elternbriefe zum Thema verschickt. Trotzdem sei es verständlich, wenn gewisse Sorgen und Ängste bleiben. „Schließlich vertrauen uns die Eltern das Wertvollste an, das sie haben.“ Auch das Kollegium bewege sich in einem besonderen Spannungsfeld: „Wir sind als Pädagogen ausgebildet und sollen nun einen medizinischen Vorgang im schulischen Kontext begleiten.“

Ganz wichtig sei es der Schule, mit den Kindern im Vorhinein zu sprechen, sie auf die Tests vorzubereiten, ihnen genau zu erklären, wie alles abläuft, auch wenn mal ein Test positiv sein sollte. 25 Kinder sind zurzeit in der Notbetreuung, keines sei positiv getestet worden, sagt Reim. „Die Kinder haben das wirklich toll gemacht.“ Sie seien auch nicht besonders ängstlich oder eingeschüchtert gewesen.

Kritisch sieht er allerdings die gelieferten Test-Kits. Sie seien ohne Hilfe der Erwachsenen für Grundschüler nicht geeignet. Dabei gehe es nicht um das Nehmen des Abstrichs in der Nase, das könnten die Kinder sehr wohl alleine. Schwierig sei der Umgang mit der Testflüssigkeit. „Wir hoffen, dass es in Zukunft Tests gibt, die besser zu den Kindern passen.“ Zwei Kinder seien nicht in der Schule getestet worden, sondern hätten einen Beleg von einem Testzentrum mitgebracht, so Reim. Von Testverweigerern habe er bislang noch nichts gehört.

Freude über Rückkehr zum Wechselunterricht

Mit Blick auf die Rückkehr zum Wechselunterricht sagt Reim: „Die Vorfreude darauf, die Kinder wieder hier zu haben und darauf, das endlich Leben in die Norbertschule zurückkehrt, ist unendlich groß.“ Daran änderten auch die vielen Unwägbarkeiten nichts: „Jeder Tag in der Schule zählt.“

Positiv - und dann?

Ist ein Selbsttest eines Schülers positiv, werden die Eltern umgehend benachrichtigt. Bis sie das Kind abholen, wird es in der Schule getrennt von den anderen Kindern betreut. Die Eltern sind verpflichtet, schnellstmöglich beim Hausarzt einen PCR-Test als Kontrolle durchführen zu lassen.

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