Corona-Infektionen im Seniorenheim

Positive Tests trotz doppelter Impfung: Das sagen Experten

Im Caritas-Seniorencentrum St. Michael in Werl wurden bei einem Abstrich vier Bewohner und vier Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet.
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Im Caritas-Seniorencentrum St. Michael in Werl wurden bei einem Abstrich vier Bewohner und vier Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet.

Seit einem Monat doppelt geimpft und trotzdem mit dem Coronavirus infiziert – diese Meldung aus dem Caritas-Seniorencentrum St. Michael nährte am Montag auf den ersten Blick Zweifel an der Impfkampagne. Aus Experten-Sicht besteht dazu aber kein Grund.

Werl - Laut Dr. Ansgar Brockmann, dem stellvertretenden Leiter des Kreisgesundheitsamtes, kann es viele Gründe für einen positiven Test geben. Der Zeitfaktor fällt allerdings weg. Denn vier Wochen sollten dem Impfstoff reichen, um seine Wirksamkeit zu entfalten.

Grundsätzlich sei zwischen dem Nachweis des Virus und einem Ausbruch der Krankheit zu unterscheiden, so Brockmann. Es sei möglich, dass Patienten eine „stille Infektion“ durchmachen, die Impfung aber den Ausbruch der Krankheit verhindert. Dazu würden die guten Nachrichten aus dem Seniorenheim passen. Laut Leiter Daniel Romberg sind die zwei doppelt geimpften Bewohner weiter symptomfrei. Bei einer Bewohnerin sei der letzte Schnelltest negativ ausgefallen.

Negativer Schnelltest deutet auf geringe Viruslast hin

Ein negativer Schnelltest deute auf eine geringe Viruslast hin, so Brockmann. Dies sei in der Regel am Anfang oder Ende einer Infektion der Fall. Es seien von anderen Krankheiten auch Fälle bekannt, bei denen sich Viren kurzfristig durch einen Test auf den Schleimhäuten nachweisen lassen, ihnen es aber nicht gelingt, in den Körper vorzudringen. Auch dies könnte für einen positiven Effekt der Impfung sprechen.

Eine Erkrankung sei trotz Impfung aber nicht auszuschließen. Ältere Menschen seien weniger immunkompetent als jüngere. „Wir sehen das auch bei Grippeimpfstoffen, dass die Älteren trotz Impfung nicht immer ausreichend geschützt sind.“ Außerdem gebe es sogenannte Non-Responder, deren Immunsystem gar nicht auf die Impfstoffe antwortet.

Hohe Impfquoten sorgen für Zuversicht

Brockmann zeigt sich aber zuversichtlich, dass die hohen Impfquoten in den Heimen dazu beitragen, dass sich große Ausbruchsgeschehen wie in den Häusern „Amadeus“ und „Mozart“ nicht wiederholen. Zuletzt habe es nur begrenzte Infektionsgeschehen in den Seniorenheimen gegeben.

RKI: Abstand, Masken und Hygiene bleiben wichtig

Das Robert-Koch-Institut verwies bei Anfrage auf die allgemeinen Informationen auf seiner Internetseite. Demnach soll der Biontech-Impfstoff das Risiko einer Covid-19-Erkrankung um 95 Prozent senken. Noch nicht bekannt sei, „ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit dem Erreger SARS-CoV-2 beziehungsweise vor einer Übertragung des Erregers auf andere Personen schützt“. Deshalb seien trotz Impfung Abstand, Masken und Hygiene weiter wichtig.

Insgesamt waren im Seniorenzentrum St. Michael acht positive Fälle gemeldet worden. Ein 82-Jähriger, der ungeimpft war, starb im Krankenhaus. Eine weitere Bewohnerin, ebenfalls ohne Impfschutz, wird noch stationär versorgt. Von den vier infizierten Mitarbeitern sind laut Romberg zwei wieder im Einsatz. Den anderen beiden gehe es gut. Auch sie waren alle nicht geimpft. dom

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