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110 Dosen Moderna unbrauchbar: Schneller Nachschub rettet Impftermin

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Von: Dominik Maaß

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Bei der Impfaktion beim Börde-Industrie-Service in Werl kam es zu einer Panne.
Bei der Impfaktion beim Börde-Industrie-Service in Werl kam es zu einer Panne. © Symbolbild: dpa

Der Schock saß tief, als Betriebsleiter Fred Wenselowski kurz vor dem Start der geplanten Impfungen beim Börde-Industrie-Service (BIS) von der Panne erfuhr. 110 Dosen Moderna, die eigentlich am Freitag an die Angestellten und Beschäftigten mit Behinderungen verimpft werden sollten, waren über Nacht unbrauchbar geworden. Der Kühlschrank hatte kurzzeitig zu stark gekühlt.

Werl - „Ich dachte, ich versinke im Boden“, beschreibt Wenselowski seine Stimmungslage am Morgen. Da wusste er noch nicht, dass das Ganze doch noch ein gutes Ende finden würde.

Die Impfdosen für die Behindertenwerkstatt seien bereits am Vortag vom NRW-Gesundheits-Ministerium nach Werl geschickt worden, so Wenselowski. Der BIS lagerte sie im vorbereiteten Kühlschrank zusammen mit einem Datenlogger ein, der kontinuierlich die Temperatur überwachte.

Als der Impfarzt am Morgen die Aufzeichnungen überprüfte, war klar: Die empfohlene Lagertemperatur von 2 bis 8 Grad Celsius war kurzzeitig unterschritten worden. Der Arzt habe im Ministerium nachgefragt und die Anweisung erhalten, den Impfstoff nicht mehr zu verwenden. „Die Kälte zerstört die Molekularstruktur, der Impfstoff wird unwirksam“, erläuterte Wenselowski.

Ein Betroffener, der wegen der Panne offenbar vergeblich auf seine Impfung wartete, wandte sich an unsere Redaktion und kritisierte: „So etwas darf nicht passieren.“

Ursache bleibt unklar

Wenselowski zeigte sich zerknirscht. Schließlich fühle er sich für das Wohl der Menschen beim BIS verantwortlich. Und die meisten hätten den Impftermin kaum erwarten können. Erklären konnte er sich die Panne nicht. „Wir hatten bereits seit dem 17. März einen eigenen Datenlogger im Kühlschrank. In dieser Zeit lag die Temperatur immer im Normbereich.“ Ob jemand die Tür nicht richtig geschlossen hat und die Kühlung deshalb zulegte oder ob es sich um eine technische Panne handelte, könne er nicht sagen. Immerhin hätten die Sicherheitsvorkehrungen dafür gesorgt, dass kein wirkungsloser Impfstoff verabreicht wurde.

„Sehr froh“ war Wenselowski darüber, dass die Impfaktion am Ende – auch dank der Koordination durch das Impfzentrum – doch noch fast wie geplant durchgeführt werden konnte. Innerhalb von zwei Stunden lieferte das Ministerium Ersatz. Mit den Restdosen, die bei Impfungen an anderen Standorten der Bördewerkstätten übrig blieben, kam genug Impfstoff für 22 Mitarbeiter und 77 Menschen mit Behinderungen zusammen. „Alle, die wollten, konnten geimpft werden“, so Wenselowski.

Fahrer werden nach Ostern geimpft

Nur die ebenfalls vorgesehene Erst-Impfung für die Fahrer der Zubringerdienste des BIS sei nicht mehr möglich gewesen. Sie sollen nun beim Impftermin am Lippetaler Standort nach Ostern zum Zuge kommen.

Unter den Beschäftigten der Werkstatt habe die Panne und die längere Wartezeit durchaus für Unruhe gesorgt, sagt Wenselowski. „Aber wir konnten alle beruhigen. Niemand ist vorzeitig gegangen.“

Weiterer Schritt in Richtung Normalität

Neben all den anderen Maßnahmen wie den morgendlichen Befragungen und Temperaturmessungen, den regelmäßigen Reihentests und dem disziplinierten Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln, seien die Impfungen ein weiterer Schritt in Richtung der so sehnlich erhofften Normalität. Die Angst vor einem erneuten Betretungsverbot, wie es im ersten Lockdown ausgesprochen wurde, sei schließlich ein ständiger Begleiter: „Die Menschen mit Behinderungen kommen gerne in die Werkstatt, sie brauchen die Tagesstruktur“, so Wenselowski. Zudem gebe es etliche Beschäftigte mit einer Immunschwäche. Gerade für sie sei die Impfung ein ganz wichtiger Schutz.

Geimpft wurde am Freitag auch am zweiten Werler Standort, der Wichern-Werkstatt. Dort erhielten 168 Mitarbeiter und Beschäftigte den schützenden Piks.

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